Zweitältestes Haus Verdens

Großbrand von Ostern verursacht in Großer Straße mehr Verluste als bislang erwartet

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Ostersamstag rückte die Verdener Feuerwehr mit einem Großaufgebot in die Große Straße aus: Haus Nummer 39 war jedoch nicht mehr zu retten.

Verden - Von Volkmar Koy. Ostersamstag stand das Wohn- und Geschäftshaus in der Großen Straße 39 in hellen Flammen (wir berichteten). Welchen Verlust der Eigentümer und die Stadt jetzt ertragen mussten, wurde am Dienstag in einer Pressekonferenz im Rathaus deutlich. Es handelte sich um das zweitälteste bekannte Haus der Reiterstadt, wie Heinz Riepshoff, langjähriger Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Bauernhaus („Wir lieben alte Häuser“) deutlich machte.

Riepshoff war mehrere Male bei einem Rotenburger Abbruchunternehmer zu Gast, um den „Rest“ von Große Straße 39 in Augenschein zu nehmen. Und zu analysieren. Und auszuwerten. Und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen. In einem hauskundlichen Gutachten sind alle Ergebnisse niedergeschrieben, die durchaus nicht nur für Heimatkundler höchst interessante Bemerkungen beinhalten.

Es zeige zugleich, so Riepshoff, dass vieles in der Stadtgeschichte Verdens noch ungeklärt und unbekannt ist. Diese Erkenntnisse waren erst durch den Großbrand zu Ostern möglich? „Im Prinzip ja“, betonte Bürgermeister Lutz Brockmann. Die Frage „Was haben wir da verloren?“ könne erst jetzt beantwortet werden. 

Da ein Großteil der Häuser in der Großen Straße ursprünglich aus Fachwerk besteht und die Giebel mit dem heutigen Aussehen erst in verschiedenen Perioden später dazukamen, hat natürlich jedes Gebäude seine eigene Geschichte.

Das Fachwerkgebäude wurde 1561 gebaut

Große Straße 39 wurde laut Riepshoff im Jahre 1561 errichtet. Dabei kam auch eine heute nicht mehr bekannte Fachwerkbautechnik zum Zuge. Besonders bemerkenswert und beeindruckend war die rechte Traufwand zum Petersiliengang (den es schon damals gab). 

Sichtbar war ein dielenhohes Untergeschoss, dessen oberes Stockwerk auf der Balkenlag vorsprang und von einfach gekehlten Knaggen ohne Zierrat abgefangen wurde. Eine eindeutige Zuordnung des Fachwerkgebäudes in das 16. Jahrhundert war durch die Streben möglich, äußerte sich gestern Riepshoff.

Die größte Überraschung bei der Begutachtung der verbrannten Teile boten allerdings drei Ständer, die auf ihren Innenseiten Blattsassen von aufgeblatteten Kopfbändern zeigen. Einer dieser Ständer konnte auf 1373 datiert werden. Das Haus in der Großen Straße 39 war überdies in den Außenwänden vollständig mit Backsteinen ausgemauert. Das dürfte das Ergebnis eines Beschlusses des Stadtrates aus dem Jahres 1797 sein, sich von der alten Stadtmauer zu trennen und diese zu verkaufen. Die Steine finden sich in vielen alten Häusern in der Verdener Innenstadt wieder.

Nahezu alle anderen Gebäude in der Straße werden nun geschützt

Bleibt noch die Frage, wer das Haus gebaut hat? „Wir wissen es nicht“, sagte Heinz Riepshoff. Klar ist natürlich, dass das Gebäude unter Denkmalsschutz stand. Was nach dem Großbrand allerdings auch nicht mehr viel nutzt. Das Haus ist weg. Dafür erfreuen sich laut Bürgermeister Brockmann fast alle Häuser in der Großen Straße einer Unterschutzstellung. Ein umfangreiches Gutachten darüber würde hilfreich sein, müsste aber auch vom Stadtrat nicht nur aus finanziellen Gründen in Auftrag gegeben werden.

Und was passiert in der Großen Straße 39? Vorerst augenscheinlich nichts. Nur eine Baulücke ist zu erkennen. Ein Neubau müsste sich aber dem Stadtbild anpassen, wie es in der Satzung heißt.

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