Regierungsbildung

Ampel-Koalition: Politiker wollen mehr Ostdeutsche in Top-Jobs

Die Parteien der möglichen Ampel-Koalition wollen Ostdeutsche in Führungspositionen stärken. Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es weiter ein Ungewicht.

Berlin – In der Hauptstadt ringen SPD, Grüne und FDP um die Bildung einer möglichen Ampelkoalition. Nachdem zuletzt erste Risse in das Bild der harmonischen Verhandler gekommen war und Politiker schon vor Neuwahlen gewarnt hatten, mussten sich die Politiker zusammenraufen und, obwohl sie noch nicht offiziell die Regierung bilden, den Fahrplan für die Bekämpfung der Corona-Pandemie abstecken. Bei einem anderen Thema herrscht hingegen mehr Einigkeit: SPD, Grüne und FDP wollen verstärkt Ostdeutsche in Führungspositionen bringen.

Parlamentswahl:Bundestagswahl 2021
Datum:26. September 2021
Ort:Deutschland
Wahlbeteiligung:76,6 %

Ampel-Koalition: Politiker wollen mehr Ostdeutsche in Führungspositionen

„Es wächst zusammen, was zusammengehört“, sagte einst Willy Brandt im Jahr 1989 beim Mauerfall. Doch auch über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung herrscht in der deutschen Wirtschaftselite weiterhin ein gravierendes Missverhältnis. Nach wie vor werden Spitzenposten überwiegend von Menschen aus den westdeutschen Bundesländern besetzt. Offenbar will die mögliche Ampelkoalition diesen Sachstand schleunigst verändern.

Die nächste Bundesregierung hat voraussichtlich deutlich mehr Gelder zur Verfügung, als bisher gedacht.

„Wir verbessern die Repräsentation Ostdeutscher in Führungspositionen und Entscheidungsgremien in allen Bereichen“, heißt es in einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland, der sich auf ein Abschlusspapier der Arbeitsgruppe Gleichwertige Lebensverhältnisse beruft. „Für die Ebene des Bundes legen wir bis Ende 2022 ein Konzept zur Umsetzung vor.“

Ostdeutsche Bundesländer: Strukturschwache Regionen sollen vermehr gestärkt werden

Der weitere Plan sieht zudem vor, dass neue und zu erweiternde Bundes- und Forschungseinrichtungen bevorzugt in den ostdeutschen Bundesländern angesiedelt werden sollen. Auch sollen strukturschwache Regionen vermehrt gestärkt werden. Ziel soll es sein, solange vorrangig in ostdeutsche Standorte zu investieren, „bis ein dem Bevölkerungsanteil entsprechender Stand erreicht ist.“ Hierfür planen SPD, Grüne und FDP die Entwicklung eines gemeinsamen Konzepts. Dieses soll den Plänen nach bis Mitte 2022 präsentiert werden. Aus Sicht der Ampel sollte Ende November auch nicht die Corona-Notlage verlängert werden.

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Dass Ostdeutsche in Führungspositionen bundesweit unterrepräsentiert sind, ist schon länger ein strukturelles Problem. Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind sie auch deutlich seltener in Spitzenpositionen in Ostdeutschland vertreten. Die Forschung tat sich lange schwer mit einer Begründung für diesen Sachverhalt. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung bereits vor zwei Jahren feststellte, fehlten größerer angelegte Studien zu den Ursachen. Bei der Rente hingegen gibt es kommendes Jahr eine deutliche Erhöhung – sowohl in West- als auch in Ostdeutschland.

Ungleichgewicht: Nur vier Prozent der Führungskräfte stammen aus Ostdeutschland

Wie das Handelsblatt anlässlich des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung herausfand, waren 2019 nur vier Prozent der deutschen Führungskräfte in Deutschland in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Dieser Sachstand mag besonders da überraschen, wo große Unternehmen mit Gleichstellungsinitiativen oder Anti-Diskriminierungskampangen auf sich aufmerksam machen.

Aber nicht nur in der Wirtschaft ist das Problem gegenwärtig: Auch an den deutschen Hochschulen waren 2019 alle Präsidentenämter mit Menschen besetzt, die aus den westlichen Bundesländern stammten. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erkannte damals, dass Spitzenpositionen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft – abgesehen von der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel – meist durch Westdeutsche besetzt werden. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Dwi Anoraganingrum/Imago Images

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