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Verdener Innenstadt: Ärger um die neue Fahrradstraße

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Von: Markus Wienken

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Blick in die Fahrradstraße Ostertorstraße in Verden.
Sorgt für Diskussionen: Außer Radfahrern dürfen nur noch Busse und Anlieger mit dem Auto durch die Ostertorstraße fahren. © Markus Wienken

Jetzt droht Stress: Nur Anlieger dürfen noch mit dem Auto durch die Obere Straße in Verden....geht gar nicht oder kein Problem??

Verden – Noch wird fleißig gepflastert, doch wie es künftig in der Ostertorstraße und Oberen Straße aussehen soll, wer durch und wer nicht durch darf, erhitzt schon jetzt die Gemüter und spaltet die Kommunalpolitik. Denn: Nur Anlieger, Gäste, die zu Hotels oder Geschäften wollen, dürfen künftig noch mit dem Auto durch die Fahrradstraße. Busse sowieso. Das gilt auch für einen Teil der Oberen Straße. Die FDP, allen voran Henning Wittboldt-Müller, spricht von einem „Handstreich“, Frank Medenwald (CDU) gar von einem „Schild-Bürger-Streich“. SPD-Chef Carsten Hausschild fordert hingegen Geduld, notfalls Kontrollen. Johanna König (Grüne) bleibt entspannt: „Es ist alles geregelt.“

Teilstück der Fahrradstraße in der Ostertorstraße in Verden bereits frei gegeben

Mündlich hatte die Verwaltung im Marktausschuss mitteilen lassen, wie der Verkehr künftig über die Obere Straße (ab Georgstraße), durch Herrlichkeit, die Stifthofstraße und vor allem die Ostertorstraße rollen und laufen soll: eine Fahrradstraße, wo eben mitten auf der Straße geradelt werden darf, die Autofahrer folgen müssen und nicht überholen dürfen. Wie sich der Verkehr abspielen wird, kann bereits in der Ostertorstraße, auf dem neuen Pflaster von Nikolaiwall bis zum Holzmarkt, getestet werden. Die Schilder stehen, die Regelung gilt.

Blick auf die Baustelle  Ecke Herrlichkeit/Ostertorstraße in Verden
Kommen zügig voran: An der Ecke Herrlichkeit/Ostertorstraße verlegen Steinsetzer das Pflaster für den dritten Bauabschnitt der neuen Fahrradstraße. © Wienken, Markus

FDP Verden: „Bürgermeister koppelt im Handstreich die halbe Altstadt ab“

Fahrradstraße, kein Problem, doch die Regelung für die Autofahrer stößt der FDP mächtig auf. Gemeinsam mit Fraktionskollegen Wjatscheslaw Slaschjow hat FDP-Chef Wittboldt-Müller deshalb einen entsprechenden Antrag auf den Weg gebracht. „Die Fahrradstraßen-Regelung sorgt zwar für mehr Sicherheit und findet unsere Zustimmung“, betont Wittboldt-Müller. Er sagt aber auch: „Laut Straßenverkehrsordnung haben wir heute schon eine Fahrradstraße, denn Radler dürfen innerorts nur mit 1,5 Meter Abstand von Kraftfahrzeugen überholt werden. Das ist in engen Altstadtstraßen gar nicht möglich.“ Und dann zieht Wittboldt-Müller ordentlich vom Leder: „Überall fordert der Bürgermeister Verkehrskonzepte, doch hier koppelt er im Handstreich mal eben die halbe Altstadt vom Autoverkehr ab. Die Ausweisung dieses großen Innenstadtareals für Autos als reine Anliegerstraßen werden wir nicht hinnehmen.“ Was den Ratsherrn besonders ärgert: „Es gibt dazu nicht einmal einen Ratsbeschluss.“ Seine und die Forderungen der FDP: „Für den Erhalt des Einzelhandels ist es aus unserer Sicht unerlässlich, das Auswärtige und Senioren das Viertel mit dem Auto erreichen. Wir beantragen deshalb, die Einschränkung auf den Anliegerverkehr aufzugeben.“ Auch eine Nachbesserung der Regelung lehnt der Ratsherr ab: „Teure Absperrungen mit versenkbaren Pollern gehen gar nicht. Das gibt nur Ärger.“

