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Bürgergeld 2023: Wie viel Geld Kinder erhalten und ob Kindergeld angerechnet wird

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Von: Carolin Gehrmann

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Im Januar 2023 soll das neue Bürgergeld kommen und Hartz 4 ersetzen. Was sich durch die Sozialreform für Leistungsbezieher ändert – und wie viel Geld Kinder erhalten.

Bremen – Das neue Bürgergeld soll zum 1. Januar 2023 kommen und Hartz 4 künftig ersetzen. Im Bundestag wurde die Reform des Sozialgesetzes bereits abgesegnet. Das von der Ampelkoalition vorgelegte Gesetz wurde in der namentlichen Abstimmung am Donnerstag, dem 10. November, von einer Mehrheit der Abgeordneten angenommen. Nun steht aber noch eine weitere Hürde bevor: Am Montag, dem 14. November, wird das Gesetz im Bundesrat beraten. Gerade aus der Union kommt viel Kritik an der Sozialreform. Daher wolle man das Gesetz in der jetzigen Form blockieren. CDU-Chef Friedrich Merz hatte erklärt, dass es im Bundesrat „ziemlich sicher“ keine Mehrheit dafür geben würde. Die Union fordert umfassende Änderungen.

Damit steht derzeit auf der Kippe, ob das neue Bürgergeld 2023 tatsächlich, wie geplant, ab Januar ausgezahlt werden kann. Vorausgesetzt, dass das Bürgergeld tatsächlich zum Anfang nächsten Jahres kommt, wie hoch wären dann die neuen Regelsätze? Mit wie viel Geld können Bürgergeld-Berechtigte ab kommendem Jahr rechnen? Und was ändert sich an den Sätzen für Kinder?

Bürgergeld 2023: Wer ist bezugsberechtigt und wie hoch sind die Regelsätze?

Das Bürgergeld soll also ab Januar an die Stelle des Arbeitslosengelds II treten, das auch unter dem Namen Hartz 4 bekannt ist. Es dient der Gewährleistung des soziokulturellen Existenzminimums in Deutschland. Berechtigt für den Erhalt des Bürgergelds sind, wie bei Hartz 4, alle erwerbsfähigen und bedürftigen Menschen. Es setzt sich zusammen aus dem Regelbedarf (oder Regelsatz), der die für den Lebensunterhalt notwendigen Kosten abdecken soll, und den Kosten für Unterkunft und Heizung.

Nachfolger von Hartz IV: Regelsätze sollen mit dem Bürgergeld ab Januar 2023 steigen

Der Regelsatz soll nach den aktuellen Plänen ab Januar 2023 steigen. Das ist eine der größten Änderungen, die das neue Bürgergeld beinhaltet. Außerdem sollen die Wohnungskosten in den ersten zwei Jahren des Bezugs nicht mehr auf Angemessenheit geprüft werden. Mieterinnen und Mieter müssen also zunächst nicht gleich fürchten, ausziehen zu müssen, wenn sie für einen gewissen Zeitraum auf Grundsicherung angewiesen sein sollten. Auch angespartes Vermögen bis zu einer Höhe von 60.000 Euro soll für den gleichen Zeitraum geschont werden. Aber wie hoch sollen die Regelsätze im neuen Bürgergeld ab 2023 denn nun sein?

Hartz 4 oder Kinderzuschlaf – Was lohnt sich wann?
Die Regelsätze für hilfsbedürftige Menschen sollen ab Januar im Zuge des neuen Bürgergelds erhöht werden. Auch für Kinder gibt es mehr Geld. (Symbolbild) © Michael Gstettenbauer/imago

Wie viel Geld Bürgergeld-Berechtigte ab Januar 2023 erhalten

Der Regelsatz in Regelbedarfsstufe 1 für eine alleinstehende Person soll nach dem im Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf ab Januar 502 Euro betragen. Damit erhalten berechtigte Personen 53 Euro mehr als aktuell mit Hartz 4. Für eheliche oder nicht eheliche Partner einer Lebensgemeinschaft soll es künftig 451 Euro geben, das ist ein Plus von 50 Euro. 402 Euro erhalten Volljährige, die in einer stationären Einrichtung leben, oder nicht-erwerbstätige Erwachsene unter 25 Jahren, die im Haushalt der Eltern leben.

Was ändert sich bei Kindern mit dem neuen Bürgergeld 2023? Wie hoch sind die Regelsätze für Kinder?

Für Kinder von Bezugsberechtigten wird es in Zukunft auch mehr Geld geben. 420 Euro ist der neue Satz für Kinder im Alter von 14 bis 17 Jahren (davor waren es 360 Euro). 348 Euro erhalten Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren (statt zuvor 311) und für Kinder bis einschließlich 5 Jahren gibt es 318 Euro (statt zuvor 285 Euro).

