Feuerwehrmann mit Drogenproblemen

Zwei Tage lang brannte es im Keller

Verden - Ein Feuerwehrmann aus Barme muss sich seit gestern in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden wegen schwerer Brandstiftung verantworten. Das Amtsgericht Verden hatte ihn zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er am 4. November 2014 auf dem Dachboden eines Mehrfamilienhauses in Barme mehrere Müllsäcke in Brand gesteckt hatte. Zu den elf Bewohnern gehörten unter anderem seine Mutter, sein Stiefvater und er selbst.

Der Angeklagte räumte gestern, wie schon in erster Instanz ein, dass er die Säcke, die auf einem Betonboden lagen, angezündet habe: „Sie haben gekokelt. Das ging nur kurz.“ Er sei dann schlafen gegangen, will sich aber vorher davon überzeugt haben, dass nichts mehr brannte und nichts weiter passieren könne. „Ich wollte nicht, dass das Haus brennt“, behauptete der 27-Jährige gestern.

Dazu kam es nicht, aber der Brand war auch nicht gelöscht. Einer der Bewohner soll am nächsten Morgen die brennenden Säcke auf dem Dachboden entdeckt haben. Vor dem Eintreffen der Feuerwehr konnte der Zeuge diese selbst löschen. An dem Feuerwehreinsatz war auch der Angeklagte beteiligt.

Bei der Polizei hatte der Angeklagte die Taten als Hilferuf dargestellt. „Ich wollte auf mein Alkohol- und Drogenproblem aufmerksam machen“, sagte er gestern. Täglich habe er getrunken und Drogen wie Cannabis und Spice konsumiert. Er habe sich nicht getraut, mit seiner Familie darüber zu sprechen.

Die Vorsitzende Richterin Andrea Ramsauer zeigte sich skeptisch: „Das passt alles nicht. Wenn der Brand aus ist, wie wollten Sie dann Hilfe bekommen.“ Außerdem habe ihm als Feuerwehrmann die Gefahr eines Dachstuhlbrandes und der damit einhergehenden Gefahr für die Bewohner klar sein müssen. Doch der Angeklagte blieb bei seiner Behauptung. Als er ins Bett ging, habe nichts mehr gebrannt.

Zwei Tage brannte es seinerzeit im Keller des Hauses. Der Feuerwehrmann geriet in Verdacht und räumte bei der Polizei diese und 16 weitere Brandlegungen ein, die bis zu vier Jahre zurücklagen. Anklage wurde jedoch nur wegen des Brandes auf dem Dachboden erhoben. Teilweise sei es beim Versuch geblieben oder die Taten waren strafrechtlich nicht von Gewicht, erklärte Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern auf Nachfrage.

Unter den gestern gehörten Zeugen war auch Barmes Ortsbrandmeister. Ob eine konkrete Gefahr für einen Dachstuhlbrand bestand, vermochte er nicht einzuschätzen. Darauf vertrauen können, dass nichts passiert, konnte der Angeklagte zur Überzeugung des Ortsbrandmeisters nicht. „Auf keinen Fall. Als Feuerwehrmann ist das Verhalten nicht nachvollziehbar“, so der Zeuge. Das Amtsgericht hatte dem Angeklagten, der vor der Tat reichlich getrunken und einen Joint geraucht haben will, aber eine verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt.

Der Prozess soll am 14. März fortgesetzt werden. - wb

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