Unerwartet große Teilnahme an „No Fracking“-Demo in Völkersen

Ein Zeichen gesetzt: "No Fracking"

Ballons sollten die Forderung der Demo-Teilnehmer, dass ihre Umwelt sauber sein soll, in die Welt und zur RWE Dea AG tragen. ·

Landkreis - „Kein Gift in unserer Erde“, forderten am Sonnabend 700 Teilnehmer einer großen Demonstration in Völkersen. Gefolgt waren sie einem Aufruf der Bürgerinitiative (BI) „No Fracking“, die jedoch vielmehr fordert als „nur“ ein Verbot dieser umstrittenen Methode zur Erdgasförderung. In dem Erdgasfeld Völkersen ist krebserregendes Benzol ins Erdreich gelangt.

Es war überhaupt nicht einschätzbar, wie viele Menschen dem Aufruf folgen würden und so beobachteten Thomas Vogel und Andreas Noltemeyer, Sprecher der Initiative, sichtlich zufrieden wie immer mehr Menschen zum Treffpunkt an der Gaststätte „Alter Krug“ strömten. „Ich danke euch schon jetzt für die Unterstützung in unserem Kampf gegen die umweltkatastrophalen Machenschaften der Energiekonzerne in Niedersachsen“, so Vogel kurz darauf in seiner Begrüßung. Er berichtete von verseuchtem Grundwasser auf 420 000 Quadratmetern. „Statt grenzwertiger zehn Mikrogramm misst man bis zu 39 000 Mikrogramm krebserzeugendes Benzol im Grundwasser“, teilte Vogel mit. Völkersen sei kein Einzelfall und so rege sich vielerorts Widerstand.

Große Teilnahme an „No Fracking“-Demo in Völkersen

Mitglieder anderer Bürgerinitiativen und Bürger aus der Region gehörten zu den Demonstranten. Jung und Alt hatten sich auf den Weg gemacht. Sie brachten ihren Protest und ihre Forderungen auf selbst gebastelten Schildern zum Ausdruck. So auch Yvonne Lindhorst, die mit ihren beiden Töchtern Mina (5) und Paula (2) gekommen war. „Das hier ist das einzige, was wir machen können“, erklärte die Völkersenerin. Sie will, dass ihre Töchter gesund und glücklich aufwachsen, und nicht in 20 Jahren vor ihr stehen und sagen: „Mama, warum hast Du nichts gemacht?“

Ihre Ängste und Sorgen teilen viele Bürger und Politiker. Gemeindebürgermeister Andreas Brandt sprach bei der Schlusskundgebung von einer „gewaltigen Umweltverschmutzung“ entlang der Lagerstättenwasserleitungen.

Doch der BI geht es nicht nur um Benzol im Boden, sondern auch um Risse an Häusern. Der Konzern bestreitet, Verursacher zu sein. „Wir pflegen hier eine gute Nachbarschaft“, betonte Brandt bei der Schlusskundgebung in der Nähe eines neu errichteten Gasbohrturms. Von dem Nachbarn RWE erwartet er, dass dieser sich bewegt, die Schäden aufnimmt und die Ursachen klärt. „Sie haben das notwendige Wissen und Kapital.“

Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt zollte Organisatoren und Demonstranten Respekt. Völkersen habe ein Zeichen gesetzt. Man habe immer Vertrauen gehabt, was das Unternehmen macht. „Dieses Vertrauen ist missbraucht worden. Ich fühle mich verarscht“, so der Bundestagsabgeordnete und forderte eine Neustrukturierung des LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie), „damit das, was passiert ist, nicht wieder passieren kann“.

„Ich habe gerne mit ihnen demonstriert gegen Gift in unserer Erde“, so Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann. „Erdgas ist wichtig, aber das Wasser und der Acker sind wichtiger.“ Anschließend ließen die Demonstranten Luftballons mit Postkarten aufsteigen, auf denen jeder seinen persönlichen Wunsch für eine saubere Umwelt geschrieben hat. „Bitte zurückschicken an“, stand über der Adresse des Empfängers: RWE Dea AG, Förderbetrieb Niedersachsen.

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