Bürgergeld 2023: Wird das Kindergeld auf den Regelsatz angerechnet? Was gilt für Alleinerziehende?

Das Kindergeld, das im Zuge des Entlastungspakets ab Januar 2023 auf einheitlich 250 Euro pro Kind erhöht werden soll, wird auf die Regelleistung in voller Höhe angerechnet, genau wie etwaige Unterhaltsleistungen für Kinder bei Alleinerziehenden. Personen, die allein für die Versorgung minderjähriger Kinder verantwortlich sind, haben nach § 21 Abs. 3 SGB II auch im neuen Bürgergeld einen Mehrbedarf und erhalten damit auch mehr Geld. Die Höhe des Mehrbedarfs beträgt mindestens 12 Prozent und höchstens 60 Prozent des Regelsatzes und bemisst sich hauptsächlich nach der Anzahl und dem Alter der Kinder.

Regelsatz bisher mit Hartz 4Regelsatz mit Bürgergeld ab 2023
Alleinstehende und Alleinerziehende449 Euro502 Euro
Paare404 Euro451 Euro
18- bis 24-jährige Kinder360 Euro402 Euro
14- bis 17-jährige Kinder376 Euro420 Euro
6- bis 13-jährige Kinder311 Euro348 Euro
Kinder bis 5 Jahre285 Euro\t318 Euro

Erhöhte Regelsätze beim Bürgergeld 2023: Lohnt sich arbeiten dann überhaupt noch?

Eine der oft gehörten Kritikpunkte am neuen Bürgergeld ist, dass sich durch die höheren Regelsätze künftig arbeiten für viele nicht mehr lohnen würde. Auch die Union hatte bemängelt, dass sich gerade Geringverdiener dadurch schlechter gestellt fühlen könnten und ihre Motivation, einer Tätigkeit nachzugehen, dadurch beeinträchtigt werden könnte. Doch ist das tatsächlich der Fall? Zwei Rechenbeispiele des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeigen: Ja, arbeiten lohnt sich nach wie vor.

Single mit Mindestlohn im Vergleich zu Single mit Bürgergeld

Arbeitnehmer*in, alleinstehend (38-h-Woche, Mindestlohn von 12 Euro)Bürgergeldempfänger*in, alleinstehend
Brutto: 1.976 Euro; Netto: 1.443 EuroRegelsatz: 502 Euro; Warmmiete: 404 Euro
Verfügbares Einkommen: 1.443 EuroVerfügbares Einkommen: 906 Euro

Es zeigt sich hier: Alleinstehende, die zum Mindestlohn in Vollzeit arbeiten, verdienen also 537 Euro mehr als eine Person, die Bürgergeld bezieht.

Wie viel Geld hat eine Familie durch das Bürgergeld 2023? Vergleich zwischen Mindestlohn und Hilfe vom Staat

Paar, 2 Kinder (8 und 12 Jahre alt), ein Verdienst (38-Std.-Woche, Mindestlohn von 12 Euro)Paar, 2 Kinder (8 und 12 Jahre alt), im Bürgergeldbezug
Brutto: 1.976 Euro Netto: 1.576 Euro Kindergeld: 474 Euro Kinderzuschlag: 500 Euro Wohngeld: 317 EuroRegelsatz: 1.598 Euro Warmmiete: 751 Euro
Verfügbares Einkommen: 2.867 EuroVerfügbares Einkommen: 2.349 Euro

Auch hieraus lässt sich ableiten: Eine Familie mit zwei Kindern, in der ein Elternteil Vollzeit zum Mindestlohn arbeitet, verfügt über 518 Euro mehr als eine Familie im Bürgergeldbezug.

Auch mit höheren Regelsätzen im Bürgergeld ab Januar 2023, die hauptsächlich dazu dienen sollen, die gestiegenen Lebenshaltungskosten durch die Inflation auszugleichen und die bedürftigen Menschen in der Krise zu entlasten, ist es nach wie vor lukrativer arbeiten zu gehen. Die Union bleibt in Sachen Bürgergeld jedoch bei ihrer Blockadehaltung, wofür ihr von Armutsforschern vorgeworfen wird, dass sie Sozialneid unter den Schwächsten schüre und sie Geringverdiener gegen Arbeitslosengeld-2-Empfänger gegeneinander ausspiele. Damit die neue Bürgergeld-Regelung ab Januar 2023 in Kraft treten kann, bleibt allerdings nur noch wenig Zeit. Spätestens Ende November müsse ein Ergebnis erzielt werden, wenn nötig auch in einem Vermittlungsverfahren, um im Zeitplan zu bleiben, wie die Tagesschau berichtet.

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