Kommentar

Ampel-Koalition: Warum Lindner jetzt große Töne spucken muss

Es ist eine Zäsur: SPD, FDP und Grüne wollen die Ampel-Koalition. Doch vieles hängt von Lindners Überzeugungskraft ab. Doch er tanzt gekonnt auf rutschigem Parkett.

Berlin – Eine Zäsur. Einzigartige Möglichkeiten. Neustart. Kleiner geht es bei Christian Lindner nicht. Wortgewaltig, geradezu staatstragend empfahl der FDP-Parteichef nach dem Abschluss der Ampel-Sondierungen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen. Bislang war der Ober-Liberale nicht als glühender Verfechter des Dreier-Bündnisses aufgefallen. Doch am Freitag verkaufte er der Öffentlichkeit die Ampel als das beste Zukunftsprojekt, das Deutschland seit langer Zeit gesehen hat. O-Ton Linder. Doch darüber muss man sich nicht wundern. Lindner hat kaum eine andere Wahl.

Bundestagswahl 2021:Wahl zur 20. Legislaturperiode
Kanzlerkandidaten:Olaf Scholz, Armin Laschet und Annalena Baerbock
Wahlbeteiligung:76,6%
Wahlberechtigte:Etwa 60,4 Millionen Menschen

Ampel-Koalition: SPD, FDP und Grüne beenden Sondierung und wollen über Bündnis verhandeln

Der Parteivorsitzende ist zum Erfolg verdammt. Nach den geplatzten Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2017 wollen die Liberalen ihre Partei endlich in der Regierung sehen. Eigentlich wollte Lindner das mit einem Jamaika-Bündnis erreichen. Doch die fatale Zerrissenheit der Union um Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) ließ selbst den wohlwollenden FDP-Chef an deren Verlässlichkeit zweifeln. Doch nun muss er das Kunststück vollbringen, die Kehrtwende zur Ampel zu begründen. Nicht nur der Öffentlichkeit. Sondern auch den Zweiflern in den eigenen Reihen.

Plädiert neuerdings für eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen: FDP-Chef Christian Lindner.

Der markige Auftritt am Freitag dürfte vor allem an die eigene Partei gerichtet gewesen sein. Denn die Gremien der FDP müssen dem Vorhaben noch zustimmen. Und nichts triggert die Wirtschaftsliberalen mehr als die Aussicht auf Regierungsverantwortung – und eben auch die Idee, Teil eines großen Aufbruchs- und Modernisierungsprojekts zu sein – auch wenn man dadurch eher das politische Lager wechseln muss, also weg von der CDU und hin zur SPD.

Ampel-Sondierungen: Parteichef Christian Lindner muss jetzt Zweifler in den eigenen Reihen überzeugen

Die Sozialdemokraten und die Grünen wissen nur zu genau, dass Lindner von allen den längsten und schwierigsten Weg zurücklegen muss, wenn die Ampel-Koalition tatsächlich zustande kommen soll. Deswegen waren sie schlau genug, dem FDP-Chef und seiner Partei in dem Sondierungspapier einige wichtige Zugeständnisse zu machen. Kein Tempolimit oder starke finanzpolitische Leitplanken – dafür schluckte er sogar den Mindestlohn und das Bürgergeld.

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Es sei ein „Geben und Nehmen“, sagte Lindner zufrieden. Am Ende gewinne nicht nur eine Partei, sondern das ganze Land. Zu hochtrabend? Vielleicht nicht. Vielleicht hat Lindner, der sich neuerdings sogar mit Grünen Chef Robert Habeck verbündet, ja sogar recht. Denn nach der 16-jährigen Merkel-Regierung, von denen zwölf Jahre in einer Großen Koalition bestritten wurden, blieben zuletzt viele Großprojekte liegen. Rentensicherung? Umstieg auf klimaneutrale Industrie? Viele wichtige Vorhaben waren am Ende nur noch Stückwerk. Insofern schadet es nicht, wenn ein wenig Mehltau, der sich auf dem Land breitgemacht wird, abgeschüttelt wird – und Lindners Begeisterung ein wenig abfärbt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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