Nach Taliban-Vormarsch

Afghanische Ortskräfte: Niedersachsen nimmt 400 Flüchtlinge auf

Die Lage in Afghanistan treibt Tausende aus dem Land. In Deutschland rüsten sich die Bundesländer für die Aufnahme der Flüchtlinge. Klappt das ohne Chaos?

Berlin – Nach der Machtübernahme der radikal-islamistischen Taliban läuft die Evakuierung der Ortskräfte mittlerweile auf Hochtouren. In Niedersachsen bereitet man sich darauf vor, kurzfristig bis zu 400 Flüchtlinge in den Erstaufnahmestellen des Landes aufzunehmen. Es werde dabei allerdings noch „schwer genug, die Menschen aus Afghanistan herauszuholen“, mahnte Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) im Gespräch mit dem „Spiegel“. Unkomplizierte und unbürokratische Hilfe müsse das Gebot der Stunde sein, fügte er hinzu. In dieser Hinsicht sei auch der Bund gefordert.

Land am Hindukusch:Afghanistan
Bevölkerung:38,04 Millionen (2019)
Fläche:652.860 km²
Hauptstadt:Kabul

Bei der Aufnahme der Flüchtlinge droht allerdings ein Flickenteppich. Bislang haben die Bundesländer völlig unterschiedliche Kapazitäten gemeldet. Während Hamburg bis zu 250 Plätze bereitstellt und bereits am Mittwochabend die ersten Ortskräfte in der Hansestadt erwartet*, plant Bremen die Aufnahme von 150 Geflüchteten. In Baden-Württemberg rechnet man indes mit 1100 Ortskräften, in Nordrhein-Westfalen sogar mit bis zu 1800.

Krieg in Afghanistan: Bundesländer rechnen mit tausenden Ortskräften als Flüchtlinge

Derweil ist noch völlig unklar, wie viele Menschen es auf der Flucht vor den Taliban aus Afghanistan überhaupt noch herausschaffen. Grundsätzlich identifizierte die Bundesregierung zu Wochenbeginn bis zu 10.000 Ortskräfte inklusive deren Familienmitglieder, die vor dem Abzug der Nato-Truppen den westlichen Militäreinsatz unterstützt hatten und nun die Rache der Milizen fürchten müssen.

Auf der Flucht vor den Taliban: Die Bundeswehr evakuiert Ortskräfte aus Afghanistan.

Hinzu kommen aber noch unzählige bedrohte Frauenrechtlerinnen oder Menschenrechtsanwälte. Die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bezifferte Zahl von fünf Millionen Menschen, verwiesen Migrationsforscher aber ins Reich der Fantasie.

Einiges hängt ohnehin von der weiteren Entwicklung in Afghanistan ab. Bislang konnte die Bundeswehr nur 400 Ortskräfte evakuieren. Am Mittwoch waren vier Transportflüge der Bundeswehr von Kabul nach Taschkent in Usbekistan geplant. Von dort bringen zivile Lufthansa-Maschinen die Menschen weiter nach Frankfurt, von wo sie dann mit Bussen in die Bundesländer weiterreisen.

Lage in Afghanistan: Taliban riegeln die Grenze ab – Evakuierung durch Bundeswehr wird schwieriger

Doch die Ausreise wird immer schwieriger. Medienberichten zufolge haben die Taliban die Zufahrtswege zum Kabuler Flughafen mittlerweile abgeriegelt. Auch die Grenzen zu den Nachbarländern Pakistan oder Iran sind dicht. Durchgelassen werden nur noch Ausländer, hieß es am Mittwochnachmittag.

Für diejenigen, die den Taliban aber noch entkommen sind, soll es nun schnelle Hilfen in Deutschland geben. „Wir brauchen jetzt keinen Wettbewerb um Zahlen“, mahnte Pistorius mit Blick auf die Flüchtlingsaufnahme. Stattdessen sei nun ein koordiniertes Programm wichtig. Niedersachsens Innenminister ist sich dabei mit seinen Länderkollegen einig, dass in dieser Hinsicht vor allem der Bund gefordert ist.

In einem gemeinsamen Aufruf sprach sich die Innenministerkonferenz der Länder (IMK) für ein Bundesaufnahmeprogramm aus. Alle Länder hätten grundsätzlich ihre Bereitschaft zur Aufnahme signalisiert, stellte der IMK-Vorsitzende Thomas Strobl (CDU) klar. Doch ohne Bundeshilfen gehe es nicht. Statt einzelner Landesprogramme sei eine gemeinsame nationale Strategie sinnvoller, sagte der Politiker aus Baden-Württemberg. Es müsse vor allem auch darum gehen, die gut qualifizierten Flüchtlinge zu identifizieren und zu integrieren. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marc Tessensohn/dpa/picture alliance

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