Reinhold Beckmann spricht im Interview über seine Jugend, Werder und Musik

„Was du als kleiner Bengel mitgekriegt hast, bleibt“

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Reinhold Beckmann & Band sind am 12. April im Achimer Kasch.

Achim - Von Lisa Duncan. Reinhold Beckmann, Fernsehzuschauern bekannt als Sportmoderator und Talkmaster, singt jetzt auch noch. Und zwar nicht alleine: Unter dem schlichten Namen Beckmann & Band hat er vier Musiker um sich geschart: Andreas Dopp (Gitarre), Thomas Biller (Bass), Helge Zumdieck (Schlagzeug) und Jan-Peter Klöpfel (Klavier, Trompete und Akkordeon). Mit dem Programm „Verrenkter Geist, verrenkte Glieder“ gastieren sie am 12. April, um 20 Uhr im Achimer Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch). Reinhold Beckmann sprach im Interview über seine Jugend, Werder und die ersten Gehversuche als Musiker.

Sie sind in Twistringen geboren, in Syke zur Schule gegangen. Wie groß ist Ihr Bezug zu Achim?

R.B.:„Ich hab als Jugendlicher im Fußballverein gespielt, da war die Kreisgrenze Thedinghausen. Achim gehörte schon zur Bremer Liga, also war ich nicht so oft dort. Aber ein bisschen kenne ich Achim von früher. Ein alter Schulfreund von mir wohnte in Thedinghausen, den habe ich manchmal besucht. “

Lokalen Bezug zeigen sie in dem Song „Bremen“. Wie viel davon ist persönlich?

R.B.:„Bremen war für uns als Jugendliche in den 70er- Jahren natürlich ein Bezugspunkt, die Sehnsucht nach der Großstadt. Ich ging oft zu Konzerten in die Lila Eule. Besonders gerne erinnere ich mich an ein dreitägiges Rockfestival in der Stadthalle. Das Schöne daran: Die Musik war stilistisch vielfältig, da spielten anders als heute noch Rockbands wie Free neben Hannes Wader.“

Unterschiedliche Musikstile klingen auch in ihren Songs durch. Wer hat komponiert?

R.B.:„Ich fange zumeist an mit der Komposition und gehe dann zu meinem Gitarristen Andreas Dopp, der das Ganze dann noch verfeinert. Manchmal läuft das aber auch umgekehrt.“

Wie kamen die Songtexte zustande?

R.B.:„Das ist ganz anders als journalistische Texte zu schreiben, wo es auf klare Strukturen ankommt. Am Anfang steht immer eine Idee. Bei ,Bremen‘ zum Beispiel gab es erst nur die Textzeile ‚Du hast meinen Käfer vollgekotzt‘ und dann ist alles andere drumherum entstanden.“

Beruht das auf einer wahren Begebenheit?

R.B. (lacht):„Das darf der Künstler doch nicht verraten, das würde die Spannung kaputtmachen.“

Was macht für Sie einen guten Songtext aus?

R.B.:„Er braucht eine Pointe. Der Song ‚Celentano‘ kommt erstmal fast rüber wie ein Schlager aus den 60ern und endet mit einer überraschenden Wendung. Ich will nicht zu viel verraten, aber irgendwann liegt Berlusconi im Kofferraum. Die Pointe zieht jeden Abend und manchen Zuhörern bleibt das Lachen im Halse stecken.“

Welches sind musikalische Einflüsse? Rock? Schlager?

R.B.:„Nein, ‚Celentano‘ ist eher ein ironisches Spiel mit dem Schlager. Ich war früher vernarrt in E-Gitarren. Auf dem Gymnasium in Syke hatte ich einen guten Musiklehrer, der hat uns für klassische Konzerte genauso begeistert wie für Rockmusik. Für Jazz habe ich mich erst später interessiert.“

Haben Sie für die Live-Auftritte auch Gesangsunterricht genommen?

R.B.:„Natürlich trainiert man seine Sprechstimme fürs Fernsehen, und auch Gesangstechnik gehört dazu, wenn man zweieinhalb Stunden auf der Bühne steht. Vor allem, wenn man das ganze Wochenende auftritt und auch Sonntag noch eine Stimme haben möchte. Dafür braucht man ein bisschen Technik.“

Wie ernst nehmen Sie die Musik-Schiene?

R.B.:„Musik gemacht hab ich eigentlich schon immer, öffentlich zuerst bei ,Inas Nacht‘. Und gelegentlich als Gast bei Olli Dittrich und dessen Band Texas Lightning oder mit Barbara Schönberger. Nach einer Sendung von Ina Müller hatte mein jetziger Drummer Helge Zumdieck die Idee, dass wir zusammen Musik machen könnten. Er gab mir sozusagen einen liebevollen Tritt in den Hintern. Das war vor etwa drei Jahren. Heute weiß ich, es ist ein echter Gewinn fürs Leben, auf der Bühne zu stehen. Dieses Unmittelbare, dass man eine direkte Rückmeldung bekommt, das kann das Fernsehen nicht.“

Spielen Sie für ein bestimmtes Publikum?

R.B.:„Da hab ich mir keine Gedanken drüber gemacht. Viele Zuschauer kommen ja erstmal, um den Fernsehfritzen als Musiker und Sänger zu sehen. Wir haben jetzt 40 bis 45 Konzerte gespielt. Inzwischen weiß ich, man muss das Publikum an jedem Abend neu gewinnen. Viele fragen nach den Konzerten nach einer CD, deshalb sind wir gerade im Studio.“

Haben Sie noch weitere musikalische Pläne?

R.B.:„Mal sehen, was daraus wird. Es macht mir einfach großen Spaß, Musik zu machen und mit der Band unterwegs zu sein. Und man bekommt viele interessante Orte zu sehen, an denen mit oft wenig Geld, aber viel Liebe großartige Kulturarbeit geleistet wird. Wir haben schon in einer Scheune, einem Putenstall und in einer Brauerei gespielt.“

Zum Schluss noch eine Fußballfrage: Wie sehen Sie die derzeitige Situation bei Werder? Sind Sie Fan?

R.B.:„Ich bin seit 20 Jahren Mitglied bei Werder. Da ist schon ein Leidensdruck da. Als Junge hat mich mein Vater mitgenommen, 1965, zum Spiel Werder gegen Dortmund, das Werder 3:0 gewann und damit Deutscher Meister wurde. Und was du als kleiner Bengel mitgekriegt hast, bleibt. Auf jeden Fall muss sich etwas verändern. Die Zeiten, wo Werder noch die natürliche Nummer Zwei hinter Bayern war, sind leider vorbei.“

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