Schreiambulanz hilft Familien, zueinander zu finden

Wenn Trotz und Gebrüll nicht enden

Wenn das Kind nicht mit dem Schreien aufhört, liegen bei den Eltern die Nerven blank.

Verden - (kp) · Nicht essen wollen, nicht schlafen können, trotzen, permanent brüllen wie am Spieß – als frühe Regulationsstörungen bezeichnen Mediziner es, wenn Kinder bis etwa zum Ende des dritten Lebensjahres derlei Verhaltenweisen an den Tag legen. „Schreikinder“ nennt der Volksmund den Nachwuchs, der Eltern an den Rand der Verzweiflung bringt. Doch ihnen kann geholfen werden: in einer Schreiambulanz, wie sie auch Kinder- und Jugendpsychiater Hartmut Jung anbietet.

Gemeinsam mit Psychologin Ute Schwichtenberg nimmt sich Jung in seiner Praxis in der Bahnhofstraße 23 in Verden den leidgeprüften Müttern, Vätern und Kindern an. Die Fachleute helfen auszuloten, wer denn überhaupt ein Fall für die Schreiambulanz ist. Denn beispielsweise das „Trotzen gehört in milderer Form zur Entwicklung dazu“, erklärt Hartmut Jung. Die Grenze zwischen „noch normal“ und „nicht mehr normal“ sei jedoch fließend. Und sie ist „immer in Relation zur Belastbarkeit der Eltern“ zu sehen.

Ziel der Ambulanz sei es, eine entspannte familiäre Situation herzustellen. Denn sie sei die Grundlage für optimale Entwicklungschancen des Kindes. Das Angebot zu nutzen, sei keine Schande, nimmt der Kinder- und Jugendpsychiater Eltern die Hemmungen, die Ambulanz aufzusuchen. „Es kommt häufiger vor, als man denkt“, weiß er aus Erfahrung. Und es sei wichtig, die Regulationsstörungen anzugehen. Sonst könnten daraus in späteren Jahren ernste Probleme erwachsen.

Nach einem Erstgespräch bieten Jung und Schlichtenberg die Möglichkeit der Videodiagnostik. Eine ganz alltägliche Situation, wie beim Spielen, Füttern oder Wickeln, werde aufgezeichnet und gemeinsam betrachtet. Dabei, so betont Hartmut Jung, gehe es darum, „das Gute zu finden, um das Selbstvertrauen der Eltern, der Mutter zu stärken.“

Kinder- und Jugendpsychiater Hartmut Jung.

Die Arbeit der Schreiambulanz, das ist zum größten Teil Beratung „über das ganz normale Kindsein“, berichtet der Psychiater. Oft, so Jung, sei die Ursache für das auffällige Verhalten des Kindes bei den Eltern zu finden. Eigene Kindheitserfahrungen führten zu Fehlinterpretationen oder einer verzerrten Wahrnehmung des Nachwuchses. In 90 Prozent der Fälle sei dies im Zuge der Beratung zu lösen, sagt Hartmut Jung.

Gehen die Bindungsschwierigkeiten darüber hinaus, besteht die Möglichkeit zur Therapie. Manchmal, so Jung, fehlten in der Beziehung zum Kind „die kleinen, feinen Signale, die gerade die Mutter ausstrahlt“. Hier setzt der Therapeut mit seinen Gesprächen an. „Aber nicht im Sinne von: Wir machen das jetzt mal ein Jahr lang“, beruhigt Hartmut Jung.

Der Kontakt zur Schreiambulanz kann durch die Überweisung vom Kinderarzt entstehen. Ratsuchende können sich aber auch direkt mit Hartmut Jung, Ute Schwichtenberger und ihrem Praxisteam in Verbindung setzen. Die Leistungen werden so oder so ganz regulär über die Krankenkasse abgerechnet.

Zu erreichen ist die Praxis telefonisch unter 04231/ 9852315, Fax 04231/ 9852344, E-Mail KiJuPraxVerden@web.de. Eine telefonische Klärung, ob die Schreiambulanz die richtige Anlaufstelle ist, bieten Ute Schwichtenberger und Hartmut Jung jeweils mittwochs, von 13 bis 14 Uhr, an.

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