AfD irrt durch die Pandemie

Alice Weidels Corona-Lügen: Patienten auf Intensivstationen sind geimpft

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel guckt kritisch zur rechten Seite. Im Hintergrund wird ein Intensivpatient behandelt.
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AfD-Fraktionschefin Alice Weidel behauptet, dass die Covid-19-Patienten auf Intensivstationen geimpft sind. (kreiszeitung.de-Montage)

Die AfD fällt mal wieder im negativen Sinne auf. Am Rande der Kanzlerwahl von Olaf Scholz verbreitet Fraktionschefin Alice Weidel Unwahrheiten. RKI hält dagegen.

Berlin – Lügen haben kurze Beine, heißt es im Volksmund. Ein Ausspruch, der die „Alternative für Deutschland“ nicht weiter zu stören scheint. Denn immer wieder verbreiten AfD-Politiker Lügen, die als Fakten dargestellt werden. In der jüngsten Episode dieses verbalen Geplänkels ist es an AfD-Fraktionschefin Alice Weidel Unwahrheiten zu verbreiten, dass sich selbst Märchengestalt Pinocchio verwundert die Augen reiben würde.

Mitglied des Deutschen Bundestages:Alice Weidel
Geboren:6. Februar 1979 (Alter 42 Jahre), Gütersloh
Partnerin:Sarah Bossard
Ausbildung:Universität Bayreuth (2011)
Eltern:Gerhard Weidel
Amt:Mitglied des Deutschen Bundestages seit 2017
Bücher:Widerworte: Gedanken über Deutschland u.v.m.
Fernsehsendungen:Schlagabtausch - der Vierkampf von AfD, FDP, DIE LINKE und CSU u.v.m.

Alice Weidel (AfD) im Streitgespräch mit Phoenix-Moderator: Politikerin meint, dass Patienten auf Intensivstationen alle geimpft sind

Am Rande der Kanzlerwahl von Olaf Scholz (SPD) in Berlin kommt es zu einem konfrontativen Interview. Die Protagonisten: Phoenix-Moderator Erhard Scherfer und Alice Weidel. Scherfer merkt an, dass die meisten Patienten auf den Intensivstationen* dieses Landes Ungeimpfte seien. Das würde aber nicht stimmen, entgegnet Weidel.

Die Zahlen seien schlichtweg falsch, heißt es von der AfD-Politikerin. Nein, diese Aussage sei sehr wohl korrekt, merkt Moderator Erhard Scherfer an. Woher habe sie denn überhaupt ihre Zahlen, will Scherfer daraufhin von der bereits an Corona erkrankten Weidel wissen. Ihre Antwort: „Schauen Sie sich doch mal destatis an, das Bundesamt für Statistik“.

„Sie konfrontieren mich mit völlig falschen Zahlen“: Alice Weidel (AfD) redet sich in Rage

„Das sagen sie jetzt so“, entfährt es Scherfer. „Nein, das sage ich nicht. Sagen Sie es doch“, wehrt Weidel jegliche Versuche ab, sie auch nur ansatzweise zu verunsichern. Das will sich der Phoenix-Moderator eigentlich nicht weiter bieten lassen, sieht sich aber einem AfD-Hitzkopf gegenüber, der sich nun immens temperamentvoll zeigt.

Sie konfrontieren mich mit völlig falschen Zahlen. Und darauf lasse ich mich nicht ein. Kommen wir hier noch irgendwie überein?

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel diskutiert mit Phoenix-Moderator Erhard Scherfer über Corona-Patienten auf den Intensivstationen

Zwischendurch wird der Kamera, die frontal auf Weidel draufhält, ein Lächeln präsentiert. Volksnah will sich die AfD-Politikerin präsentieren, um jeden Preis, wie es immer wieder scheint. „Und was sagen Ihnen eigentlich die Pathologen? Warum werden eigentlich die gesamten Toten nicht obduziert? Warum lernen wir nicht mehr über die Todesursachen? Warum wird das nicht gemacht?“, reiht Weidel Frage an Frage und bedient sich dabei der von ihr gewohnten Rhetorik.

