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Landwirtschaft lernen an den BBS Verden: „Welche Schule hat schon ein Gewächshaus?“

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Ein Mann steht zwischen üppigem Grün in einem Gewächshaus.
„Welche Schule hat schon ein Gewächshaus?“ Die Berufsbildenden Schulen Verden haben eins. Und wie dieser Blick ins Innere zeigt, grünt es da schon sehr. © Adolph, Florian

Verden – Nutzgärten anzulegen, wie sie in früheren Zeiten zu allen Haushalten gehörten, lernen Schüler der Berufsbildenden Schulen Verden (BBS) in einem Projekt unter dem Slogan: „Selbstversorgung aus dem Garten“. An dem Projekt nehmen die angehenden Landwirte, Schüler der Berufseinstiegsklasse und der Sprachintegrationsklasse teil, erklärt der Schulleiter Stefan Frese. Sie alle sind im Alter von etwa 16 bis 20 Jahren und lernen im Rahmen des Unterrichts das Aussäen, Pflanzen, die Pflege und das Ernten hiesiger Obst- und Gemüsesorten sowie von Früchten und Blumen. Das machen sie jetzt seit zwei Jahren. Auch Schüler vom Gymnasium und eine Lehrergruppe beteiligen sich.

Stolz stellten sie am Donnerstag, unter anderem für die eingeladene Presse, ihre Gärten vor. Die Sprachintegrationsschüler erklärten in kurzen Vorträgen, auf Deutsch, was sie angebaut haben. So stellt zum Beispiel eine Schülerin aus dem arabischen Raum ihre Erbsen vor. Die Klasse besteht komplett aus Geflüchteten und Zugezogenen, von vier Kontinenten, die noch Deutsch lernen müssen. Dabei soll der gemeinsame Gartenbau helfen.

„Die beste Möglichkeit, Deutsch zu lernen“, sagt Klassenlehrerin Andrea Behling „...ist Freundschaft zu schließen mit Menschen, mit denen man nur in der Sprache kommunizieren kann.“

Was sie meint, ist, dass beim Gartenbau die Zusammenarbeit der Schüler von größter Wichtigkeit ist, und da sie alle unterschiedliche Muttersprachen sprechen, macht es am meisten Sinn für sie, sich auf Deutsch zu verständigen. Auch lernen sie beim Anbau Vokabeln und teilweise sind die Beschriftungen der Pflanzen zweisprachig angebracht. Einmal auf Deutsch und einmal in der Heimatsprache.

Den Schülern macht es sichtlich Spaß. „Nur bei Regen müssen sie auch mal motiviert werden“, sagt Andrea Behling. So bauen sie Radieschen, Zwiebeln, Rote Beete, Möhren, Sellerie, Rettich, Tomaten, Sonnenblumen und vieles mehr an. Sogar vergessene Sorten, also solche, die heutzutage nur noch selten genutzt werden, haben sie gepflanzt. Die feinen Unterschiede zwischen den verschiedenen Pflanzensorten lernen die Schüler dabei ganz von alleine.

Auch den Zaun, um den Garten herum, haben sie selbst hochgezogen: „Das Schwierigste war, ihn gerade zu bekommen“, sagt ein Schüler. Der Nutzen des Zauns ist aber der Lohn für die Arbeit. „Jetzt müssen wir nicht mehr so viel teilen mit den Rehen und Kaninchen.“, erklärt Lehrerin Andrea Behling.

Die ersten selbstangebauten Erdbeeren schmecken auch schon, wird den Gästen erklärt. Vor ihren Augen graben die Schüler der Sprachintegrationsklasse frische Kartoffeln aus und sammeln sie in Körben.

Die angehenden Landwirte der BBS, erzählen indes, wie sie ihren Garten auf dem Schulgelände anlegten. Sie befassten sich erst einmal mit Bodenkunde und Aussaat. Sie berechneten die Aussaatmenge für ihr erstes Projekt, den Anbau von Roggen, genauestens. Der ist allerdings trotzdem nichts geworden. Einer zu späten Aussaat ist’s geschuldet.

Das Projekt Kartoffelanbau ist da besser gelaufen. Sie haben den Abstand zwischen den Pflanzen gemessen, bevor sie sie anlegten. Mit Pferdemist haben sie gedüngt und die Pflanzen sind dann gut gewachsen.

37 Kilo Honig

Auch Bienenkörbe wurden im Garten aufgestellt. Schon 37 Kilo Honig haben die emsigen Tiere produziert. „Wir könnten ihn eigentlich auch in Gläser abfüllen und verkaufen“, wünscht sich Schulleiter Stefan Frese.

Die nächste Station ist ein Gewächshaus auf dem Schulgelände. Darin werden unter anderem Gurken und Tomaten angebaut. Eine Gurke haben die Gäste und Schüler schon probieren können. Sie waren alle beeindruckt. Auch die ersten Tomaten haben dort schon ihre rote Farbe angenommen. „Welche Schule hat schon ein Gewächshaus?“, sagt Lehrer Rick Walther begeistert. Vor dem Gewächshaus stehen außerdem Blumenkästen gemacht aus Resthölzern, die von einem anderen Projekt, als sich die BBS ein mobiles Sägewerk gemietet hatte, stammen. Sowieso sind die Lehrer Stolz, dass beim Gartenbau viele wiederverwertete Materialien verwendet wurden.

Was sie angepflanzt haben können die Schüler übrigens mit nach Hause nehmen oder in der Hauswirtschaft der BBS selbst verarbeiten.  fa

Schüler stehen in der Gartenanlage.
Selbstversorgung und die deutsche Sprache lernen die Schüler aus der Sprachintegrationsklasse in ihrem Nutzgarten auf dem Schulgelände. Ihr Obst und Gemüse können sie dann nach Hause nehmen. © Adolph
Tomaten hängen an einer Pflanze.
Eine leuchtend rote Farbe haben die ersten Tomaten im Gewächshaus schon angenommen. © Adolph, Florian
Junge Landwirte stehen mit Lehrern am Kartoffelfeld.
Junge Landwirte und ihre Lehrkräfte präsentieren stolz ihre Kartoffeln und erklären, wie sie sich auf den Anbau vorbereitet haben. © Adolph, Florian
Ein Schüler arbeitet an einer Kartoffelpflanze.
Kartoffelernte - ein Schüler gräbt die Knolle aus. © Adolph, Florian

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