Zwischen sozial und Umwelt

Ministerin Barbara Hendricks zum Fachgespräch im NZNB in Verden

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Stroh als ökologische Baustoff aus der Region: Beim Rundgang stellten Lutz Brockmann (l.) und Dorothee Mix (r.) Ministerin Barbara Hendricks (3.v.l.) und den Kandidaten Dörte Liebetruth (2.v.l.) , Christina Jantz-Herrmann und Jürgen Kuck die Materialien im NZNB vor.

Verden - „Ich finde, ich hab' das ganz anständig gemacht“, stellte Barabara Hendricks selbstbewusst fest. Zugleich deutete die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bei einem Fachgespräch im Norddeutschen Zentrum für Nachhaltiges Bauen (NZNB) in Verden so an, dass sie von einem eigenständigen Bauministerium nichts hält. Im Gegenteil, gerade in den Themen bezahlbares Wohnen und kommunaler Klimaschutz entdeckte sie sinnvolle Verbindungen.

Mit der Bundestagskandidatin Christina Jantz-Herrmann sowie den Landtagskandidaten Dörte Liebetruth und Jürgen Kuck war die SPD-Politikerin gestern in dem einzigartigen Verdener Strohballenbau zu Gast. Bürgermeister Lutz Brockmann und Landrat Peter Bohlmann als kommunale Verantwortliche und Vertreter aus der ökologischen Bauwirtschaft diskutierten mit der Wahlkämpferin das Spannungsfeld von umwelt- und sozialverträglichem Wohnraum.

Wohnungen verbrauchen 40 Prozent des Energiebedarfs in der BRD

40 Prozent des Energiebedarfs in der Republik würden in Wohnungen verbraucht, lieferte Hendricks ein Argument dafür, dass der Baubereich ins Umweltressort gehört. Nicht umsonst habe sie sich für ein Gebäudeenergiegesetz eingesetzt, das das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ablösen sollte, berichtete Hendricks. Für die Initiative habe die SPD-Politikerin den Koalitionspartner nicht gewinnen können. In der neuen Wahlperiode will sie einen neuen Anlauf nehmen.

Dass Technologie und Sachkenntnis vorhanden sind, den Energieverbrauch im Sinne des Klimaschutzes zu senken, dafür waren nicht zuletzt die versammelten Fachleute in der Runde die Garanten. „Als wir die ersten Elemente für das NZNB setzten, hatten wir schon soviel Energie für die Herstellung der Materialien gespart, dass wir das Zentrum 73 Jahre heizen könnten“, lieferte Thomas Isselhard vom Netzwerk Nachhaltiges Bauen einen Vergleich zu konventionellen Baustoffen. Für ihn reichte es aber nicht, dass die Energiebilanz und damit der CO2-Ausstoß berücksichtigt werde. Der Architekt plädierte dafür, auch die Entsorgung der Baustoffe nach der Nutzung des Gebäudes in die Bilanz aufzunehmen. 

Kirchen könnten Vorbild für Kommunen werden

„Bezahlbares Wohnen endet nicht beim Quadratmeter-Preis“, versuchte Uli Steinmeyer mit dem Argument aufzuräumen, dass ökologisches Bauen zu teuer sei. Der Vertreter eines Naturbaustoff-Verbandes wies auf steigende Bodenpreise hin, die Mieten ebenfalls teurer machten. Seinen Vorschlag, dass Kommunen Flächen über das Erbbaurecht für Wohnungsbau zur Verfügung stellen könnten, fand Unterstützung bei der Ministerin: „Da könnten die Kirchen Vorbild für die Kommunen werden“, meinte sie.

Neben dem Neubau ging es Michael Otten um die Modernisierung von Altbauten. Gerade hier sei das Sparpotenzial groß, stimmte Peter Bohlmann zu. Er erinnerte an den großen Gebäudebestand der Kreisbau. Das kommunale Wohnungsbauunternehmen arbeite bereits an der Modernisierung. Geschäftsführer Olaf Heidkamp wusste von einer Reihe von Hürden zu berichten. Nicht nur gestiegene Preise bei Baustoffen machen ihm das Leben schwer. Er wünschte sich steuerliche Regelungen, die dem Unternehmen entgegenkommen. Wenn Wohnraum bezahlbar bleiben solle, sei es schwierig.

kle

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