UN-Jugenddelegierter diskutiert mit Schülern am GamMa über politische Teilhabe

„Wir sind die Zukunft“

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Jugenddelegierter Florian Nowack (l.) mit Fachlehrerin Petra Hoppenstedt (3.v.l.) und einigen Schülern des GamMa. ·

Achim - Von Lisa Duncan„Stell‘ dir vor, es ist UN – und du gehst hin!“. Diesem Motto, mit der die Vereinten Nationen (UN) für Nachwuchs werben, ist der 24-jährige Florian Nowack gefolgt – und vertritt seit fast einem Jahr Deutschland als einer von zwei UN-Jugenddelegierten. Reisen führten ihn dabei schon quer durchs Land und sogar nach New York. Gestern erklärte der gebürtige Lohner (Landkreis Vechta) rund 85 Schülern des Achimer Gymnasiums am Markt (GamMa), wie Jugendliche Einfluss auf die Weltpolitik nehmen können.

„Was meint ihr: Wieviel Prozent der Weltbevölkerung sind jung?“, fragt Nowack ins Plenum der Schulaula. Die Antwort – 50 Prozent – kommt dann für einige doch überraschend.

Zum Thema des Vormittags „Jugendbeteiligung“ diskutierten die Elftklässler und formulierten anschließend selbst Forderungen. Organisiert hatte diese Veranstaltung am GamMa die Politik- und Deutschlehrerin Petra Hoppenstedt. Ihr Ziel: „Aufklären, welche Möglichkeiten es gibt, sich politisch einzubringen.“

Dass die Meinung von Jugendlichen bei den Vereinten Nationen überhaupt gehört wird, ist noch eine relativ neue Entwicklung: Seit 2005 gibt es dieses Amt erst offiziell. Lange habe sich das Gremium, in dem 15 Regierungen vertreten sind, dagegen gesperrt. „Was, meint ihr, waren die Argumente?“, fragt Nowack. „Dass Jugendliche noch nicht lange genug gelebt haben.“ – „Dass junge Menschen nicht über das Fachwissen verfügen“, werfen die Schüler ins Plenum. Dabei gibt es gute Gründe für die politische Teilhabe von Jugendlichen an der Weltpolitik, etwa: „Wir sind die Zukunft, also können wir sie auch mitgestalten“, drückt es eine Schülerin treffend aus.

Mittlerweile bestimmt jedes Land mit Sitz in der UN-Generalversammlung pro Jahr zwei junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren als Jugenddelegierte. Die beiden – neben Nowack ist das zurzeit die 26-jährige Elise Zerrath – reisen ehrenamtlich durch Deutschland, um in Dialog mit Jugendlichen zu kommen. Anschließend tragen sie deren politische Anliegen bei der UN-Generalversammlung vor.

Auf ihrer Reise durch Deutschland kommen sie mit Menschen aus sehr unterschiedlichen Milieus in Kontakt. Nowack erzählt von Besuchen eines Frauenhauses, bei Obdachlosen, bei jugendlichen Straftäterinnen, aber auch in etlichen Schulen. Für ihre Arbeit bekommen die Jugenddelegierten kein Geld, nur die Fahrtkosten werden übernommen. Auch für den Aufenthalt in New York gibt es ein kleines Taschengeld.

Zwischen „Euphorie und Wahnsinn“ hätten die beiden Delegierten ihre Arbeit bisweilen empfunden. „Manchmal ist es ein Erfolg, ein Wort in eine Resolution reinzubringen.“ Frust kam dafür auf, als der Vorschlag abgelehnt wurde, ein ständiges Forum für Jugendliche in der UN-Vollversammlung zu haben – ausgerechnet, weil Deutschland mit „Nein“ stimmte. „Man erklärte uns: Sobald etwas Geld kostet, sagt die Bundesregierung erstmal Nein.“ Doch sie blieben dran und erwirkten mit einem Anruf in Berlin zumindest, dass der Vorschlag noch einmal diskutiert wird.

Mit Anregungen der Schüler des GamMa im Gepäck reisen die beiden Jugendvertreter kommenden Februar erneut nach New York, wo bei der UN zwei Wochen lang über soziale Themen konferiert werden soll.

Derweil sammeln die Achimer Gymnasiasten bereits Ideen: „Ich bin dagegen, dass Homosexuelle in Russland bestraft werden“, sagt Henrieke Polewka. Die 16-Jährige findet es gut, dass sich Jugenddelegierte für sozial Benachteiligte einsetzen. Und Katharina Görtz fügt hinzu: „Ich bin positiv überrascht. Dass Jugendliche in der UNO ein Mitspracherecht haben, wusste ich bisher nicht.“

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