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Wie heißt der Flachpinsel in Spanien?

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Von: Ronald Klee

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Bereit für Valencia: Azubi Felix Leefers und sein Meister Maxim Vogel.
Bereit für Valencia: Azubi Felix Leefers und sein Meister Maxim Vogel. © Klee

Verden – Ein bisschen Reisefieber hat er schon und beim Gedanken daran, was ihn erwarten könnte, wirkt Felix Leefers auch etwas nervös. Es sind nur noch ein paar Tage, dann hebt der Flieger von Felix Leefers in Richtung Spanien ab. Valencia ist sein Ziel. Aber ein Urlaub im sonnigen Mittelmeer-Klima erwartet den 19-Jährigen nicht. Gut drei Wochen Praktikum in einem Maler-Betrieb dort warten auf den Azubi aus Rotenburg, der in Verden sein Handwerk erlernt.

Felix’ Lehrherr Maxim Vogel unterstützt die Reisepläne seines Auszubildenden. Er war selbst als Azubi mal in Italien und findet es gut, wenn sein Mitarbeiter seinen Horizont erweitert. „Am Mittelmeer sind die klimatischen Bedingungen ganz anders“, erklärt der Malermeister beim Pressetermin. Farbüberzüge für Gebäude müssten deswegen ganz anders aufgebaut werden als bei uns. Felix werde sicher mit ganz neuen Kenntnissen zurückkehren und neue Techniken beherrschen. „Tapeziert wird dort nicht so viel wie bei uns“, hat der Azubi im zweiten Lehrjahr selbst schon ermittelt.

Handwerkskammer hilft bei der Organisation

Auf einem der überbetrieblichen Lehrgänge habe der Mobilitätsberater der Handwerkskammer Lüneburg-Stade Felix Leefers und die anderen Auszubildenden auf das Austauschprogramm Erasmus+ aufmerksam gemacht. Die EU fördert darin nicht nur Auslandssemester von Studenten, sondern finanziert und organisiert auch den Austausch von Auszubildenden im Handwerk. Damit soll ein europäischer Bildungsraum entstehen und in seiner Entwicklung vorangetrieben werden. Felix und sein Chef haben sich darüber schon ausgetauscht, dass die Ausbildung in Spanien ganz anders organisiert ist, als in der Bundesrepublik. Beide finden es gut, dass sie die Gelegenheit haben, von den Kollegen dort lernen zu können.

Mit der Unterstützung der EU und der Handwerkskammer brauchte Felix sich denn auch keine Gedanken über die Kosten seines Gastspiels in Valencia zu machen. Die Kammer habe beim Kontakt auf der spanischen Seite geholfen und alles vorbereitet. So weiß Felix Leefers jetzt schon, wo er in der Praktikumszeit unterkommen wird. „Ich werde mir mit einem Landmaschinenmechatroniker eine Wohnung teilen, der auch ein Praktikum macht“, erzählt er.

Fachbegriffe nicht zu finden

Wenn er sich am kommmenden Wochenende dann mit Sack und Pack eingerichtet hat, werde er die neue Woche zunächst in der Firma beginnen. „Geplant ist, dass ich am Anfang mit den Mitarbeitern zusammenarbeite. Später soll ich auch ein eigenes Projekt übernehmen“, fasst Felix den Plan zusammen. Etwas spannend ist für ihn noch, ob es mit der Kommunikation klappen wird. Im Internet hat er schon mal nach Fachbegriffen gesucht. „Wie die speziellen Pinsel, anderen Werkzeuge und Materialien auf Spanisch heißen, ist gar nicht so einfach zu finden“, hat er festgestellt. Da werde es wohl am Anfang noch mit Händen und Füßen gehen müssen. Im Alltag zurecht zu kommmen, traut sich der junge Mann allerdinggs schon mal zu. „In der Schule habe ich acht Jahre Spanisch gehabt“, erklärt er. Das beruhigt. Eine Voraussetzung für die Teilnahme an einem solchen Praktikum sind Sprachkenntnisse aber nicht.

Das Interesse seines Mitarbeiters für den Beruf kann Maxim Vogel schätzen. „Wir sind froh, einen solchen Azubi zu haben“, sagt er. Gebrauchen kann er den jungen Mitarbeiter schon in seinem Eitzer Betrieb. „Wir bilden für uns aus. Um die Fachkräfte für den Betrieb zu sichern.“ Von den etwa 20 Mitarbeitern seines Betriebs seien immer fünf bis sechs Auszubildende.

Keine Bewerber für Ausbildungsplätze

In dieser komfortablen Lage sind nicht alle seine Kollegen. Kollegen klagen darüber, dass es für die Ausbildungsplätze in ihren Betrieben keine Bewerbungen gibt. In den 33 Betrieben in der Innung der Maler und Lackierer im Landkreis Verden werden derzeit 35 Azubis ausgebildet, teilte Hannah Hartgen von der Kreishandwerkerschaft mit.

Auch wenn Felix mittlerweile schon ein geschätzter Mitarbeiter ist, unterstützt Vogel deshalb auch dessen Interesse am Auslandspraktikum. „Es geht ja auch darum, dass die Ausbildung für die jungen Leute attraktiv ist“, sagt Vogel. Für den Eitzer Firmeninhaber ist allerdings jetzt schon absehbar, dass Felix kein langjähriger Mitarbeiter in der Belegeschaft werden wird. Sein Vater, so berichtet Felix Leefers, hat selbst einen Malerfachbetrieb in Rotenburg/Waffensen. Und natürlich ist daran gedacht, dass Felix dort einmal einsteigt und vielleicht den Betrieb eines Tages als Meister weiterführen wird. Gerade auch für eine solche Aussicht, so findet Maxim Vogel, sei es wichtig, erst einmal viel Berufserfahrung zu sammeln.

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