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Zoff um 9-Euro-Ticket: Lindner will „Gratismentalität“ stoppen

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Von: Jens Kiffmeier

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Günstiger ÖPNV? Nicht mit Christian Lindner (FDP). Der Finanzminister will die Verlängerung des 9-Euro-Tickets verhindern – zum großen Ärger der Grünen

Berlin – Die Bürgerinnen und Bürger lieben ihr 9-Euro-Ticket. Die Grünen wollen unbedingt die Verlängerung der Maßnahme aus dem Entlastungspaket 2022. Und der Finanzminister? Der hat bei dem Gedanken an eine Finanzierung der billigen Monatskarte fast schon Zornesröte im Gesicht. Am Wochenende versuchte er, die immer lauter werdenden Rufe nach einer dauerhaft billigen Fahrkarte für Bus und Bahn im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) im Keim zu ersticken.

9-Euro-Ticket: Christian Lindner (FDP) lehnt Verlängerung ab – zum Verdruss der Grünen

Mit scharfen Worten schloss er eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets kategorisch aus – in welcher Form auch immer. „Es stehen in der Finanzplanung für eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets keinerlei Mittel zur Verfügung“, sagte Christian Lindner (FDP) der Augsburger Allgemeinen. Es müsse endlich Schluss sein mit der „Gratismentalität à la bedingngsloses Grundeinkommen“, fügte er hinzu.

Wettert gegen die Verlängerung des 9-Euro-Tickets: Finanzminister Christian Lindner (FDP).
Wettert gegen die Verlängerung des 9-Euro-Tickets: Finanzminister Christian Lindner (FDP). © Arne Dedert/Michael Kappeler/dpa/Montage

Letzteres war ein deutlicher Hinweis an die Grünen. Mit einem Vorstoß aus der Fraktion hatte die Partei in den vergangenen Tagen die Debatte um eine Verlängerung enorm befeuert. Laut einem Positionspapier soll es ein Regionalticket für 29 Euro sowie ein bundesweites Ticket für 49 Euro geben. Daneben kursieren auch noch viele andere günstige Alternativvorschläge. Doch die grüne Variante hat es in sich, denn die Partei legte zugleich einen Vorschlag für die Finanzierung auf den Tisch: Statt weiter das Dienstwagenprivileg zu bezuschussen, sollte das Finanzministerium die Steuermittel lieber in den öffentlichen Nahverkehr umlenken, hieß es.

Neues Entlastungspaket: Lindner sieht keinen Spielraum für billige Monatskarte für Bus und Bahn im Nahverkehr

In einigen Bundesländern stößt die Idee auf große Gegenliebe. Doch Lindner stellt sich quer. Den Finanzierungsvorschlag hatte er schon als „linke Polemik“ abgetan. Am Sonntag legte er nach und lehnte eine grundsätzliche Verlängerung des 9-Euro-Tickets im Rahmen eines neuen Entlastungspaketes ab. Es sei nicht fair, wenn alle Menschen in Deutschland das Geld für den ÖPNV aufbringen müssten. „Jeder Steuerzuschuss für ein nicht die Kosten deckendes Ticket bedeutet Umverteilung“, führte er in der Augsburger Allgemeinen aus. „Die Menschen auf dem Land, die keinen Bahnhof in der Nähe haben und auf das Auto angewiesen sind, würden den günstigen Nahverkehr subventionieren.“

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Das 9-Euro-Ticket ist Bestandteil vom Entlastungspaket 2022, mit dem die Politik die Bürgerinnen und Bürger von den hohen Energiepreisen befreien wollte. Seit Juni kann die Fahrkarte nun erworben werden. Für 9 Euro können die Deutschen mit allen Bussen und Bahnen des ÖPNV kreuz und quer durch Deutschland fahren, ausgeschlossen sind nur die Züge des Fernverkehrs. Die Aktion läuft noch bis Ende August. Ob Lindner seine strikte Ablehnung zur Verlängerung durchhalten kann, bleibt abzuwarten. Zwischen Bund und Ländern ist bereits eine heftige Debatte entbrannt.

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