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Vorschusslorbeeren für den neuen Direktor

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Von: Ronald Klee

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Zwei Männer reichen sich die lächelnd die Hände. Einer hält einen Aktendeckel in der andern Hand.
Die Urkunde, die Daniel Hauschildt (r.) offiziel zum Direktor des Amtsgerichts macht, überreichte Landgerichtsvize Stefan Koch an den Kollegen. © Klee

Verden – Dass die Justiz in Verden im Umbruch ist, ist nicht zu übersehen. Man sieht es auf der Baustelle im ehemaligen Gaswerk und an den Fassaden der Gebäude, in denen die Behörden untergebracht sind. Auch in den Amtsstuben und Gerichtssälen ist vieles in Bewegung. Dabei ist die Vakanz in allen drei Behördenleitungen nur ein äußeres Zeichen. Dass auch dieser Punkt vorläufig ist, zeigte sich gestern in der Verdener Stadthalle. Während Landgericht und Staatsanwaltschaft noch ein wenig warten müssen, erhielt das Amtsgericht mit Daniel Hauschildt einen neuen Direktor.

„Das ist eine tolle Personalie“, zeigte sich Stefan Koch bei dem Festakt schon mal mit der Wahl des neuen Mannes an der Spitze des Amtsgerichts völlig einverstanden. Aufgabe des Vizepräsidenten des Landgerichts war die Übergabe der Urkunde mit der Unterschrift der niedersächsischen Justizministerin Barbara Havliza. In Vertretung des Ministerin vollzog er die Ernennung zum Direktor.

Das fiel Koch eher leicht. weil er den Werdegang des Juristen Hauschildt in den niedersächsischen Justizbehörden gut kannte. Unter anderem in Verden hatte der frischgebackene Amtsgerichtsdirektor früh bleibende Eindrücke hinterlassen. Hauschildt, so informierte die Pressereferentin des Landgerichts, Sara Teufel, wuchs in Hannover und Celle auf. Nach dem Jurastudium und dem Referendariat in Würzburg trat er 2008 in die niedersächsische Justiz ein. Dort absolvierte er zunächst Stationen bei der Staatsanwaltschaft Verden und dem Amtsgericht Syke. Seit 2011 war er, unterbrochen von einer knapp dreijährigen Abordnung an die Niedersächsische Staatskanzlei in Hannover, am Landgericht Verden in verschiedenen Straf- und Zivilkammern tätig. Zuletzt saß er unter anderem einer Kammer für Handelssachen vor, die für Streitigkeiten zwischen Kaufleuten zuständig ist. Er habe sich als Richterpersönlichkeit profiliert, und sei thematisch breit aufgestellt, gab Koch Einblicke in die Einträge der Personalakte. Für seine neue Verantwortung qualifiziert hätten Hauschildt aber auch über das Juristische hinausgehende Kompetenzen, seine konstruktive Vorgehensweise und die Bereitschaft sich in schwierigeren Zusammenhängen zu kümmern.

Fachliche Qualitäten außer Frage

Diese Vorschusslorbeeren sollten noch üppiger werden, als Markus Röske seinen Teil hinzufügte. Als Vertreter der Staatsanwaltschaft sei für ihn die Wahl keine Überraschung gewesen, berichtete der Oberstaatsanwalt. „Seine fachlichen Qualitäten stehen außer Frage“, stellte er fest. Und überhaupt sei die Bilanz der Zusammenarbeit beider Behörden reibungslos. Dabei sei gerade zwischen Staatswaltschaft und Amtsgericht das Verhältnis besonders intensiv und das Vertrauen von großer Bedeutung. Ihrer jeweiligen Behördenleitung, so Röske, falle die Aufgabe zu, das Gefühl der Gerechtigkeit vor Ort in der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Als neue Kollegin vermittelte Beate Pönisch, die Direktorin des Amtsgerichts Diepholz, Hauschildt einen kurzen Einblick in sein künftiges Aufgabenfeld. Als Sprecherin der Amtsgerichtsdirektorinnen und -direktoren räumte sie zunächst mit möglichen aber falschen Vorstellungen auf, die Hausschildt von seinen künftigen Aufgaben haben könnte. So könne er nicht damit rechnen, dass seine Arbeitszeit zu zwei Dritteln mit richterlichen Aufgaben und er das übrige Drittel mit der Leitungsfunktion verbringen werde. „Wenn es gut läuft, kommen zu diesen etwa 30 Prozent noch 50 Prozent Hausverwaltung, 20 Prozent Berichte und je zehn Prozent Dienstbesprechungen und Krisenintervention hinzu.“

Dienstleistung für Rechtssuchende

Hausschildt selbst konnte das allerdings nicht davon abhalten, sich auf die neue Aufgabe zu freuen. Er wünschte sich dafür nur nicht mehr so viel Corona. Dass im Amtsgericht die Rechtspflege im Vordergrund stehe und eine Dienstleistung für Rechtssuchende die zentrale Aufgabe sei, war dem neuen Chef sehr bewusst. Ebenso die Aufgabe, die die Behörde damit für den Staat und die Gesellschaft erfüllt: „Dabei geh es um die Sicherung des innenren Friedens.“

Das Amtsgericht Verden ist in seinem Bezirk im Südteil des Landkreises Verden für alle kleinen und mittleren Strafsachen sowie zivilrechtliche Streitigkeiten bis zu einem Wert von 5 000 Euro zuständig. Daneben gehören zu seinen Aufgaben familienrechtliche Streitigkeiten, Betreuungs-, Nachlass-, Insolvenz- und Registersachen. Zudem entscheidet der Verdener Ermittlungsrichter über Haftbefehls- und Durchsuchungsanträge der hiesigen Staatsanwaltschaft. „In den kommenden Jahren werden wir intern, wie bundesweit alle Gerichte, die Umstellung auf den elektronischen Rechtsverkehr vorantreiben“, wagte Hausschildt einen Ausblick. „In Verden müssen wir parallel dazu die bauliche Sanierung unseres Justizzentrums bewältigen.“

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