Nach Wahlschlappe

Wegen Ampelkoalition: Laschet stellt sich auf Hinterbank ein

Hinterbank statt Chefsessel: Der gescheiterte Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) arrangiert sich mit seinem Karriereknick – und hadert doch mit der Ampelkoalition.

Berlin – Laut statt leise: Mit deutlicher Kritik hat der scheidende CDU-Parteichef Armin Laschet den Start der Ampelkoalitionsverhandlungen kommentiert. Vor allem im Bereich der Außenpolitik warf der ehemalige Kanzlerkandidat und bald E-Ministerpräsident den Verhandlern von SPD, Grünen und FDP ein komplettes Versagen vor. Dass sich niemand während der Regierungsbildung für das „fragile Europa“ interessiere, mache ihn „fassungslos“, sagte Laschet der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). In Zukunft werde er sich höchstpersönlich um dieses Thema kümmern, versprach er weiter.

Deutscher Politiker:Armin Laschet
Partei:CDU
Privat:verheiratet, drei Kinder
Aktuelles AmtNoch-Ministerpräsident, Bundestagsabgeordneter

Laschet wird dies allerdings als einfacher Bundestagsabgeordneter tun müssen. Nachdem er die Union als Spitzenkandidat nur zur zweitstärksten Kraft gemacht hatte, bleibt seiner Partei im Bundestag wohl nur die Oppositionsrolle. Derzeit verhandelt Wahlsieger Olaf Scholz (SPD) mit der FDP und den Grünen über die Bildung einer Ampelkoalition. Am Donnerstag wollten die Unterhändler der drei Parteien zu einer ersten Runde zusammenkommen, um in insgesamt 22 Arbeitsgruppen über Rente, Bürgergeld oder die Finanzierung der Klimapolitik zu sprechen.

Ampelkoalition: Armin Laschet (CDU) hadert noch mit den Verhandlungen von SPD, FDP und Grüne

Und Laschet? Dem bleibt nur die Zuschauerrolle. Lange hatte der Unionskandidat trotz der Wahlniederlage geglaubt, an der SPD vorbei eine Jamaika-Koalition schmieden zu können. Doch das lange Festhalten an dieser Machtoption und das Aufschieben des Eingeständnisses, die Wahl verloren zu haben, hatte ihm insbesondere auch in den eigenen Reihen viel Kritik eingebracht und letztendlich auch den Ruf nach einer Neuaufstellung an der Spitze der Partei befeuert – und zwar ohne Laschet.

Plant sein Leben jetzt als einfacher Abgeordneter: der scheidende Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU).

Jetzt rechtfertigte Laschet aber noch einmal sein Vorgehen. Es hätte eine erkennbare Bereitschaft von FDP und Grünen gegeben, über ein Union-geführtes Bündnis zu reden, sagte der CDU-Politiker der FAZ. „Die CDU war jedenfalls fest entschlossen, ein Zukunftsbündnis mit FDP und Grünen möglich zu machen.“

Doch eigene Fehler in den Reihen der Union hätten dies zunichtegemacht, fügte er hinzu und spielte damit auch indirekt auf die Störfeuer an, die die bayerische CSU-Schwesterpartei während der kurzen Sondierung und während des Wahlkampfes ausgesendet hatte. Doch rückblickend wollte Laschet nun keine schmutzige Wäsche mehr waschen. „Das ist vergossene Milch.“

Armin Laschet (CDU): Scheidender Parteivorsitzender schreibt Union die Rolle der Opposition zu

Mittlerweile sieht er seine Partei selber in der Opposition. Nachdem bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Union diese Rolle zugedacht hatte, rief Laschet CDU und CSU zur Geschlossenheit auf. Vor allem das Zusammenspiel von Partei und Fraktion müsse reibungslos organisiert werden. Die Opposition sollte nicht „laut, schrill und aggressiv sein, sondern klug und differenziert“, forderte Laschet.

Der Ex-Kanzlerkandidat, der aus fünf Gründen gescheitert ist, wird dabei als einfacher Bundestagsabgeordneter agieren. Er werde sein Mandat annehmen und sich in außenpolitischen Fragen einbringen. Bereits am kommenden Wochenende übergibt er den NRW-Landesvorsitz an Landesverkehrsminister Hendrik Wüst. Der 46-Jährige soll ihn auch als NRW-Ministerpräsident beerben. Bereits in der kommenden Woche könnte der Düsseldorfer Landtag Wüst zum Laschet-Nachfolger wählen. Der CDU-Bundesvorsitz soll dann Ende Dezember oder Anfang Januar neu vergeben werden.

Nach der Bundestagswahl: Was macht Armin Laschet jetzt? Er plant Leben als Abgeordneter

Parteivorsitz weg, Ministerpräsidentensessel los, Kanzlerkandidatur geplatzt – für Laschet waren die vergangenen Wochen ein herber, politischer Kahlschlag in der eigenen Karriereplanung. Wie sehr ärgert ihn das? Ein bisschen Wehmut kommt bei dem Unionspolitiker offenbar schon auf.

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Insbesondere der Verlust des Regierungsamtes schmerzt. Die Amtsübergabe „ist für mich persönlich schon ein bedeutender und auch emotionaler Vorgang, weil ich das Amt für die CDU erkämpft und dann sehr gerne ausgeübt habe“, gestand Laschet. Doch für ihn sei immer klar gewesen, dass er nur ohne Rückfahrticket sich nach Berlin bewerbe. Deshalb sei jetzt von ihm Konsequenz gefordert. „Wir müssen weg von der ständigen Selbstbeschäftigung“, so Laschet. Daran wolle er mitwirken. Und wenn es als einfacher Abgeordneter ist. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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