Tiere haben erhebliche Schäden angerichtet / Ausbreitung durch milde Winter, Mais- und Rapsfelder

Wildschweine auf dem Golfplatz

„Boden in Bearbeitung“.

Achim - Von Manfred Brodt · Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine einzige Sauerei. Wildschweine haben in den letzten Wochen auf drei Bahnen des Achimer Golfplatzes erhebliche Schäden angerichtet.

In der Nacht sind sie – vermutlich eine Rotte aus der Bache und den Frischlingen – aus dem Dickicht gekommen und haben auf der Suche nach Eiweißnahrung (Engerlinge, Würmer, Käfer, Larven) für den Nachwuchs auf den Bahnen 3, 13 und 14 die Fairway-Bereiche zwischen Abschlag und Grün in großen Bereichen regelrecht umgepflügt.

Chemische Abschreckungsmittel, Behälter, die den Schweißgeruch von Menschen und Raubtieren verbreiten, haben nicht lange geholfen. Als die Tiere merkten, dass ihnen nichts geschah, kamen sie trotz der chemischen Schranken wieder. Wirksame Elektrozäune sind hier nicht möglich, da das 125 Hektar große Golfplatzareal ja zugleich Naherholungslandschaft und frei zugänglich ist.

So müssen nun Caddy-Master Reiner Meyer und Mitarbeiterin Annette Scheunemann in mühsamer stundenlanger täglicher Kleinarbeit den tief aufgerissenen Rasen wieder wie ein Puzzle zusammensetzen, fest walzen und hoffen, dass er wieder anwächst.

Auf den Golfbahnen sind so plötzlich unvorhergesehene größere unbespielbare Hindernisse entstanden. Da die Golfregeln zwar Maulwurfshügel, aber keine Wildschweinschneisen vorsehen, bekämen die Spieler einen Strafpunkt, wenn sie den Ball aus dem Schadensbereich nehmen wollten. Der Golfclub behilft sich, indem er die aufgepflügten Bereiche mit blauen Pfählen begrenzt, so zum „Boden in Bearbeitung“ erklärt und die Strafpunktregelung so umgeht.

Das ist jedoch wohl das geringste Problem. Gravierender sind die in die Tausende gehenden Schäden.

Dabei ist die Schweinerei auf der Anlage in Achim-Badenermoor kein Einzelfall. Wildschweinschäden sind auch bekannt von den Golfplätzen in Hann.Münden, Hameln und Bad Harzburg. In Braunlage gruben die Schwarzkittel jüngst Teile des Kurparks um.

In Berlin hatten sich die Wildschweine in Stadtparks getummelt, wo sie nicht gejagt, sondern gefüttert wurden. Als sie so, immer zutraulicher geworden, sogar ins Stadtzentrum vorrückten, wurden zwei auf dem Alexanderplatz erschossen.

Die Population der Wildschweine hat bei uns enorm zugenommen, man schätzt auf das Zehn-bis Zwanzigfache in den letzten 50 Jahren.

Die Tendenz ist weiter steigend durch die milden Winter und die sich ausbreitenden Mais- und Rapsfelder, die den Tieren ebenso wie der Wald Deckung und Nahrung bieten. So ist das Wildschwein jetzt auch in die waldarmen Bereiche des Nordens vorgedrungen.

Wie Jürgen Luttmann, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Verden, dem Achimer Kreisblatt sagt, haben sich die Jäger auf die ungewollte Überbevölkerung eingestellt und veranstalten auf Wildschweine nicht nur Ansitzjagden vom Hochsitz bei Mondschein, sondern revierübergreifend auch so genannte Drückjagden, bei denen die Tiere aus ihrem Deckungsbereich herausgetrieben und auf der Flucht zum nächsten Deckungsbereich erlegt werden sollen. Diese Jagden finden im Herbst statt. Jetzt dürfen Frischlinge, aber nicht die Bachen gejagt werden.

2009 haben die Jäger in Niedersachsen 50 000 und im Landkreis Verden nach Angaben Luttmanns 500 Wildschweine erlegt. Nach seiner Einschätzung war das die Hälfte des Bestandes, der sich nun wieder rasant vermehrt hat.

In Kirchlinteln, Dörverden und Langwedel sollen die Schwerpunkte liegen. Wildschweine sind mobil, können am Tag bis zu 35 Kilometer zurücklegen. Gejagt werden sie auch, weil sie die Schweinepest verbreiten.

Sie sind nachtaktiv und scheu, für den Menschen nur gefährlich, wenn er sie bei der Paarung stört und die Frischlinge insbesondere durch nicht angeleinte Hunde bedroht. Für Autofahrer sind sie natürlich auch eine Gefahr. Fünf bis zehn Prozent der Tiere erlagen dem Unfalltod.

Vorsichtig, sehr lernfähig und auf Mais-, Kartoffelfeldern, Wiesen und bisweilen Golfplätzen eben sehr schädlich ist das Schwarzwild.

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