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Affenpocken: Isolation von 21 Tagen angekündigt – Lauterbach bestellt Impfstoff

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Von: Jennifer Köllen

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach fasst sich an die Stirn
Erst Corona, jetzt Affenpocken: Karl Lauterbach hat dieser Tage viel zu tun. © Chris Emil Janssen/Imago

Lauterbach hat 40.000 Dosen Impfstoff bestellt – und ordnet Isolation an. Die Affenpocken treiben den Minister um. Man müsse „schnell und hart“ reagieren.

Update vom 24, Mai, 13:27 Uhr: Am Dienstagmittag (24. Mai 2022) hat sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zur aktuellen Affenpocken-Lage geäußert. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, gab er eine Presskonferenz beim Deutschen Ärztetag. Die aktuellen Fälle der Affenpocken in Deutschland seien „nicht der Beginn einer neuen Pandemie“, stellte Lauterbach klar. Man müsse dennoch „hart und früh“ reagieren, um die Ausbreitung einzudämmen.

Affenpocken: Isolation von 21 Tagen angekündigt – Gesundheitsminister Lauterbach bestellt Impfstoff aus den USA

Für Infizierte soll daher generell eine angeordnete Quarantäne von mindestens 21 Tagen empfohlen werden. Auch enge Kontaktpersonen von Betroffenen mit Affenpocken sollen sich demnach für 21 Tage isolieren.

Diese Empfehlung sei in Zusammenarbeit mit dem RKI entstanden. Lauterbach erklärte zudem, dass er bereits 40.000 Dosen eines, in den USA bereits zugelassenen, Affenpocken-Impfstoffs bestellt habe. Allerdings sei das Vorgehen bei den Impfungen noch nicht endgültig geklärt. Zudem werde über Impfempfehlungen für besonders gefährdete Personen nachgedacht.

RKI-Chef Lothar Wieler sagte, bisher seien 177 Fälle in 16 Ländern bekannt. Die Mehrheit der Infizierten habe keine Reisegeschichte in endemische Länder. Bei den meisten handele es sich um „Männer, die Sex mit Männern hatten“, so Wieler. Es sei eine „seltene Viruserkrankung“ und sie werde vermutlich von Nagetieren auf Menschen übertragen – es handele sich also um eine Zoonose.

Affenpocken in Deutschland: Lauterbach äußert sich zu Plänen, das Virus einzugrenzen

Erstmeldung vom 23. Mai, 15:05 Uhr: Genf – Mittlerweile gibt es weltweit über 130 bestätigte Fälle von Affenpocken – und das innerhalb weniger Tage. Alleine in Deutschland gibt es vier Fälle von Affenpocken. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich angesichts der neuesten Entwicklungen nicht mehr so zuversichtlich gezeigt, wie noch am Freitag, 20. Mai 2022. Bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf am Montag, 23. Mai, zeigte sich Lauterbach besorgt. Und äußerte sich zu den Plänen des Bundes, das Virus in Deutschland einzudämmen.

Affenpocken-Isolation in Deutschland: Lauterbach in Sorge – „Schnell und hart reagieren“

Bei der Weltgesundheitsversammlung in Genf sagte Lauterbach. Der weltweite Ausbruch der Affenpocken sei so ungewöhnlich, dass man sich Sorgen machen müsse, ob er so ablaufe wie frühere Affenpocken-Ausbrüche. Es sei eher damit zu rechnen, dass sich Art und Weise der Verbreitung geändert haben könnte, „sodass wir jetzt schnell und hart reagieren müssen, um einen globalen Ausbruch wieder einzudämmen“. Das bedeutet unter anderem wieder: Isolation und Quarantäne.

Affenpocken – Lauterbach plant Isolation und will Impfempfehlungen für gefährdete Personen

In Deutschland werden nach dem Auftreten erster Fälle von Affenpocken nach Angaben von Lauterbach weitere Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet. Mit dem Robert Koch-Institut (RKI) würden aktuell Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne erarbeitet, sagte der SPD-Politiker am Montag am Rande der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Er gehe davon aus, dass sie bereits an diesem Dienstag vorgelegt werden könnten. Zudem werde darüber nachgedacht, „ob wir vielleicht Impfempfehlungen aussprechen müssen für besonders gefährdete Personen“, erläuterte der Minister. Dies sei noch nicht geklärt.

