Achimer Vermieterin bietet dem Landkreis Wohnung für Flüchtlinge an und ärgert sich über Bürokratie

„Wir stoßen an eine Grenze“

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Weil Wohnungen Mangelware sind, greifen viele Städte als Notunterkünfte für Flüchtlinge mittlerweile auf Zeltunterkünfte zurück. Im Landkreis Verden habe man noch keine derartigen Pläne, sagt Bernd Dannheisig, Leiter des Fachdienstes Soziales.

Achim - Von Lisa Duncan. „Landkreis Verden sucht dringend Wohnraum für Flüchtlinge“ – diese inzwischen bekannte Schlagzeile behält selbst nach vielen Monaten noch ihre Gültigkeit. Denn die Kreisverwaltungen treibt die Aufgabe, geeignete Unterkünfte für Asylbewerber zu finden, an ihre Grenzen. Aber macht es die Sache einfacher, wenn Vermieter erstmal bürokratische Hürden überwinden müssen, bevor sie über den Landkreis Wohnraum an Flüchtlinge vermieten können? Das berichtet jedenfalls eine Achimer Vermieterin.

Bereits im Juni meldete die 66-Jährige, die Immobilien in Achim und Bremen besitzt, dem Landkreis Verden eine Wohnung (vier Zimmer, Küche, Bad mit Garten) in Uphusen. Die wollte sie ab dem 1. September als Wohnraum für Asylbewerber an den Landkreis vermieten. Ihre Bedingung: Eine Familie und nicht Einzelpersonen sollte dort einziehen. „In Bremen hatte ich damit vorher schon gute Erfahrungen gemacht“, berichtet sie. Nach nur drei Wochen habe sie durch Vermittlung der dortigen Arbeiterwohlfahrt (Awo) eine Familie aus Serbien in einem vakanten Wohnobjekt untergebracht.

Doch bei der Antwort, die sie zunächst vom Landkreis Verden bekam, war die Hauseigentümerin baff. Der zuständige Sachbearbeiter wies sie darauf hin, dass eine Vermietung mit der Einschränkung auf Familien so nicht möglich sei. Zudem arbeite er erst seit März in der Abteilung, so dass ihm noch der Überblick fehle. Er empfahl, den Mietvertrag direkt mit einer Flüchtlingsfamilie abzuschließen und sich für die Vermittlung zunächst an ehrenamtliche Flüchtlingshelfer in Achim zu wenden. Als die Frau beim Landkreis zu der Sache nachhakte, hieß es, die Flüchtlinge müssten eigenständig beim potenziellen Vermieter anrufen. Sie müsse sich noch gedulden.

Als sie zwischenzeitlich versuchte, bei der Stadt Achim etwas zu erreichen, blockte man sie wieder ab. „Wir haben die Anfrage per E-Mail an den Landkreis Verden weitergeleitet“, sagt Bürgermeister-Sekretärin Kerstin Vöge auf Nachfrage. Mehr könne die Stadt nicht machen, für Vermietung sei der Landkreis zuständig.

170 Wohnungen

angemietet

Das bestätigt Bernd Dannheisig, Leiter des Fachbereichs Soziales beim Landkreis Verden und unter anderem zuständig für die Wohnraumvermittlung an Asylbewerber. Derzeit miete der Landkreis Verden 160 bis 170 Wohnungen für Asylsuchende, inklusive etwa 30 Wohnungen, die die Gemeinden Oyten und Ottersberg in Eigenregie anmieten.

Der Ablauf: Zunächst teile ein Vermieter dem Landkreis sein Angebot mit. Die Behörde prüfe dann in Abstimmung mit dem Vermieter, ob die Wohnungen die Voraussetzungen erfüllt. So sollte sie etwa zentral gelegen sein. Je nach Angebot seien Umbauten nötig. „Es gibt Vermieter, die melden uns ein Ladengeschäft mit gläserner Fensterfront zur Straßenseite“, nennt er ein Beispiel, in dem bauliche Veränderungen notwendig seien. Meist werde man sich schnell über einen Mietvertrag einig, der nach dem Asylbewerberleistungsgesetz eine Miete in der Höhe festlege, was Hartz-IV-Empfänger zahlen können. Anschließend werden die meist leer stehenden Objekte vom ALV-Möbellager mit dem Nötigsten ausgestattet und die Mieter können einziehen. Dieser Prozess dauere in der Regel vier Wochen.

Das lief im Fall der Achimer Vermieterin anders: Erst als sie nach zwei Monaten Kontakt zu Andrea Wessel bekam, gerieten die Dinge ins Rollen. Die Caritas-Sozialarbeiterin, die für den Landkreis Verden auch die Erstbetreuung für Flüchtlinge übernimmt, hatte schon bald eine Familie im Blick. Die Wohnung lobte sie als besonders geeignet. Mit Supermärkten, Kinderbetreuung und Schulnähe hätten die Neumieter eine gute Chance zur Integration. Wessel hat der 66-jährigen Vermieterin auch schon drei mögliche Mietparteien vorgeschlagen, zwei davon sind junge Familien.

Die meisten

sind junge Männer

Dass die Achimerin darauf so lange warten musste, bedauert Dannheisig: „Das ist ärgerlich, aber wir stoßen an eine Grenze. Leider ist das alles nur möglich im Rahmen der Arbeitsbelastung.“ Zehn bis 15 Personen müsse der Landkreis wöchentlich unterbringen. Man organisiere sich laufend neu, die Abteilung sei vor einem halben Jahr personell aufgestockt worden.

Den Wunsch, die Wohnung an eine Familie zu vermieten, sieht er ebenfalls als Hemmschuh. „95 Prozent der neu ankommenden Flüchtlinge sind junge Männer, das hat sich in 18 Monaten nicht geändert“, sagt er.

Darüber hinaus verfüge Bremen, so vermutet er, bei der Unterbringung von Asylsuchenden über mehr Routine. Im Landkreis Verden habe sich der Zuzug erst in den zurückliegenden zwei Jahren massiv verstärkt. Immerhin sei es bisher gelungen, die vor Krieg und Unterdrückung geflohenen Menschen im Siedlungsbereich unterzubringen.

Wer Wohnraum an Flüchtlinge zu vermieten hat, kann sich direkt unter Telefon 04231/15242 oder 04231/15443 bei der Kreisverwaltung melden.

Fazit der Vermieterin: „Ich kann die Wohnung auch anderweitig anbieten. Aber ich tue das, damit auch andere Vermieter das machen.“ Nachdem sie erlebt hat, wie der Landkreis mit ihrem Angebot umgegangen ist, hat sie da jedoch so ihre Zweifel: „Ich bin eine hartnäckige Vermieterin, aber andere geben vielleicht schon bei der ersten bürokratischen Hürde auf.“

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