Prof. Rudolf Hickel referierte beim Neujahrsempfang der Samtgemeinde / Mutige Entscheidungen angemahnt

Wirtschaftsanalyse aus erster Hand

Gut gefüllt zeigte sich die Aula der Gudewill-Schule. Zahlreiche Gäste aus dem öffentlichen Leben und der Wirtschaft waren dabei.

Thedinghausen - THEDINGHAUSEN/SAMTGEMEINDE (sp) · „Nur Mut.“ Das war aus wirtschafts- und finanzwissenschaftlicher Sicht das Credo des Neujahrsempfanges der Samtgemeinde Thedinghausen.

Als Festredner konnte Bürgermeister Gerd Schröder dabei Rudolf Hickel begrüßen. Der kürzlich pensionierte Hickel, gern gesehener Gast in vielen TV-Talkrunden, war Professor für Finanzwissenschaft an der Uni Bremen.

In der Aula der Gudewill-Schule gaben sich zahlreiche geladene Gäste aus der heimischen Wirtschaft, Politik, Verwaltung und zahlreicher Institutionen ein Stelldichein – darunter Landrat Peter Bohlmann, MdB Andreas Mattfeldt, MdL Wilhelm Hogrefe und Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer.

In seiner einleitenden Rede stellte Gerd Schröder die gute Zusammenarbeit der Kommune mit den örtlichen Gewerbetreibenden heraus – und das gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Schröder sprach in diesem Zusammenhang die öffentlichen Aufträge an.

nVortrag bot

nGesprächsstoff

Prof. Hickel brachte zunächst Schwung in die Runde, in dem er die Gäste näher an sein Rednerpult beorderte. „Wir sind hier schließlich nicht beim SPD-Parteitag.“ Sein anschließendes Referat mit dem Thema „Nach dem ökonomischen Absturz – für eine zukunftsfähige Wirtschaft“ war äußerst kurzweilig und behandelte im Eiltempo nicht nur die Ursachen der derzeitigen schweren Krise, sondern gab auch Lösungsansätze.

Die Casino-Mentalität der zockenden Banker sei, so Hickel, letztlich die Ursache der Krise gewesen, die dadurch verstärkt worden sei, dass Wirtschafts- und Finanzmarktkrise sich gegenseitig verstärkten. Zudem hätten viele seiner Berufskollegen im Vorfeld versagt, in dem sie den Niedergang nicht vorausgesehen hätten. Sein Tipp an die Experten: „Lieber mal ein halbes Jahr die Klappe halten.“ Vor dem Hintergrund schlechter Beratung habe Angela Merkel bei der Krisenbewältigung grundsätzlich durchaus richtig gehandelt.

Mit Blick auf die derzeitige Entwicklung in den USA und auch hier prognostizierte er: „Wir finanzieren bereits die nächste Finanzkrise.“ Er mahnte eine strengere Kontrolle der Finanzgeschäfte und eine Ethik gegen die Gier der mächtigen Investmentbanker an. Den örtlichen Instituten, wie Sparkasse oder Volksbank, bescheinigte er hingegen eine solide Geschäftspolitik.

Hickels Mahnung an die große Politik: „Bloß jetzt nicht die Ausgaben massiv kürzen.“ Gekonnt schlug der brillante Redner zum Schluss wieder einen Bogen zu den anwesenden Unternehmern. „Öffentliche Investitionen in den Kommunen, beispielsweise in Kanalisation oder ÖPNV, sollten gestärkt werden. Schon das Konjunkturprogramm war ein Schritt in die richtige Richtung, denn es war stark auf vergleichsweise kleine Vorhaben in den Orten – Schulen, Straßen und mehr – ausgerichtet.“ Was Hickel vor allem mit Blick nach vorne anmahnte: „Mutige Entscheidungen.“

Bei kühlen Getränken und Knabbereien bot der Hickel-Vortrag anschließend noch genügend Gesprächsstoff in einer lockeren Runde, die zudem von Gerald Orth (Klavier), Peter Jahn (Bass) und Thomas Schönwäler (Saxophon) musikalisch vortrefflich unterhalten wurde.

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