Umschlag-Kampagne zum Schutz vor Enkeltricks und Schockanrufen

Zweimal Ja heißt „Sofort 110 wählen“

Der Präventionsbeauftragte Joachim Kopietz, KSK-Sprecherin Dr. Beate Patolla und die stellvertretende Inspektionsleiterin Christina Kappenberg (v.l.).
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Die Kampagne „Briefumschlag gegen Telefonbetrug“ stellten der Präventionsbeauftragte Joachim Kopietz, KSK-Sprecherin Dr. Beate Patolla und die stellvertretende Inspektionsleiterin Christina Kappenberg (v.l.) vor.

Die Idee ist simpel: Sechs Fragen auf einem Umschlag sollen Menschen gerade noch rechtzeitig davor bewahren, ihr Geld Betrügern zu geben. In den Kuverts mit Botschaft können Mitarbeiter der Kreissparkasse ab sofort Bargeld übergeben, wenn sie den Verdacht haben, ihr Kunden könnten Opfer eines Enkeltricks sein. Weitere Banken werden sich in Kürze dieser Kampagne der Polizei anschließen.

Verden/Landkreis – Die Botschaft ist unmissverständlich: „Vorsicht Betrugsgefahr!“ steht in großen Lettern auf dem Umschlag. In ihm werden Mitarbeiter der Kreissparkasse (KSK) Verden ab sofort größere Summen Bargeld aushändigen, wenn sie den Eindruck haben, ihr Kunde könnte Opfer eines Enkeltricks oder Schockanrufes sein. Sechs Fragen (siehe Infokasten) auf dem Umschlag sollen den Opfern helfen, noch vor der Übergabe des Geldes wieder zur Besinnung zu kommen, das eigene Tun zu hinterfragen und bestenfalls die 110 zu wählen.

Zwar greift die umfangreiche Aufklärungsarbeit der Polizei. „Aber die Oma, die allein zu Hause sitzt, erreichen wir nicht“, stellt der Beauftragte für Kriminalprävention, Joachim Kopietz, fest. Und so fiele den niederträchtigen Betrügern im Gebiet der Polizeiinspektion Verden/Osterholz noch immer jeden Monat mindestens ein Mensch zum Opfer. Dabei liege der Sachschaden stets im fünfstelligen Bereich.

Bankmitarbeiter sind in ihren Möglichkeiten eingeschränkt

KSK-Sprecherin Dr. Beate Patolla, die stellvertretende Inspektionsleiterin Christina Kappenberg und Joachim Kopietz stellten am Donnerstag das Projekt „Briefumschlag gegen Telefonbetrug“ vor. Daran werden sich demnächst weitere Kreditinstitute in der Region beteiligen.

Zwei aus sechs: Die Fragen auf dem Umschlag sollen dem Opfer helfen, sich zu besinnen, von der Geldübergabe abzusehen und bestenfalls die Polizei zu informieren.

„Wir finden, es ist eine sehr sehr gute Idee, den Menschen etwas an die Hand geben zu können. Wir wollen natürlich unsere Kunden schützen“, kommentiert Beate Patolla die Initiative der Polizei. Zumal die Möglichkeiten von Bankmitarbeitern, derartige Betrügereien zu verhindern, durchaus begrenzt sind. Selbst wenn ihr Misstrauen geweckt ist.

Immerhin handele es sich um Kunden, die selbstbestimmt ein Konto führten, betont Joachim Kopietz. „Der Bank als Dienstleister steht die Verweigerung der Auszahlung nicht zu“, weiß der Kriminalhauptkommissar.

„Ich habe höchsten Respekt vor denjenigen, die trotzdem die Courage haben und die Polizei anrufen“, sagt er. Um Bankmitarbeitern mehr Handlungsspielraum zu geben, empfiehlt Kopietz eine Kontovollmacht, die es erlaubt, im Verdachtsfall die Angehörigen des Kunden zu informieren. Noch besser greifen würde dies in Kombination mit der Einrichtung eines Limits bei Abhebungen.

Betrüger bauen am Telefon ungeheuren Druck auf

Die Umschlag-Kampagne ist nun ein weiterer Baustein im Kampf gegen Anrufer aus Callcentern, die sich als Ärzte, Polizisten oder Staatsanwälte ausgeben, die Lügengeschichten erzählen über Angehörige, die schwer krank oder in einen Unfall verwickelt worden sein sollen, und die angeblich nur mit viel Geld vor dem Tod oder dem Gefängnis bewahrt werden können. „Das setzt eine Kette in Gang, die wir zu unterbrechen versuchen“, so Christina Kappenberg.

Keine Behörde, keine Bank, kein Krankenhaus arbeite so, und schon gar nicht am Telefon, machen Kappenberg und Kopietz deutlich. Wer einen derartigen Anruf erhält, kann von Betrug ausgehen. „Immer“, betont der Präventionsbeauftragte.

Gerade ältere Menschen aber seien oft zu gut erzogen, um einfach aufzulegen. Für die rhetorisch meist gut geschulten Betrüger die Chance, ihre Opfer massiv unter Druck zu setzen. Der Einfluss der Täter reicht so weit, dass die Betrogenen sogar bei ihrem Kreditinstitut Lügen über den Grund für die Abhebung erzählen.

Dass mit der Umschlag-Kampagne die Hintermänner nicht gefasst werden, ist den Beteiligten klar. „Es ist nur der Abholer, den wir kriegen“, weiß der Kommissar. Und für ein hochgenommenes Callcenter öffneten zwei neue. „Aber für uns hier vor Ort spielt es keine Rolle, wo die Täter sitzen“, sagt er abschließend. Sein Credo: „Wir müssen unsere Bevölkerung schützen.“

Von Katrin Preuss

Sechs simple Fragen sollen Betrug verhindern

Haben Sie den Geldbetrag abgehoben, weil Sie angerufen worden sind?

Sollen Sie das Geld noch heute übergeben?

Hat der Anrufer Ihnen verboten, über den wahren Zweck der Abhebung zu sprechen?

Hat der sich der Anrufer als Familienangehöriger, Polizist, Arzt, Notar, Richter etc. ausgegeben?

Sollen Sie das Geld an eine unbekannte Person übergeben?

Sollen Sie etwas überweisen oder eine Geldwertkarte kaufen?

Haben Sie mindestens zwei Fragen mit Ja beantwortet? Wählen Sie sofort die 110!

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