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Wer ist bei der Bundespräsidentenwahl wahlberechtigt? Infos zur Bundesversammlung

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Von: Dagmar Schlenz

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Der deutsche Bundespräsident wird durch die Bundesversammlung gewählt. Unter den Wahlberechtigten sind regelmäßig auch bekannte Persönlichkeiten.

Berlin – Die Wahl des amtierenden deutschen Bundespräsidenten fand am 13. Februar 2022 in Berlin statt. Dazu versammelten sich insgesamt 1472 Personen zur Wahl, bei der sie für einen der vier Kandidatinnen und Kandidaten gestimmt haben. Aber wer genau wählt eigentlich den Bundespräsidenten und wie läuft die Wahl ab? Und was haben Schauspieler Marcus Mittermeier und der FC-Bayern-Profi Leon Goretzka mit der Wahl zu tun?

Wer wählt den Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland?

Gewählt wird der Bundespräsident von der Bundesversammlung, einem nichtständigem Verfassungsorgan. Sie wird von der Bundestagspräsidentin bzw. dem Bundestagspräsidenten einberufen. Der von der Bundesversammlung gewählte Bundespräsident ist das deutsche Staatsoberhaupt mit repräsentativen Aufgaben.

Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht 2017 nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten vor der Bundesversammlung. Die Bundesversammlung besteht aus allen Bundestagsabgeordneten sowie der gleichen Anzahl Entsandten der Landesparlamente.
Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten bei der 16. Bundesversammlung. © Michael Gottschalk/imago

Einzige Aufgabe der Bundesversammlung ist die Wahl des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin. Die Bundesversammlung besteht aus allen Abgeordneten des Deutschen Bundestages und einer gleichen Anzahl von Abgeordneten, die von den Landtagen gewählt werden. Die Anzahl der Abgeordneten jedes Landes im Bundestag wird anhand seiner Bevölkerungsdaten berechnet und von der Bundesregierung per Kabinettsbeschluss festgelegt.

17. Bundesversammlung: Anzahl der Mitglieder aus den Bundesländern

94 aus Baden-Württemberg

115 aus Bayern

30 aus Berlin

24 aus Brandenburg

6 aus Bremen

16 aus Hamburg

53 aus Hessen

16 aus Mecklenburg-Vorpommern

73 aus Niedersachsen

156 aus Nordrhein-Westfalen

37 aus Rheinland-Pfalz

9 aus dem Saarland

39 aus Sachsen

21 aus Sachsen-Anhalt

27 aus Schleswig-Holstein

20 aus Thüringen

Nach Bekanntgabe von Ort, Zeit und Zahl der Abgeordneten der Bundesversammlung werden die Landesvertreter von den Landtagen gewählt. Die Sitze in der Bundesversammlung werden nach dem Stimmenverhältnis der Fraktionen in den jeweiligen Landtagen vergeben. Von einem Landtag gewähltes Mitglied in der Bundesversammlung kann jeder werden, der zum Bundestag wählbar ist.

Bundespräsidentenwahl 2022: So setzt sich die 17. Bundesversammlung zusammen

Mitglieder der Bundesversammlung sind alle Bundestagsabgeordneten sowie die gleiche Anzahl Personen, die von den Volksvertretungen der Länder entsandt werden. Daher besteht die 17. Bundesversammlung aus 1472 Personen – 736 Bundestagsabgeordneten und 736 Entsandte der Länder. Nach Parteien teilen sich die Sitze in der 17. Bundesversammlung wie folgt auf:

Sitzverteilung in der 17. Bundesversammlung nach Parteien:

CDU/CSU: 445

SPD: 391

Grüne: 233

FDP: 154

AfD: 152

Linke: 71

Freie Wähler: 18

SSW: 2

Sonstige: 6

Bundesversammlung: Wahl des Bundespräsidenten in geheimer Abstimmung

Wie wird der Bundespräsident von der Bundesversammlung gewählt? Die Mitglieder stimmen geheim und mit verdeckten Stimmzetteln über die Kandidatinnen und Kandidaten ab. Entscheiden mussten sie sich 2022 zwischen Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier, dem parteilosen Gerhard Trabert, dem CDU-Politiker Max Otte und der einzigen Frau, Stefanie Gebauer. Für den Sieg muss ein Kandidat im ersten oder zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung gewinnen, im dritten Wahlgang genügt dann die relative Mehrheit. Die Präsidentin oder der Präsident des Deutschen Bundestages verkündet das Ergebnis und erklärt die Bundesversammlung nach der Annahme der Wahl für beendet.

In der Bundesversammlung sitzen auch prominente Wählerinnen und Wähler

Es ist üblich, dass an der Wahl des Bundespräsidenten auch Personen aus der Zivilgesellschaft teilnehmen, darunter zahlreiche bekannte oder prominente Persönlichkeiten. Die Sportlerinnen, Sänger und Schauspielerinnen brauchen selbst keine Mitglieder einer Partei zu sein, sondern werden von den Parteien aus den Landesparlamenten entsandt. Bei der Wahl von Frank-Walter Steinmeier im Jahr 2017 waren unter den Mitgliedern der Bundesversammlung der Sänger Peter Maffay, Schauspielerin Iris Berben sowie Drag-Queen Olivia Jones.

Unter den 736 Entsandten der Landesparlamente sind 2022 Alexander Gerst und Angela Merkel

Im Jahr 2022 wurden von den Grünen u.a. der Virologe Christian Drosten, Schauspieler Marcus Mittermeier und Astronaut Alexander Gerst für die 17. Bundesversammlung aufgestellt. Ebenfalls für die Grünen fuhr der Pianist Igor Levit von Hannover nach Berlin. Älteste Wahlberechtigte war eine Nazi-Zeitzeugin, die von der SPD in die Hauptstadt entsandt wurde.

Die CSU schickte 2022 neben Ex-Kanzlerin Angela Merkel die Ehrenvorsitzenden Theo Waigel, Horst Seehofer und Edmund Stoiber nach Berlin. FC-Bayern-Profi Leon Goretzka reiste für die SPD nach Berlin. Er stand auf der Liste der bayerischen Mitglieder der nächsten Bundesversammlung. Auch für die SPD dabei waren Schlagersänger Roland Kaiser und die Hamburger Infektiologin Marylyn Addo. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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