Wirte warten auf Fahrplan für Lockerungen / Treffen mit Abgeordneten

„Wir stehen in den Startlöchern“

Zwei Abgeordnete und die Gastronomen vom Bootshaus, Klenkes Gasthaus, „Waldschlößchen“, Meyer Bierden, Rodizio und Bodega, Bellini, Dorfkrug Bollen, El Serrato und Haberkamps Hotel (Uphusen).  
Foto: Wenck
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Zwei Abgeordnete und die Gastronomen vom Bootshaus, Klenkes Gasthaus, „Waldschlößchen“, Meyer Bierden, Rodizio und Bodega, Bellini, Dorfkrug Bollen, El Serrato und Haberkamps Hotel (Uphusen). Foto: Wenck

Daverden/Landkreis – „Die Zahlen der Dehoga von Betrieben, die möglicherweise aufhören wollen, machen mir Angst. Wenn das eintritt, haben wir tote Städte und Gemeinden.“ Mit seiner Angst steht der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt (CDU) an diesem Nachmittag im Daverdener „Waldschlößchen“ nicht alleine da.

Mit dabei ist nicht nur Dörte Liebetruth, SPD-Landtagsabgeordnete. Weit verstreut im großen Saal – natürlich wegen der Corona-Abstandsvorschriften – sitzen Wirte aus dem ganzen Landkreis. „Wir sind ein ,Freundeskreis Gastronomie’“, erklärt Axel Klenke von Klenkes Gasthaus aus Langwedel. Der „Freundeskreis“ hat angefangen, sich in Corona-Zeiten regelmäßig zu treffen, um neben der Dehoga noch weiter Informationen auszutauschen. Jetzt hatte man sich die Abgeordneten eingeladen, um zu diskutieren, wie es in der besonders gebeutelten Branche weitergehen kann, wie man die Menschen zurück in die Lokale bekommt. „Die Gäste sind verunsichert. Sie trauen sich nicht rein“, merkt Axel Klenke an.

Was finanzielle Hilfen angeht, sitzt Andreas Mattfeldt als Mitglied des Haushaltsausschusses des Bundestages an der richtigen Stelle. „Wir haben eine einmalige Situation in Deutschland und in der ganzen Welt“, befindet der Abgeordnete. Ob man dabei alles richtig gemacht habe? Auf jeden Fall stehe man in Deutschland besser da, als in vielen anderen Ländern. Wirtschaftlich gibt es dagegen ungeheure Probleme. „2007, 2008 war ein laues Lüftchen dagegen.“ Egal, ob Hotels, Restaurants, Gaststätten, Caterer, Schausteller, Kneipen, Clubs und so weiter: „Die Umsatzverluste sind nicht wieder aufzuholen“, weiß auch Mattfeldt.

Der Bund hat ein Programm mit Überbrückungshilfen aufgelegt, hat befristet die Umsatzsteuer auf Speisen gesenkt. Über das Hilfsprogramm mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro kann ein Unternehmen bis zu 80 Prozent der fixen Betriebskosten erstattet bekommen, maximal 150 000 Euro.

„Aber das ganze Geld fällt nicht vom Himmel“, so Mattfeldt. Spätere Generationen müssten für die jetzt aufgenommenen Schulden des Staates aufkommen. „Und, so leid es mir tut: Wir werden nicht alles retten können, was wir gerne retten wollen.“

Was bei der Diskussion mit den Abgeordneten deutlich wurde: Die Gastronomen wollen wieder loslegen. „Wir stehen in den Startlöchern“, so Fidel Uyar. „Wir sind da, sind bereit, wieder Gas zu geben“, betonte auch Klaus Meyer (Gasthof Zur Linde, Meyer-Bierden). Ihre Hausaufgaben hätten die Gastronomen gemacht. Mit Schulungen der Dehoga. Am Mittwochabend hatte sich der „Freundeskreis“ mit Landrat Peter Bohlmann sowie Vertretern von Gesundheitsamt und Veterinäramt getroffen, um Unklarheiten in den Vorschriften zu klären.

Wie zum Beispiel die Maskenpflicht für das Personal. Muss der Service wirklich die ganze Schicht, acht Stunden lang, Maske tragen? Muss er nicht. Aber wenn es zum Gast an den Tisch geht, dann ja und unbedingt. „Wir haben uns schlaugemacht“, sagt Klaus Meyer. Und Jan Lampe (Bootshaus Achim) versichert möglichen Gästen: „Bei uns sind sie sicher.“

Was sich die Gastronomen (außer Gästen) wünschen: einen Fahrplan, wie es mit den Vorschriften weitergeht. „Am 22. Juni fällt die Kontaktbeschränkung in der bisherigen Form“, so Dörte Liebetruth. Soll heißen: Die Abstandsregel gilt weiter, aber dann dürfen nicht mehr nur Mitglieder aus zwei Haushalten an einen Tisch. Statt Hochzeitsfeier mit 50 Leuten sollen dann 100 Menschen feiern dürfen. Aber was ist mit Volksfesten wie dem Langwedeler Markt? „Wir müssen uns rantasten. Was ist möglich und was nicht“, sagt Andreas Mattfeldt. Er hoffe sehr auf Thüringen, dass man dort mit den weitgehenden Lockerungen gute Erfahrungen machen möge.

Das nächste Mal treffen sich die Gastronomen am 25. Juni, 15 Uhr, im Gasthaus Zur Linde in Bierden. Mitstreiter aus dem Metier sind willkommen. Wer Fragen hat, kann sich an Fidel Uyar (Telefon 04232 / 934950) wenden.

Von Jens Wenck

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