Christa Teuber aus Langwedel beschuldigt Landwirt: „Hätte Jagdpächter Bescheid geben müssen“

Wieder Rehkitz bei Mahd erfasst

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Unerfreulicher Anblick: So lag das Rehkitz im Gras, als Christa Teuber es fand.

Langwedel – Durch ihr Küchenfenster kann Christa Teuber auf ein Feld gucken. Dort beobachtete sie in letzter Zeit oft eine Ricke und ihr Rehkitz im hohen Gras. „Morgens wurde es noch von seiner Mutter gesäugt. Aber als ich später von einem Arzttermin zurückkam, war das Feld gemäht“, erzählt Teuber. Ihr schwante Fürchterliches. Immer wieder fallen Rehkitze bei der Mahd den Klingen zum Opfer. Mithilfe einer Nachbarin und deren Drohne suchten sie die Weide nach dem Kitz ab. Damit der Kadaver nicht erneut von Landmaschinen überrollt wird, bargen sie ihn und legten ihn an den Feldrand. „Wir sind so erbost darüber.“ Noch Tage später hörte Christa Teuber die Ricke nach ihrem Kitz rufen. Die Bilder gingen ihr seitdem nicht mehr aus dem Kopf; in der Nacht darauf habe sie kein Auge zu getan.

Teuber suchte Peter Lange auf. Er ist als Jagdpächter für dieses Feld zuständig, das einem Landwirt aus Völkersen gehört. „Er hat gesagt, die Landwirte müssten das vorher bei ihm anmelden, wenn sie mähen wollen. Das hat er aber nicht gemacht.“ Teuber glaubt, dass er sich strafbar gemacht hat und will ihn wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz anzeigen.

„Landwirte sind verpflichtet, einen Tag vor der Mahd Bescheid zu sagen“, behauptet Peter Lange. Zumindest bestehe schon seit Langem eine Absprache zwischen Jagdpächter und Eigentümer. Denn ganz kleine Kitze hättem noch keinen Fluchtinstinkt. Deshalb geht Lange mit seinem Hund am Abend vor der Mahd das Gras ab. Lange erläutert: „Wenn die Ricke kommt, um ihr Kind zu säugen, wittert sie den Hund. Das bedeutet für sie Gefahr, also nimmt sie ihr Kitz mit und haut ab.“ Peter Lange hat den Landwirt für sein Verhalten zur Rede gestellt. „Verdonnert werden müsste er. Ich habe mit ihm geschimpft, weil er mir nicht Bescheid gesagt hat“, erzählt der Jagdpächter. Dabei sei es für Landwirte auch nicht schön, wenn ein Rehkitz in die Landmaschine gerät: „Die machen das ja nicht mit Absicht“, weiß Lange.

Es gab schon Urteile von Gerichten, die die unabgesprochene Mahd als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz werteten.

„Es war mein Fehler. Mir tut das so leid“, sagt der Landwirt auf Nachfrage. Immerhin hätte er am Mähwerk ein sogenanntes „Wildretter“-Gerät befestigt. „Die machen Geräusche, die die Tiere nicht abkönnen“, erklärt der Landwirt, der mehrere Ackerflächen bewirtschaftet. Den Jagdpächter hat er nicht verständigt, weil ihm speziell auf diesem Feld zuvor noch nie ein Kitz begegnet sei.

Was sich jetzt in Langwedel ereignete, ist leider kein Einzelfall, im Gegenteil. Nach Schätzungen von Jägern und Naturschützern sterben jedes Jahr in Deutschland im Mai und Juni während der Mahd Zehntausende Rehkitze durch Mähmaschinen. Dazu sind noch andere Tiere und Bodenbrüter betroffen.  ldu

Vorsicht bei der Mahd

„Eine frühe und gute Kommunikation ist der effektivste Wildretter!“, schreibt die Fachzeitschrift „Top Agrar“ und empfiehlt, den Jagdpächter mindestens zwei Tage vor dem Schnitttermin zu informieren. Zudem hätten sich Vergrämungsmethoden in der Praxis bewährt. Dabei beunruhigen Jäger und Landwirte die Ernteflächen gezielt in den Stunden vor dem Mähtermin mit Flatterbändern, Knistertüten oder an Dachlatten befestigten Duschradios. Durch das Mähen von innen nach außen hat das Wild die Chance, das Feld zu verlassen und wird nicht ungewollt in die Mitte getrieben.

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