Impfung gegen Affenpocken: Impfstoffe sollen laut Lauterbach beschafft werden

Dazu gehöre auch zu prüfen, ob eventuell Impfstoffe beschafft werden müssten, und wenn ja, wo. Die Pockenimpfung schützt nach aktueller Studienlage zu 85 Prozent vor Affenpocken. Lauterbach habe schon Kontakt mit einem Hersteller aufgenommen, der Impfstoffe spezifisch für die Affenpocken herstellt. Lauterbach betonte, dass eine Impfung der allgemeinen Bevölkerung hier nicht im Gespräch sei. Er sprach sich für eine entschiedene internationale Eindämmung aus.

Der weltweite Ausbruch sei so ungewöhnlich, dass man sich Sorgen machen müsse, ob er so ablaufe wie frühere Affenpocken-Ausbrüche. Es sei eher damit zu rechnen, dass sich Art und Weise der Verbreitung geändert haben könnten, „so dass wir jetzt schnell und hart reagieren müssen, um einen globalen Ausbruch wieder einzudämmen“.

Affenpocken: Wie viele Impfdosen hat Deutschland?

Auf Nachfrage bestätigte das Bundesministerium für Gesundheit kreiszeitung.de: „Die Bundesregierung hat Pockenimpfstoff eingelagert. Inwieweit eine Pockenimpfung für Kontaktpersonen und Risikogruppen empfohlen wird, ist noch Gegenstand der fachlichen Abklärung.“

In einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums an den Gesundheitsausschuss des Bundestags heißt es, in Deutschland seien rund 100 Millionen Dosen Pockenimpfstoff eingelagert. Das berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Zwei Millionen Dosen davon seien eine Spende an die Weltgesundheitsorganisation WHO und würden für diese Organisation aufbewahrt.“

Affenpocken: Isolation soll helfen – Risikogruppen wie schwule Männer müssen ehrlich angesprochen werden

Lauterbach erläuterte, dass sich nach bisherigen Erkenntnissen in erster Linie Männer mit Affenpocken infizierten, die sexuelle Kontakte mit Männern gehabt hätten. Es gelte, die Risikogruppen nun ehrlich anzusprechen. Das sei zu ihrem Schutze und dürfe nicht falsch als Stigmatisierung verstanden werden. Egal, welche sexuelle Orientierung man habe, sei es wichtig, ungeschützten Sexualverkehr zu vermeiden.

Der Minister appellierte an alle diejenigen, die anonymen Sex mit Männern gehabt haben, auf Hautveränderungen und Fieber zu achten und sich im Falle eines Verdachtes sehr schnell in medizinische Behandlung zu begeben.

Affenpocken eindämmen: So will der Bund weiter vorgehen

„Wir werden morgen zusammen mit dem Robert Koch-Institut Isolations- und Quarantäne-Empfehlungen vorlegen“, kündigte der Minister in Genf an.

Affenpocken: Wie viele Fälle von Affenpocken gibt es derzeit in Deutschland?

Am Freitagmittag (20. Mai 2022) wurde der erste Affenpocken-Fall in Deutschland gemeldet, genauer gesagt, in München. Am Samstag wurde bekannt, dass es einen zweiten Fall von Affenpocken in Berlin gibt.

Der zweite Fall von Affenpockenvirus in Deutschland, ein Berliner Patient, ist laut einem Bericht der Berliner Zeitung ein „Mann Mitte 50 und Patient von Heiko Jessen, Arzt in Schöneberg“. Der Mann hat ebenfalls pockenartigen Ausschlag, der den Symptomen der Affenpocken zugesprochen wird.

Im Gegensatz dem Mann aus München sei der Berliner in letzter Zeit nicht verreist, sagte der Mediziner der Berliner Zeitung. Er habe sich vermutlich vor einer Woche bei einer Party in einem Club in Berlin angesteckt, so der Arzt. Der Zeitraum passe zu der für Affenpocken typischen Inkubationszeit von fünf bis 20 Tagen. Dem Patienten gehe es okay. Jessen gehe davon aus, dass dieser Fall nicht die einzige Infektion in Berlin bleibe. „Ich erwarte für nächste Woche einen Anstieg der Infektionszahlen.“ Mittlerweile gibt es noch zwei weitere mit Affenpocken infizierte Männer in Berlin.

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