Bürgerinitiative „No Fracking“ schlägt Alarm und beklagt dürftige Informationen

Wie viel Quecksilber ist im Lagerstättenwasser?

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Gerhard Landzettel, Thomas Vogel, Andreas Noltemeyer und Rainer Böttcher präsentierten gestern in Völkersen ein Stück Lagerstättenwasserleitung, indem „erstaunliche“ Mengen von Quecksilber gefunden wurden. ·

Völkersen - Von Jens Wenck„Das Vertrauen in das, was die RWE Dea uns sagt, ist nicht mehr sehr hoch“, meint Gerd Landzettel von der Völkerser Bürgerinitiative (BI) „No Fracking“. Sicher, da ist auch ganz viel „gefühlsmäßig“ begründet, geben andere Vertreter der BI gestern bei einem Pressegespräch im Gasthaus „Alter Krug“ zu. Man fühlt sich vom Energiekonzern, der rund um Völkersen Erdgas fördert, nur scheibchenweise und unzureichend informiert.

Aktueller Anlass ist ein Stück Lagerstättenwasserleitung, das eine „anonyme Quelle“ der BI zugespielt habe. Das Rohstück wurde im Zuge des Rückbaus des RWE-Leitungsnetzes aus einem „nassen“ Acker gezogen, wo es in Grundwasser gesättigten Boden lag. Auf eigene Kosten hat die BI das Rohr auf Spuren von Quecksilber untersuchen lassen.

Heraus kamen „erstaunliche Werte“. Bei einer ersten Untersuchung stellte das Labor Dr. Stegemann in Georgsmarienhütte „Quecksilber im Oxidationsaufschluss“ mit 31, 8 Milligramm pro Kilogramm Rohr fest. „Wir waren erstaunt, dass da überhaupt Quecksilber drin war. Bislang hat uns die RWE Dea immer gesagt, das Quecksilber wird gleich an der Bohrstelle vom Lagerstättenwasser abgeschieden“, so Thomas Vogel.

Wenn sich nun schon Quecksilber in der Leitung aus RE 100 abgelagert hat, ist dann vielleicht auch etwas nach außen gedrungen?, hat sich die BI gefragt – und noch eine zweite Untersuchung allein der Kunststoffrohr-Außenwand in Auftrag gegeben. Ergebnis hier: 77, 6 Milligramm Quecksilber pro Kilogramm.

Ein Wert, der die BI in Alarmbereitschaft versetzt. Schließlich sei laut Klärschlammverordnung das Ausbringen von Klärschlamm auf landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzte Flächen verboten, wenn im Boden ein Wert von mehr als 1 Milligramm pro Kilo überschritten wird oder der Klärschlamm mehr als 8 Milligramm pro Kilo enthält.

Quecksilber ist nicht nur hochgiftig, es hat (im Gegensatz zum sich verflüchtigenden und aus den Lagerstättenwasserleitungen ausgetretenem Benzol) die Eigenschaft, sich anzureichern.

Die RWE-Dea hat mitgeteilt, dass man in den Rohren „Quecksilber in geringen Konzentrationen innerhalb der Wandungen der Leitungen fesgestellt“ habe – und dass man bei Erkundungen im Frühjahr 2012 im Boden und im Grundwasser rund um die Leitungen bei keiner Probe Quecksilber gefunden habe.

Eine Auskunft, die der Bürgerinitiative aber bei weitem nicht ausreicht. Hier will man wissen, ob man davon ausgehen muss, dass der Energiekonzern seit 20 Jahren (die Erdgasförderung läuft seit 1992) Quecksilber mit dem Lagerstättenwasser im Boden verpresst hat und ob auch Quecksilber mit abgefackelt wurde – und wie hoch der konkrete Quecksilbergehalt im Lagerstättenwasser ist.

Informiert hat man über die Ergebnisse der Rohruntersuchung nicht nur Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt, Landrat Peter Bohlmann und den Völkerser Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt. Offiziell eingeschaltet hat man auch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Man forderte die Behörde auf, nach einem „Anfangsverdacht“ in Sachen Quecksilberaustritt selbst aktiv zu werden. Und erhielt zur Antwort, die Bürgerinitiative möge ein Untersuchungsprotokoll abliefern. „Wieso müssen wir das alles machen? Das ist doch deren Aufgabe“, findet nicht nur Gerd Landzettel.

Ganz konkret fordert man nun Untersuchungen auf Quecksilber und andere toxische Stoffen und Radioaktivität im Boden und Grundwasser im Umfeld der Lagerstättenwasserleitungen, vor allem da, wo die Leitungen im grundwassergesättigten Boden lagen oder liegen. Ganz konkret will man auch wissen, was im Lagerstättenwasser nach der Erdgasförderung an der Förderstation und dann unmittelbar vor der Verpressung enthalten ist.

Dabei hat die Bürgerinitiative natürlich auch das laufende Verfahren im Hinterkopf, in dem die RWE Dea eine Probeverpressung von Lagerstättenwasser auf dem Düvelshagen in Völkersen beantragt hat – was die BI auf jeden Fall verhindern will.

„Vor 15 Monaten haben wir hier noch gedacht, Erdgas ist ne klasse Sache“, sagt Andreas Noltemeyer. „Jetzt sitzen wir hier und diskutieren, wie gefährlich das ist. Und dann hat man das Gefühl, man wurde 20 Jahre nur veräppelt, es gibt keine konkreten Informationen oder erst dann, wenn man es nicht mehr abstreiten kann.“

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