Stolpersteine in Eckstever erinnern an zwei 1945 hingerichtete junge Soldaten

Sie wollten nur nach Hause

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Während Künstler Gunter Demnig die beiden Stolpersteine im Gedenken an Heinz Kehne und Alfred Schmidt einpasste, lasen Kai Rosenbrock (re.) und Fabian Walerius (li.) aus den Biografien der 1945 standrechtlich erschossenen jungen Soldaten. ·

Ottersberg - Mit deutschlandweit fast 40.000 verlegten Stolpersteinen erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig an Opfer des Nationalsozialismus. Zwei weitere Stolpersteine verlegte Demnig am Montag in Ottersberg-Eckstever.

Die mit Messingplättchen beschrifteten und in den Gehweg eingelassenen Gedenksteine erinnern an Heinz Kehne und Alfred Schmidt: Die jugendlichen Soldaten waren in den letzten Kriegstagen im April 1945 in Eckstever von einem Wehrmachtskommando standrechtlich erschossen worden, weil sie sich von ihrer Kompanie abgesetzt hatten.

Das Schicksal der 17 und 18 Jahre alten jungen Männer hatten Gymnasialschüler der Berufsbildenden Schulen Verden in einem Geschichtsprojekt unter Leitung ihres Lehrers Dr. Joachim Woock aufgearbeitet. Um nachhaltig an die als Fahnenflüchtige hingerichteten Jugendlichen zu erinnern, hatten die Schüler Gunter Demnig beauftragt, zwei seiner berühmten Stolpersteine für die jungen Soldaten zu verlegen, die 1945 einfach nur noch nach Hause gewollt hatten. Heinz Kehne stammte aus dem Kreis Lippe und Alfred Schmidt aus der Nähe von Leipzig. In der Nacht vor ihrer Erschießung wurden sie in einen Schuppen in Eckstever eingesperrt, der heute noch efeubewachsen an der Dorfstraße steht und vor dem Demnig die Stolpersteine einsetzte.

„Dieses Schicksal hat uns betroffen gemacht“, sagten die Schüler Kai Rosenbrock (Holtum (Geest)), Fabian Walerius (Dauelsen) und Svenja Junge (Langwedel). Im Unterricht bei Dr. Woock, der auch Regionalgeschichtsbeauftragter im Landkreis ist, erfuhren die Jugendlichen Näheres über die Zusammenhänge, die Umstände und die Persönlichkeiten der Hingerichteten. Am Ende stand die Realisierung der Stolpersteine. „Wir haben mit 45 Schülern jeder fünf Euro gegeben, um diese Aktion zu finanzieren“, erklärte Kai Rosenbrock, der während der Steinverlegung vor zahlreichen Gästen zusammen mit Fabian Walerius die Biografie der Getöteten und eine Zusammenfassung der Geschehnisse verlas – umrahmt von Musik des Otterstedter Posaunenchores.

Jürgen Küssner, Neffe von Heinz Kehne, war eigens aus Schlangen bei Detmold zur Stolpersteinlegung nach Eckstever gekommen. Mit bewegenden Worten erinnerte er an seinen Onkel, den er nie kennenlernen durfte, und an die unmenschliche Seelenpein der beiden exekutierten jungen Männer: In diesem Schuppen auf den unausweichlichen Tod warten zu müssen, sei schwer vorstellbar. Das Militärgericht hätte drei Wochen vor Kriegsende die Möglichkeit gehabt, den Prozess zu verzögern, erinnerte Küssner: „Sie taten es nicht und haben sich schuldig gemacht.“ Herzlich dankte Küssner den Schülern für ihr Engagement, das an das ausgelöschte Leben von Heinz Kehne und Alfred Schmidt erinnere.

Als Gast der Steinsetzung war der 91-jährige Ludwig Baumann aus Bremen nach Eckstever gekommen. Er hatte selbst als zum Tode verurteilter Deserteur zehn Monate in Untersuchungshaft gesessen. Betroffen hörten ihm die Anwesenden zu, als er von Nichtigkeiten als Urteilsbegründung und den Haftbedingungen erzählte, die ihn in seinen Erinnerungen verfolgen würden, als sei alles erst gestern geschehen. Baumann erzählte auch, wie er als gebrandmarkter Deserteur noch in der Nachkriegszeit als Feigling beschimpft und zusammengeschlagen worden sei. · kr

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