Ingrid Müller berichtet über Beschaffungskartell / Aktiven-Altersgrenze 62 gilt als zu niedrig

„Warum schweigen die Feuerwehrverbände?“

Oyten - Von den mittlerweile bekannten, erschreckenden Ausmaßen des Feuerwehr-Beschaffungkartells berichtete Ingrid Müller aus Kirchlinteln auf der Städte- und Gemeindebund(NSGB)-Kreisverbandsversammlung am Dienstag im Oytener Rathaus. Sie vertritt den Landkreis Verden im Gemeindebund-Landesausschuss für Personal und Organisation, wo das Kartell-Thema im Vorjahr eine große Rolle spielte.

Vier große Feuerwehrgerätehersteller beherrschen rund 90 Prozent des Marktes, erläuterte Ingrid Müller. Gegen drei von ihnen habe das Bundeskartellamt wegen wettbewerbswidriger Absprachen in den Jahren 2001 bis 2009 Bußgelder von insgesamt rund 20,5 Millionen Euro verhängt. Das vierte Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

So gut wie jede Ausschreibung für Feuerwehrfahrzeuge und dazugehörige Maschinen sei in diesem Kartell erörtert worden. Wie in einem schlechten Agentenfilm hätten konspirative Treffen in Flughäfen oder Autobahnraststätten stattgefunden. Auftragseingänge wurden dabei nach Fahrzeugtypen aufgeteilt und genau abgesprochen, wer wo zum Zuge kommen sollte. Dass bestimmte Feuerwehrkunden einen ganz bestimmten Hersteller bevorzugten, sei noch extra ausgenutzt worden.

Bedauerlich sei das weitestgehende Schweigen der großen Feuerwehrverbände in der Angelegenheit, meinte Ingrid Müller. In Zukunft gelte es sicher, bei großen Feuerwehr-Anschaffungen hellhöriger zu werden – etwa, wenn behauptet werde, Ersatzbeschaffungen seien nicht mehr möglich, und es müsse ein komplett neues Fahrzeug her.

Ein ganz anderes, ebenfalls im NSGB diskutiertes Feuerwehrthema brachte Kreisverbands-Geschäftsführer Gerd Schröder aus Thedinghausen in Oyten zur Sprache: die bisher geltende Altersgrenze von 62 Jahren für aktive Kameraden.

Die sei klar zu niedrig angesetzt, da viele heutzutage in diesem Alter noch äußerst fit seien. Zudem wären nicht mehr im Arbeitsleben Stehende bei Tagesalarmierungen viel besser und vor allem schneller erreichbar, ergänzte Kreisverbandsvorsitzender Horst Hofmann aus Ottersberg.

Dies sei umso wichtiger, als laut jüngsten Untersuchungen Feuerwehren bei Tageseinsätzen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht in der vorgesehenen Frist, sondern erst nach 25 oder mehr Minuten am Ziel einträfen. „Wir sollten uns also alle für die Heraufsetzung der Altersgrenze für Feuerwehr-Aktive einsetzen“, fasste Gerd Schröder ohne Widerspruch in der Runde zusammen. · la

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