Als Vermisst gemeldet

Ehemaliger Nawalny-Chefarzt in Russland wieder aufgetaucht - Kremlkritiker warf ihm „Fälschung“ vor

Oppositionsführer Alexej Nawalny steht in einem Käfig im Babuskinsky Bezirksgericht. (Archivbild)
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Oppositionsführer Alexej Nawalny steht in einem Käfig im Babuskinsky Bezirksgericht. (Archivbild)

Ein weiterer Arzt von Alexej Nawalny, der seit Freitag als vermisst galt, ist wieder aufgetaucht. Der Kreml-Kritiker warf ihm eine gefälschte Diagnose vor.

Update vom 10. Mai, 12.40 Uhr: Der zwischenzeitlich als vermisst gegoltene russische Arzt Alexander Murachowski ist am Montag wieder aufgetaucht. Murachowski war von einem Jagdausflug, den er am Freitag angetreten hatte, nicht mehr zurückgekehrt und wurde deshalb als vermisst gemeldet. Der Arzt soll am Montag selbständig aus dem Waldgebiet, in dem er verschwunden war, herausgefunden haben und wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert.

Murachowksi, der mittlerweile Gesundheitsminister in Omsk ist, war der Leiter der Omsker Klinik, in die Alexej Nawalny eingeliefert wurde, nachdem er im vergangenen Jahr einen Anschlag mit dem Kampfstoff Nowitschok knapp überlebt hatte. Nawalny warf Murachowski, der bei dem Kreml-Kritiker lediglich eine Stoffwechselstörung diagnostiziert hatte, eine Fälschung der Diagnose vor. Nawalny-Anhänger gehen weiter davon aus, dass Murachowski die Verlegung des Kreml-Kritikers in die Berliner Charite hinausgezögert habe.

Nachdem zwei weitere Omsker Ärzte von Nawalny in den vergangenen Monaten gestorben waren, hatte Murachowskis zwischenzeitliches Verschwinden in russischen Medien nun für großes Aufsehen gesorgt. Rund 100 Sicherheitskräfte hatten in dem sumpfigen Waldgebiet nach ihm gesucht.

Ehemaliger Nawalny-Chefarzt in Russland vermisst - Kremlkritiker warf ihm „Fälschung“ vor

Originalmeldung vom 9. Mai 2021:

Moskau - Ein russischer Arzt, in dessen Krankenhaus der Kremlgegner Alexej Nawalny* direkt nach einem Giftanschlag* im vergangenen Jahr behandelt wurde, gilt als vermisst. Alexander Murachowski, mittlerweile Gesundheitsminister der sibirischen Region Omsk, kam von einem Jagdausflug am Freitag nicht zurück, wie die Staatsagentur Tass am Sonntag unter Berufung auf einen Polizeisprecher meldete. Eine örtliche Behörde hatte zuvor von einem 1971 geborenen Mann gesprochen, ohne einen Namen zu nennen. Demnach wurden zusätzliche Polizisten für die Suche angefordert.

Murachowski leitete bis vor einigen Monaten die Omsker Klinik, in die der mittlerweile im Straflager inhaftierte Nawalny gebracht wurde, nachdem er im vergangenen August auf einem Inlandsflug zusammengebrochen war. Später wurde der 44 Jahre alte Oppositionelle nach Deutschland ausgeflogen und wochenlang in der Berliner Charité behandelt. Untersuchungen mehrerer Labore zufolge wurde er mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Murachowski hatte Nawalny damals lediglich eine Stoffwechselstörung bescheinigt.

Russischer Nawalny-Arzt vermisst - EU-Außenminister beraten über weiteres Vorgehen gegenüber Russland

Nawalny warf ihm eine „Fälschung“ der Diagnose vor. Seine Unterstützer beschuldigen Murachowski zudem, Nawalnys Verlegung nach Deutschland hinausgezögert zu haben. Im November wurde der Mediziner zum Gesundheitsminister der sibirischen Region befördert.

Alexander Murachowski, Chefarzt des Ambulanzkrankenhauses Nr. 1, spricht bei einer Pressekonferenz über den Gesundheitszustand von Alexej Nawalny. (Archivbild)

Nawalny hatte im Sommer nur knapp einen Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok überlebt. Er macht ein „Killerkommando“* des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB unter Befehl von Präsident Wladimir Putin* für das Attentat verantwortlich. Putin und der FSB weisen das zurück. Russland gibt an, man habe bei Nawalny keine Vergiftung nachweisen können und leite deshalb keine Ermittlungen ein. Die EU und die USA haben Russland immer wieder zur Untersuchung des Verbrechens aufgefordert und Sanktionen gegen das Land verhängt. Am Montag (10. Mai) beraten die EU-Außenminister in Brüssel über das weitere Vorgehen angesichts der Spannungen mit Russland. Dabei geht es unter anderem um den Fall des inhaftierten Kremlkritikers.

Alexej Nawalny: Menschenrechtsorganisation bezeichnet ihn als „gewaltlosen politischen Gefangenen“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erkannte Nawalny zuletzt wieder den Status eines „gewaltlosen politischen Gefangenen“ zu. Die zwischenzeitliche Aberkennung sei eine „Fehlentscheidung“ gewesen, für deren Auswirkungen man sich entschuldige, hieß es in einer Mitteilung vom Freitag. Amnesty hatte sich bei dem Schritt Ende Februar auf Beschwerden über diskriminierende Reden Nawalnys in den 2000er Jahren berufen. Die Unterstützer des Oppositionellen reagierten damals empört, weil sie hinter diesen Beschwerden eine Strategie kremltreuer Propagandisten vermuteten. Als „gewaltlose politische Gefangene“ bezeichnet Amnesty unter anderem Menschen, die aufgrund politischer Ansichten festgehalten werden und weder selbst Gewalt angewendet noch befürwortet haben. (dpa/cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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