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Gas-Umlage: Für Verbraucher wird Gaskrise immer teurer – „einige Hundert Euro pro Haushalt“

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Von: Anika Zuschke

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Ab Oktober 2022 soll eine neue Gas-Umlage die Kosten für Verbraucher erneut in die Höhe treiben. Warum die Gaspreise steigen und wie teuer Gas werden soll.

Bad Lauchstädt – Die Gaskrise in Deutschland erreicht ein neues Level: Wirtschaftsminister Robert Habeck warnt davor, dass aufgrund der neuen Gas-Umlage zusätzliche Kosten von mehreren Hundert Euro im Jahr pro Haushalt auf die Verbraucher zukommen können. Nach einem Besuch des Energieparks Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt am Donnerstag, 28. Juli 2022, sprach er im Zuge dessen von der „größten Energiekrise“ in Deutschland, wie t-online.de berichtet.

Gaskrise in Deutschland: Warum steigen die Gaspreise 2022 – und was ist die neue Gas-Umlage?

Bereits seit Monaten kämpft die Bundesrepublik mit einer anhaltenden Gaskrise, da Russland immer wieder aufs Neue die Gaslieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland drosselt. Seit dem vergangenen Mittwoch fließen nur noch etwa 20 Prozent der möglichen Mengen durch die Pipeline. Wegen der Gaskrise in Deutschland drohen auch schon bestimmte Lebensmittel aus den Regalen zu verschwinden.

Aus dem Grund müssen Gasimporteure für das fehlende Erdgas aus anderen Quellen – und zu hohen Preisen – kurzfristig Ersatz beschaffen. Diese Extra-Kosten sollen Gashändler mittels der Gas-Umlage voraussichtlich ab dem 1. Oktober 2022 an die Kunden weitergeben können. Laut Habeck sei die Umlage für alle Unternehmen möglich, die russische Gasmengen ersetzen müssen. „Das wird dann aber natürlich nachgewiesen werden müssen und es wird auch nachgerechnet werden. Also wir werden verhindern, dass da irgendein Schmu passiert“, versicherte er nach seinem Besuch in Bad Lauchstädt.

Was ist die neue Gas-Umlage?

Über die in einer Verordnung geregelte neue Gas-Umlage sollen Gashändler die stark gestiegenen Einkaufspreise wegen der Drosselung russischer Lieferungen an alle Gasverbraucher weitergeben können. Auf diese Weise sollen Importeure 90 Prozent der höheren Beschaffungskosten abgeben können. Die Gas-Umlage kommt zu den normalen Preiserhöhungen dazu und muss sowohl von Firmen als auch Privathaushalten getragen werden.

Der Ausgleichsanspruch für die Importeure gilt laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) aber nicht für alle Ersatzbeschaffungskosten, sondern nur für den Kauf von Importmengen, die vor dem 1. Mai 2022 vertraglich festgelegt wurden. Bis Ende September müssen die Importeure ihre Kosten noch selber tragen.

Neue Gas-Umlage ab Oktober 2022: Wie teuer wird Gaskrise in Deutschland für Verbraucher?

Die Höhe der Umlage stehe dem Bundeswirtschaftsminister zufolge zwar noch nicht endgültig fest, doch: „Wir rechnen damit, dass es zwischen 1,5 und fünf Cent pro Kilowattstunde sein wird“, sagte der Grünen-Politiker angesichts der Gaskrise in Deutschland. Damit kommen auf die Gaskunden deutlich höhere Preise zu.

Bei einem durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr lande man in einem mittleren Hundert-Euro-Bereich, erklärte Habeck laut dpa. Jedoch wisse man nicht genau, wie hoch die Gas-Beschaffungskosten im November und Dezember seien. „Aber die bittere Nachricht ist: Es sind sicherlich einige Hundert Euro pro Haushalt“, prognostizierte der Minister.

Gaskrise in Deutschland: Welche Gaspreise sind in Deutschland zu erwarten? Check24 gibt erste Aussichten

Bereits in der vergangenen Woche hatte Bundeskanzler Olaf Scholz die neue Gas-Umlage angekündigt und in dem Zuge eine Erhöhung der Gaspreise um zwei Cent pro Kilowattstunde genannt. Das würde ihm zufolge bei einem vierköpfigen Haushalt auf eine zusätzliche Belastung von 200 bis 300 Euro im Jahr hinauslaufen.

Doch mehrere Vergleichsportale haben nun berechnet, dass es bei dieser Summe aller Voraussicht nach nicht bleiben wird. Das Portal „Check24“ kam laut Focus bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden und zwei Cent Umlage auf Mehrkosten von 476 Euro. Darin ist die Mehrwertsteuer enthalten.

