Kommentar

Afghanistan-Abzug: Warum das Wegducken respektlos ist

Der Afghanistan-Krieg ist beendet: Die deutschen Soldaten sind heimgekehrt – und kein Politiker ist dabei. Eine Schande? Ja. Doch das ist nicht das Hauptproblem.

Berlin – Stell Dir vor: Der Krieg ist vorbei – und keiner schaut hin. Nach 20 Jahren ist in dieser Woche der Afghanistan-Feldzug still und leise beerdigt worden. Fast unbemerkt landeten die letzten deutschen Soldatinnen und Soldaten auf dem Fliegerhorst im niedersächsischen Wunstorf. Begrüßung der Heimkehrer durch einen Politiker? Fehlanzeige. Weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) ließen sich blicken.

Einrichtung:Bundeswehr
Oberbefehlshaber:Bundesminister der Verteidigung, Bundeskanzler (im Verteidigungsfall)
Aktuelle Ministerin:Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)
Militärische Führung:Generalinspekteur der Bundeswehr Eberhard Zorn

Eine Schande sei das, titelte die Bild. Respektlos gegenüber den Soldaten, kommentierte RTL. Ja, das mag durchaus sein. Allzu verständlich ist der Aufschrei. Aber es sollte hierbei nicht nur um den mangelnden Respekt vor den Einsatztruppen gehen. Das Wegducken der Politiker auf dem Rollfeld zeigt auch die Ignoranz, mit der der Westen auf die ungelösten Probleme in Afghanistan schaut. Das sollte bei aller Aufregung nicht vergessen werden.

Afghanistan: Bundeswehr zieht Soldaten ab – greifen die Taliban jetzt nach der Macht?

Wer in einen Krieg zieht, der braucht zwei Dinge: einen Grund. Und einen Plan für den Rückzug. Den Grund hatten die USA und ihre Verbündeten nach den Angriffen des 11. Septembers 2001, als sie mit einem völkerrechtlich legitimierten Mandat einmarschierten. Was bis heute fehlt: eine Idee, wie man das Land wieder sich selbst überlassen kann.

Die Bundeswehr zieht ihre Soldaten aus Afghanistan ab.

Die westliche Allianz wollte die Demokratie zum Hindukusch bringen, Schulen bauen – auch für Mädchen und Frauen, die jahrzehntelang von den islamistischen Taliban unterdrückt worden waren. Doch die mühsam erzielten Erfolge stehen auf der Kippe*. Terrorführer Osama bin Laden ist tot. Aber die Taliban sind noch da – und sie werden nach dem Abzug der Nato-Truppen wieder nach der Macht greifen. Für alle, die auf die Hilfe des Westens gesetzt haben, ist das nicht nur eine schreckliche Vorstellung. Für diese Afghanen ist der Rückzug lebensbedrohlich.

Afghanistan-Abzug: Krieg endet kopflos – Heimkehrer der Bundeswehr hätte mehr Respekt verdient

Doch der Nato geht die Luft aus. Und so endet der Krieg genauso wie er angefangen hat: kopflos. Hauptsache raus. Egal, was danach passiert. Doch genau das ist für die deutschen Soldatinnen und Soldaten ein Schlag ins Gesicht. Zwei Jahrzehnte lang haben sie für das Demokratie- und Freiheitsversprechen gekämpft und in 59 Fällen dafür auch mit dem Leben bezahlt. Und wofür? Vielleicht für nichts. Und genau das ist die wahre Schande.

Insofern wären ein paar Worte der Erklärung an die Heimkehrer schon angemessen gewesen. Und zwar von Angesicht zu Angesicht. Und nicht nur als Pressestatement aus der Ferne. Das wären Merkel und Kramp-Karrenbauer der Bundeswehr trotz aller Skandale schuldig gewesen. Und auch den Menschen in Afghanistan, die jetzt um ihr Leben fürchten müssen. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Torsten Kraatz

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