Auswärtiges Amt in Sorge

Afghanistan: Treiben Taliban neue Flüchtlingswelle nach Deutschland?

Die Lage in Afghanistan spitzt sich zu: Der Taliban-Vormarsch vertreibt massenhaft Menschen. Deutschland wappnet sich schon für den Ansturm von Flüchtlingen.

Berlin/Hannover – Die verschärfte Lage in Afghanistan wird auch Konsequenzen für Deutschland haben. So rechnet das Auswärtige Amt mit einer steigenden Zahl an Flüchtlingen vom Hindukusch. Es sei naiv zu glauben, dass der rasante Vormarsch der radikal-islamistischen Taliban und die damit verbundene Gewalt in der Krieg- und Krisenregion keine migrationspolitischen Folge habe, warnte Außenstaatsminister Nils Annen (SPD) im Gespräch mit der Funke Mediengruppe. Die Menschen müssten noch stärker als zuletzt fliehen und Deutschland sei ein „attraktives Zielland“, fügte der Hamburger Bundestagsabgeordnete hinzu.

Land am Hindukusch:Afghanistan
Bevölkerung:38,04 Millionen (2019)
Präsident:Aschraf Ghani
Hauptstadt:Kabul

Afghanistan: Krieg der Taliban könnte Flüchtlinge nach Deutschland treiben

Nach dem Abzug der internationalen Nato-Truppen aus Afghanistan hat sich die Sicherheitslage seit Mitte April 2021 dramatisch verschlechtert. Die militant-islamistischen Taliban brachten bereits wieder große Teile des Landes unter ihre Kontrolle. US-Präsident Joe Biden rief die afghanischen Sicherheitskräfte zu einem entschiedenen Kampf gegen die Milizen auf. Doch die vom Westen aufgebaute Armee scheint vielerorts überfordert zu sein.

Von den Taliban vertrieben: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) schaut mit Sorge auf die Flüchtlingssituation in Afghanistan.

Am Donnerstag fiel auch die Provinzhauptstadt Gasni, die nur 150 Kilometer von Kabul entfernt ist, in die Hände der Taliban. Damit haben die Islamisten bereits die zehnte Stadt erobert, wodurch sie vor allem weite Teile des Nordens mittlerweile wieder kontrollieren. Überall dort, wo sie die Macht übernehmen, sind frühere Helfer der westlichen Schutztruppen mit dem Leben bedroht. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte deswegen am Mittwoch einen Abschiebestopp von nicht anerkannten Asylbewerbern in das Land verhängt.

Nach Einsatz für die Bundeswehr: Niedersachsen dringt auf Hilfe für bedrohte Ortskräfte

Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) sendete am Mittwoch eine Warnung an die Milizen hinterher. Sie sollten davon absehen, ein neues Kalifat zu errichten. In diesem Fall werde es „keinen Cent“ mehr an deutscher Entwicklungshilfe geben, sagte Maas im ZDF-Morgenmagazin. Trotz des Abzugs der Bundeswehr überweist Berlin pro Jahr noch 430 Millionen Euro nach Kabul. Vorsorglich rief das Auswärtige Amt aber deutsche Entwicklungshelfer zur schnellstmöglichen Ausreise auf.

Aus Sicht der Grünen ist es aber mit Aufrufen nicht getan. So forderte Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne) die Bundesregierung zu einem stärkeren Engagement auf. Die Bundesregierung stehe mit ihren internationalen Partnern in der Verantwortung, insbesondere die Menschen und ihre Familien in Sicherheit zu bringen, die die deutsche Nato-Mission vor Ort unterstützt hätten und die jetzt um ihr Leben fürchten müssten, twitterte sie.

Wo liegt Afghanistan? Experte fordert mehr Engagement von China und Pakistan als regionale Mächte

In Niedersachsen scheint man für eine verstärkte Aufnahme der Ortskräfte bereit zu sein. Bereits im März dieses Jahres hatte Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) bei der Innenministerkonferenz auf eine beschleunigte Aufnahme von bedrohten Hilfskräften gedrungen, woraufhin Anfang Juli in Niedersachsen 44 afghanische Familien mit insgesamt 212 Personen neu aufgenommen wurden. Sie seien für den deutschen Einsatz ein enormes Risiko eingegangen und deswegen stehe man ihnen gegenüber jetzt in der Verantwortung, ließ Pistorius damals mitteilen.

Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krisenlage wird sich aber niemand machen. Nur eines scheint ausgeschlossen zu sein: ein erneutes militärisches Engagement des Westens. Dies mache wenig Sinn, sagte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, der „Rheinischen Post“. Eine Stabilisierung der Region sei vor allem auch die Aufgabe der regionalen Mächte, so der Experte. Er schlug deswegen vor, dass vor allem China, Indien oder Pakistan mithilfe des UN-Sicherheitsrates das Problem verstärkt lösen sollten. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Tariq Achakzai/dpa/picture alliance & Michael Sohn/dpa/picture alliance

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