Gaskrise in Deutschland führt zu enormen Mehrkosten für Verbraucher

Gaskunden müssen aber in Zukunft nicht nur die Mehrkosten für die neue Gas-Umlage stemmen, sondern auch die ohnehin gestiegenen Gaspreise durch die Gaskrise in Deutschland auf sich nehmen. „Check24“ zufolge würde ein Durchschnittshaushalt mit jährlich 20.000 Kilowattstunden Verbrauch bei Abschluss eines neuen Vertrages jetzt im Schnitt 3415 Euro im Jahr für Gas zahlen, berichtet der Tagesspiegel. Das entspräche dreimal so viel wie im Vergleich zum Vorjahr.

„Bei einer Umlage von fünf Cent pro kWh kämen inklusive Mehrwertsteuer noch einmal Mehrkosten von 1190 Euro dazu“, erklärt das Vergleichsportal laut dem Tagesspiegel. Ein Durchschnittshaushalt würde infolgedessen 4605 Euro zahlen, was einem Plus von 254 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspräche.

Eine Gasflamme auf einer Kochstelle an einem Gasherd in einer Küche und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).
Für Gaskunden in Deutschland kommen aufgrund der neuen Gas-Umlage ab Oktober enorme Mehrkosten zu. (kreiszeitung.de-Montage) © Patrick Pleul/dpa/HMB-Media/Imago

Gaskrise im Winter 2022: Höhe der Gas-Umlage in Deutschland steht noch nicht fest

Wie hoch die neue Gas-Umlage im Endeffekt ausfallen wird, soll sich bis Mitte oder Ende August herausstellen und anschließend im Internet veröffentlicht werden, hieß es laut dpa am Donnerstag aus Kreisen des Bundeswirtschaftsministeriums. Die Umlagen-Höhe hänge dabei davon ab, welche Ausgleichsansprüche die Gasimporteure geltend machen – sie soll für alle Lieferanten gleich hoch ausfallen. Auf diese Weise soll laut dem Ministerium eine faire Verteilung der Lasten auf viele Schultern erfolgen.

Die Umlage sei angesichts der angespannten Lage auf dem Gasmarkt notwendig, um die Gasversorgung auch im kommenden Winter aufrechtzuerhalten, so das Ministerium. Ohne sie wären Gasversorgungsunternehmen in der gesamten Lieferkette demzufolge gefährdet. Deswegen soll die Umlage auch eineinhalb Jahre lang, also bis Ende März 2024, erhoben werden.

Wer zahlt die Gas-Umlage ab Oktober 2022 – und wer ist davon betroffen?

Da etwa die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland mit Gas beheizt werden, sind extrem viele Menschen von der neuen Gas-Umlage betroffen. Aus dem Grund dringt auch der Stadtwerke-Verband VKU auf schnelle Klarheit, um Kunden rechtzeitig über die Höhe der Gas-Umlage informieren zu können.

„Andernfalls müssen Stadtwerke vorübergehend für ihre Kunden die Umlage bezahlen, was die wenigsten auch nur kurze Zeit durchhalten können“, sagte eine Sprecherin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Gaskrise in Deutschland: Mehrkosten durch Gas-Umlage ab Oktober „stürzen ärmere Privathaushalte in den Ruin“

Verbraucherschützer forderten wegen der zu erwartenden hohen Kosten ein schnelles Hilfspaket bis spätestens Oktober und auch Sozialverbände schlagen bereits Alarm. „Mehrkosten in Höhe von mehreren hundert Euro für Gas stürzen ärmere Privathaushalte in den Ruin“, sagte Verena Bentele, Präsidentin des größten Sozialverbands Deutschlands VdK, dem Tagesspiegel. Schon jetzt wüssten ihr zufolge Menschen mit kleinem Einkommen nicht, wie sie ihre Einkäufe zahlen sollen.

„Deshalb muss das Wohngeld dringend eine Heizkostenpauschale enthalten“, fuhr Bentele demzufolge fort und forderte darüber hinaus ein „Kündigungsmoratorium“ von der Politik – „Wenn es kälter wird, darf niemand vom Vermieter auf die Straße gesetzt werden, weil er seine Heizkosten nicht mehr bezahlen kann.“

Gaskrise in Deutschland 2022: Habeck verspricht zusätzliche Entlastungen für Bedürftige

Um die Bürger bei den explodierenden Energiekosten zu entlasten, wurden mit dem Entlastungspaket 2022 bereits die Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro sowie der Heizkostenzuschuss erlassen. Habeck betonte laut dpa, dass es zusätzliche Entlastungen für jene Bürger geben werde, die wegen der Umlage an die Armutsgrenze rutschten, Details nannte er jedoch nicht.

Wann die Preissteigerungen tatsächlich bei den Haushalten ankommen werden, ist dem Tagesspiegel zufolge aufgrund der verschiedenen Verträge unterschiedlich. Manche Haushalte müssen diese demnach aktuell schon auf sich nehmen, bei anderen werden sie erst im nächstes Jahr auf den Rechnungen erscheinen. Fest steht jedoch: Der Preisschock wird noch kommen – die Energiekrise steht erst am Anfang.

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