Peter Sebeikat findet keinen Nachfolger

Zweitälteste Verdener Apotheke schließt

Peter Sebeikat vor seiner Apotheke.
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Nach 15 Jahren macht Peter Sebeikat Schluss. Die Neue Apotheke mit langjähriger Geschichte schließt.

Verden – Die Neue Apotheke in Verden schließt. Damit kündigt sich ein neuer Leerstand in der Fußgängerzone an. Inhaber Peter Sebeikat hat sich monatelang bemüht, eine Nachfolge zu finden – ohne Erfolg. Nun wird es eine Apotheke weniger in der Innenstadt geben. Aber nicht nur das. Es ist nach der Ratsapotheke am Lugenstein die zweitälteste Apotheke in Verden beziehungsweise das zweitälteste Geschäft.

Damit stirbt auch ein Stück Geschichte.

Apotheke ist 161 Jahre alt

Im April 2010 wurde in den Räumen gegenüber der Gasse Herrlichkeit das 150-jährige Bestehen gefeiert. In diesem Jahr ist die Apotheke 161 Jahre alt geworden. Nun ist Schluss. Am Sonnabend, 12. Juni, wird sie zum letzten Mal geöffnet haben.

Vielfältige Gründe für die Schließung

Die Gründe für die Schließung sind vielfältig. Ehefrau Sylvia Sebeikat führt noch eine Apotheke in Bremen. Um die will sich das Ehepaar zukünftig gemeinsam kümmern. „Ich möchte außerdem ein bisschen zurücktreten,“ sagt der Apotheker. Denn Öffnungszeiten und Notdienste am Abend oder Wochenende spannen den Apotheker, der stets anwesend sein oder eine Vertretung bestellen muss, erheblich ein.

Geringere Gewinnmargen

Für Sebeikat ist das aber noch nicht alles. Immerhin müsse auch die Wirtschaftlichkeit stimmen, und das sei in den vergangenen Jahren nicht mehr der Fall gewesen. Die Gewinnmargen hätten sich verringert, gleichzeitig sei der tägliche Ablauf zwischen Offizin und Lager durch Rabattverträge der Krankenkassen mit den pharmazeutischen Firmen immer komplizierter geworden. Auch die Kunden hätten manchmal nicht nachvollziehen können, warum sie ihr gewohntes Präparat nicht mehr bekommen.

Weniger Laufkundschaft

Die Wirtschaftlichkeit der Neuen Apotheke hat aber nicht nur unter der Gesetzgebung gelitten, sondern auch unter der schrumpfenden Laufkundschaft. Sebeikat: „Als der Rathausvorplatz umgebaut wurde und die Parkplätze direkt vor der Apotheke verschwanden, haben wir das deutlich zu spüren bekommen.

Noch nach Jahren irritiert den Apotheker die Aussage eines Ratsmitgliedes, als er sich mit ihm über die neue Situation unterhielt und den Nachteil durch den Wegfall der Parkplätze erläuterte. „Der habe ihm geantwortet: „Es gibt ja noch andere Apotheken mit Parkplätzen vor der Tür.“

Aufgrund des Leerstandes in der Innenstadt sei der Publikumsverkehr insgesamt weniger geworden. Die Attraktivität habe abgenommen. Welche Nachfolge es für die Geschäftsräume geben wird, sei noch völlig offen. Klar sei nur, dass es keine Apotheke sein wird.

Diverse Inhaber

Das Haus hat der Vorbesitzer und langjährige Apotheker Helmut Oltmanns bereits vor einer Weile verkauft. Seine Vorfahren hatten die Apotheke im Jahr 1894 von Gründer Carl Holtermann übernommen. Holtermann hatte 1860 ordentlich damit zu tun, den Verdener Magistrat von der Notwendigkeit einer weiteren Apotheke in Verden zu überzeugen. Es gab erheblichen Widerstand. Erst eine Bürgerbefragung hatte seinerzeit geholfen, das Innenministerium zu überzeugen. Nach 34 Jahren ging die Apotheke in das Eigentum von Wilhelm Otto Oltmanns (1862 bis 1925) über und blieb drei Generationen bis 2005 in seiner Familie. Sein Sohn Willi Oltmanns führte die Apotheke von 1925 bis 1970 allein und bis 1984 gemeinsam mit seinem Sohn Helmut, der anschließend Alleininhaber war.

Die jeweiligen Inhaber zeigten sich für Modernisierungen der Geschäfts- und Laborräume sowie der technischen Einrichtungen immer aufgeschlossen, auch für Um- und Erweiterungsbauten. Dadurch entsprachen die Arbeits- und Verkaufsräume, die sogenannte Offizin, bis heute immer den modernsten Ansprüchen.

Auch der neue Inhaber Peter Sebeikat investierte und ließ die Apotheke umbauen. Dadurch entstand ein Beratungsraum. Um dafür Platz zu schaffen, wurde seinerzeit die Rezeptur in das Labor integriert. Was ihn in den vergangenen Jahren aber auch ein bisschen ärgerte, war die Tatsache, dass er vor der Apotheke nichts aufstellen durfte. „Wir mussten Aufmerksamkeit ausschließlich mit der Dekoration in den Schaufenstern erreichen.“

Das wurde in den Jahren geradezu zelebriert. Zu besonderen Anlässen, großen Reittunieren, zum Beispiel, oder der Domweih, ließ man sich stets etwas Besonderes einfallen und lockte Flanierende an die großen Fensterscheiben.

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