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel macht Corona-„Wissensproblem“ aus

In diesem Kontext spricht die AfD-Politikerin gar von einem „Wissensproblem“, das weder die Politik noch die Wissenschaft angehen würden. An dieses vermeintliche „Wissensproblem“ will Moderator Scherfer aber nicht glauben. Als Weidel kurz darauf eine Miene verzieht, merkt er nur an, dass sie schon selbst schmunzeln würde. „Ich muss schmunzeln über die Diskussion, die wir führen“, merkt Weidel trocken an.

Einen Konsens erreichen die beiden natürlich nicht mehr. Doch zeigt das Beispiel Alice Weidel, wie sehr seit Beginn der Corona-Pandemie im Allgemeinen an nicht verifizierbaren Informationen festgehalten wird. Die AfD ist hierfür das Paradebeispiel. Dies lässt sich allein durch die Aussagen von Weidel im Phoenix-Interview aufarbeiten.

Bundesamt für Statistik hat keine Daten zum Impfstatus von Intensivpatienten – Alice Weidel lügt

Es fängt bereits damit an, dass das von Weidel erwähnte Bundesamt für Statistik über gar keine entsprechenden Daten verfügt. „Bei uns gibt es keine Daten zum Impfstatus von Intensivpatientinnen und -patienten“, heißt es von destatis via Twitter. Vielmehr finden sich aktuelle Daten zu der Zahl der Covid-19-Intensivpatienten im sogenannten Intensivregister.

Gemäß dem Tagesbericht von Mittwoch, 8. Dezember 2021, befinden sich mehr als 4800 Covid-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Davon werden 2716 invasiv beatmet. Darüber hinaus bietet das Robert Koch-Institut (RKI) diverse Statistiken an, die aufzeigen, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für Ungeimpfte deutliche höher ist.

Robert Koch-Institut (RKI) macht deutlich: Geimpfte sind seltener von schweren Covid-19-Verläufen bedroht

Im Folgenden sind die hospitalisierten Covid-19-Fälle vollständig Geimpfter sowie Ungeimpfter pro 100.000 Geimpfter respektive Ungeimpfter tabellarisch dargestellt:

Altersgruppe:Impfstatus:Wert:
12-17 JahreGeimpft0,6
Ungeimpft2,6
18-59 JahreGeimpft1,4
Ungeimpft8,9
60+ JahreGeimpft6,9
Ungeimpft37,6

Diese Daten sind dem Wochenbericht vom Robert Koch-Institut entnommen und wurden am 2. Dezember 2021 veröffentlicht. Es wird deutlich, dass Geimpfte viel seltener von schweren Covid-19-Verläufen bedroht sind. Und: obwohl ein Großteil der Erwachsenen in Deutschland geimpft ist, liegen immer noch mehr Ungeimpfte aus diesen Altersgruppen auf den Intensivstationen.

Impfschutz nimmt bei älteren Menschen schneller ab – deswegen sind Boosterimpfungen so wichtig

Zudem weist der Wochenbericht vom RKI aus, dass der Anteil der Impfdurchbrüche bei symptomatischen Covid-19-Patienten auf Intensivstationen bei den 18- bis 59-Jährigen bei 15,7 Prozent lag. Werden die Über-60-Jährigen betrachtet, sind 44,5 Prozent der Intensivpatienten vollständig geimpft – und damit weniger als die Hälfte.

Die Impfquote liegt hier jedoch bei über 86 Prozent. Heißt: die lediglich 14 Prozent der Ungeimpften stellen mehr als die Hälfte der Intensivpatienten* in dieser Altersgruppe. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass der Impfschutz bei älteren Menschen schneller abnimmt. Deswegen wird eindringlich auf die Bedeutung von Boosterimpfungen hingewiesen, nicht zuletzt durch den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité.

Alice Weidel Lügen gestraft: AfD-Politkerin erzählt Unwahrheiten im Bundestag

Ergo: die Aussagen von Alice Weidel sind nachweislich falsch. Weder verfügt das Statistische Bundesamt über aktuelle Daten, die den Impfstatus von Intensivpatienten ausweisen, noch ist die Mehrzahl der an Corona-Erkrankten geimpft. Zudem gilt es zu beachten, dass absolute Zahlen das erhöhte Risiko für Ungeimpfte nicht exakt darstellen können. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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