CDU Verden: „Völliger Blödsinn“

Deutliche Worte findet Frank Medenwald (CDU) für die künftige Regelung. „Völliger Blödsinn“, so sein vernichtendes Urteil. Egal ob Anlieger oder nicht, die Autofahrer werden weiterhin fleißig durch die Straße fahren. „Das kann das Ordnungsamt gar nicht kontrollieren und die Polizei auch nicht“, so Medenwald. Er verweist auf ähnliche Regelungen in der Innenstadt, darunter die Sedanstraße. „Wer als Autofahrer da durch will, fährt da durch. Wird er unzulässigerweise erwischt, denkt sich der Betroffene einen Grund aus“, weiß Medenwald. Eine Lösung mit Pollern, je nach Bedarf und Zulässigkeit hoch- und runterzufahren, scheidet für Medenwald aus. Sein Vorschlag: „Eine Fahrradstraße und alle Autos und Busse dürfen mit Höchstgeschwindigkeit 20 Stundenkilometer durch.“ Alles andere sei nicht zu akzeptieren. „Und wir werden mit aller Macht dagegen vorgehen“, kündigt Medenwald an.

Blick auf die Einmündung Ecke Georgstraße/Obere Straße in Verden mit Bauzaun.
Ecke Georgstraße/Obere Straße: Was während der Bauzeit gilt, soll sich nicht ändern. Nur Anlieger dürfen mit dem Auto durch die Obere Straße. © Wienken, Markus

SPD Verden: „Wir wollen den Radverkehr fördern und weniger Autos in den engen Straßen“

Die SPD-Fraktion steht klar hinter der Neuregelung. „Wir wollen den Radverkehr fördern und weniger Autos in den engen Straßen“, formuliert Carsten Hauschild. Der SPD-Fraktionschef sieht in der Umwidmung deutlich mehr Sicherheit und eine höhere Attraktivität für die Innenstadt. „Bislang war die Ostertorstraße, obwohl Fußgängerzone, eine Rennstrecke“, so Hauschilds Erfahrung. Die Regelung, nur Anlieger in das Viertel zu lassen, findet seine Zustimmung. „Wir werden daran arbeiten, dafür Akzeptanz zu schaffen. Allein nur die Zweifel an der Durchsetzbarkeit sollten uns nicht hindern, diese notwendige Maßnahmen durchzusetzen“, so der Fraktionschef. „Ich schließe aber nicht aus, dass die Polizei durchaus verschärft kontrollieren muss.“

Bündnis 90/Die Grünen Verden: „Kein Grund zur Aufregung. Die Straßen werden ja nicht gesperrt“

Keinen Grund zur Aufregung sieht Johanna König (Bündnis 90/Die Grünen). „Die Straßen werden ja nicht gesperrt. Jeder, der da hin muss, darf durch, egal ob Anlieger, Hotelgast, Handwerker oder Besucher. Ausgeschlossen wird nur der Durchgangsverkehr, der, statt über den Wall zu fahren, als Abkürzung den Weg durch die Obere Straße nimmt“, so König.

Die Ratsfrau verweist auf das Radfahrkonzept der Stadt, verbunden mit der Idee, den Autoverkehr deutlich zurückzufahren und dafür mehr Menschen zu begeistern. „Klar formulierte Ziele, die wir im Stadtrat gemeinsam vereinbart haben.“ Ein eigener Ratsbeschluss zur Umsetzung der Fahrradstraße sei auch deshalb nicht notwendig. „Das ist sauber abgearbeitet worden“, so König.

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