Test-Chaos?

Delta-Mutation: Schnelltests erkennen Corona-Variante nicht

Oft wird mit einem Corona-Schnelltest die Delta-Variante gar nicht entdeckt. Der Grund dafür sind hohe Fehlerquoten. Was dabei beachtet werden sollte.

Hamburg – Experten bereitet die Delta-Mutation des Coronavirus schon seit längerem Sorgen. Die hoch ansteckende Corona-Variante breitet sich auch in Deutschland zunehmend aus und sorgt für Probleme: Denn sie weist nicht nur andere Corona-Symptome auf*, sondern lässt sich auch mit den üblichen Schnelltests nicht mehr sicher nachweisen.

Zahlen des RKI (Robert Koch-Institut) legen dar, dass die gefährliche Delta-Mutation* in Deutschland bereits in über sechs Prozent der Proben nachgewiesen wurde – damit hat sich die Zahl innerhalb von einer Woche fast verdoppelt! Bis zum Herbst könnte sich Experten wie dem RKI-Präsidenten Lothar Wieler und dem SPD-Politiker Karl Lauterbach zufolge die Mutation in Deutschland durchgesetzt haben. Charité-Virologe Christian Drosten warnt bereits vor einer Dominanz im Juli*.

Delta-Variante kann zu schweren Krankheitsverläufen führen – Nachweis der Infektion sorgt für Probleme

Dabei geht das RKI davon aus, dass Infektionen mit der Delta-Variante zu schwereren Krankheitsverläufen führen können. In Indien wurden bereits Fälle bekannt, bei denen mehreren Patienten Gliedmaßen amputiert werden mussten – Indiens Ärzte schlagen Alarm*. Dazu kommt nun erschwerend hinzu, dass der Nachweis einer Infektion mit der Delta-Variante für Probleme sorgt.

Denn der Labormediziner Matthias Orth ist sich unsicher, ob die inzwischen bekannten Schnelltests die Delta-Variante tatsächlich nachweisen können, berichtet das Hamburger Abendblatt. Dem Stuttgarter zufolge wurden die Schnelltests für symptomatische Infektionen entwickelt – also Erkrankungen, die auch tatsächlich Symptome wie Husten, Schnupfen oder Fieber aufweisen.

Eine Infektion mit der Delta-Mutation kann durch Schnelltests nicht sicher nachgewiesen werden

„Dabei werden rund 80 Prozent der Infektionen erkannt. Bei Nicht-Symptomatischen werden nur 40 Prozent der Infektionen erkannt“, merkt Orth an. Momentan würden insbesondere asymptomatische Menschen getestet – die Inzidenzen sind schließlich sehr niedrig*. Aber auf diese Weise werden mehr als die Hälfte aller Infektionen verpasst.

Corona-Mutation: Hohe Fehlerquote bei Schnelltests gilt auch für Delta-Variante

Das gilt nicht nur für die derzeit wütende Delta-Variante, sondern auch für alle anderen Corona-Mutationen. Sogar beim Original-Coronavirus besteht mit den Schnelltests eine hohe Fehlerquote, berichtet swr.de. Die Schnelltests sind ein sehr grobes Instrument, die auf ein bestimmtes in Viren vorhandenes Protein reagieren – dabei aber 40 bis 50 Prozent der Infektionen übersehen. Vielleicht gibt es deswegen momentan spottbillige Selbsttests bei Aldi und Lidl*.

Rein statistisch können die Test-Hersteller auch nicht aufzeigen, wie hoch die Erkennung von einzelnen Virus-Varianten ist. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass die Schnelltests vor etwa einem dreiviertel Jahr auf den Markt gebracht wurden, als die Delta-Variante noch gar nicht im Umlauf war. Außerdem kann noch nicht eindeutig aufgezeigt werden, an welchen Stellen sich die Delta-Variante nachweisen lässt, ob im Rachen oder in der Nase.

Hersteller wollen wegen zu hohem Aufwand Schnelltests für Delta-Mutation nicht überarbeiten

Um das herauszufinden, müssten verschiedene Szenarien durchgespielt werden: Dem Labormediziner Orth zufolge müssten mehrere über 80-jährige Ungeimpfte mit einer Delta-Infektion gefunden und mit der Infektion Jüngerer verglichen werden. Das Ziel läge darin, zu erkennen, wo sich das Virus am häufigsten ansiedelt – im Rachen oder in der Nase. Anschließend müsste für eine vollständige Erhebung noch herausgefunden werden, ob das Vorkommnis der Corona-Variante mit dem Alter des Patienten, der Virus-Variante oder sogar der eingesetzten Testform zusammenhängt.

Doch für die Hersteller der Schnelltests ist eine Überarbeitung ihrer Produkte keine attraktive Option. Aufgrund der Dringlichkeit wurden die Tests in einem Eilverfahren im Jahr 2020 auf den Markt gebracht – die sonst üblichen externen Prüfungen wurden ausgelassen. Matthias Orth kann darüber nur den Kopf schütteln: „Es genügte, dass die Hersteller beteuerten, sie hätten sehr gute Tests produziert. Niemand wollte die Testzulassung erschweren.“

PCR-Tests sind der sicherste Testweg bei der Delta-Variante

Schnelltests zeigen also häufig das falsche Ergebnis an*. Aber einen sicheren Testweg gibt es: PCR-Tests können nicht nur mit Gewissheit nachweisen, ob eine Coronainfektion vorliegt, sondern auch die Art der Virusmutation belegen. Orth zufolge sollte deswegen auch wieder zur verstärkten Nutzung von PCR-Tests zurückgekehrt werden. Die Schnelltests seien rausgeschmissenes Geld, „[...] ein riesiger Aufwand bei geringem Nutzen“. * 24hamburg.de, Kreiszeitung.de und Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/Michael Kappeler/Christian Ohde/dpa

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