Feuerwehr-Neubau

Zwischendurch Kampf gegen Feuerkrebs

+
Blick in die neue Fahrzeughalle.

Nach einem Jahr Bauverzug sind Verdens Brandschützer zuversichtlich, im Februar in ihr neues Domizil umziehen zu können. Im Nachhinein kommt ihnen der Verzug sogar ein bisschen gelegen.

Verden – Am Ende nervte es nur noch. Der Fußbodenleger zum Beispiel. Er kam, sah und fuhr davon, allerdings nicht ohne eine Nachricht zu hinterlassen. „Nein, auf diesem Untergrund kann ich nicht tätig werden.“ Die Dehnungsfugen im Estrich hatten ihn entsetzt. Sie waren nicht sachgerecht geschlossen, befand er. Würde er darauf den Bodenbelag ausbreiten, könne er keine Gewährleistung übernehmen. Und schon war der nächste Zeitverzug an Verdens neuem Feuerwehrgerätehaus perfekt. Und zwar keiner, der innerhalb weniger Tage aufzuholen wäre. Einen Handwerker zu finden, der Dehnungsfugen ersetzen kann, ihn zu überzeugen, rasch tätig zu werden und dann einen nächsten Termin mit dem Fußbodenleger zu vereinbaren – das dauert. „Diese Nachbesserungen haben uns unendlich Zeit gekostet“, stellt Stadtbrandmeister Peter Schmidt fest.

Inzwischen sind die Restarbeiten auf der 1800 Quadratmeter großen Fläche mit acht Fahrzeug-Stellplätzen weitgehend erledigt. Der Umzug ins neue Haus ist absehbar. Und abzuarbeiten ist lediglich noch ein Rechtsstreit mit der Firma, die den Rohbau übernommen hat. Klingt alles gut, wäre da nicht eine neu bekannt gewordene Bedrohung, die während des Bauverzugs bundesweit immer mehr an Konturen gewann, und jetzt auch die Verdener Brandschützer beschäftigt. Feuerkrebs. Und gemeint ist die nach den Einsätzen rußgeschwärzte Montur. Partikel daraus schwirren durch die Luft, auf der Rückfahrt, im Umkleidebereich des Feuerwehrhauses, und schon ist es passiert. „Ruß und Brandrauch lösen Krebs aus, das bestätigen eine Reihe von Gutachten“, sagt Schmidt, „der Feuerkrebs steht kurz davor, als Berufskrankheit anerkannt zu werden.“

Das Gebäude ist voll mit modernster Technik.

Darauf reagiere man schon jetzt. Die Verdener Feuerwehr erhält einen sogenannten Gerätewagen Logistik, ein Fahrzeug, das bei drohender Kontamination zum Einsatzort beordert wird. Brandschützer können nach ihrer Rückkehr vom Brandherd noch vor Ort in bereitliegende saubere Einsatzkleidung schlüpfen, gleichzeitig werden die ausgerückten Fahrzeuge neu mit Schlauch- und Atemschutz-Technik bestückt. Das Sauberkeits-Konzept ist taufrisch. Erst vor einem Jahr machte es bundesweit Schlagzeilen.

Einfach ein neues Fahrzeug bestellen, und schon rollt es innerhalb weniger Tage an? Ganz so schnell geht‘s nicht. „Die Lieferzeiten sind lang, zwei Jahre gelten als nicht unrealistisch,“ sagt Schmidt. Gleichzeitig könne nicht das Konzept des neuen Feuerwehrgebäudes schon wieder über den Haufen geworfen werden. Der Plan jetzt: Die Feuerwehr Walle erhält den Verdener Gerätewagen Gefahrgut, gleichzeitig wäre Platz geschaffen für den Logistik-Laster. Das Problem jetzt: Bis die Waller überhaupt den zugewiesenen Wagen unterbringen können, muss erstmal das neue Haus her. „Bis Ende dieses Jahres laufen die Planungen, bis Ende 2021 soll es fertiggestellt sein“, so Schmidt. Und somit fügt sich alles: Der Fahrzeug-Ringtausch kann voraussichtlich ohne große Überbrückungszeiten über die Bühne gehen.

Schon Anfang nächsten Jahres soll der zweite und letzte Abschnitt des Verdener Feuerwehrgerätehauses fertiggestellt sein. „Nach dem Umzug, der für das letzte Februar-Wochenende vorgesehen ist, beginnen die Abrissarbeiten am Altgebäude zeitnah“, sagt Wolfgang Tobias aus dem Rathaus. Gleichzeitig solle der Rohbau ausgeschrieben werden. In den kommenden zwölf Monaten entstehe dann auf 700 Quadratmetern Platz für drei weitere Fahrzeuge, eine Werkstatt und eine Waschhalle. Der Ablauf der Arbeiten dürfte aus jetziger Sicht deutlich unaufgeregter über die Bühne gehen als der holprige erste Abschnitt. „Wir gehen sogar davon aus, es bleibt bei Baukosten von insgesamt acht Millionen Euro, mit denen das Projekt ursprünglich gedeckelt war“, sagt Kämmerer Andreas Schreiber auf Nachfrage.

Derweil löst das Feuerkrebs-Problem zunehmend Betroffenheit aus. Aus gutem Grund. Internationale Studien haben belegt, dass Feuerwehrleute wegen ihres Kontaktes zu giftigen Stoffen ein bis zu 30 Prozent erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen haben – darunter Haut-, Hoden- und Prostatakrebs. Das gemeinnützige Unternehmen Feuerkrebs.de führt sogar schon eine Liste unter dem bedrückenden Titel „In Memorandum“. Sie füllt sich.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

Meistgelesene Artikel

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

Ärger nach Trecker-Demo: Bauern beseitigen Spuren des Protests

„Event 24“ übernimmt die Feste im Daverdener Holz

„Event 24“ übernimmt die Feste im Daverdener Holz

„Wer besorgt ist, sollte zu uns kommen“: Der Ton im Netz und die Folgen

„Wer besorgt ist, sollte zu uns kommen“: Der Ton im Netz und die Folgen

Kreissparkasse baut nicht am Gieschen-Kreisel in Achim

Kreissparkasse baut nicht am Gieschen-Kreisel in Achim

Kommentare