Zwei Vikarinnen in Verden

Caroline Hoppe freut sich auf ihre Arbeit in der Gemeinde St. Johannis.
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Caroline Hoppe freut sich auf ihre Arbeit in der Gemeinde St. Johannis.

Der Umgang mit Menschen, in der Not Hilfestellung geben, aber auch einfach nur das Gespräch über den christlichen Glauben und darüber hinaus führen, die Arbeit einer Vikarin ist vielfältig. In Verden haben Caroline Hoppe in St. Johannis und und Sonja Thomaier in St. Andreas ihre Ausbildung zur Pfarrerin angetreten.

Verden – Seinen Beruf, eher die Berufung, in der kirchlichen Arbeit zu finden, der Weg dorthin kann ganz unterschiedlich verlaufen. Für Caroline Hoppe und Sonja Thomaier, beide in der Ausbildung zur Pastorin, trifft das zu. Entscheidend ist es allerdings nicht. „Die Freude mit Menschen, mit der Gemeinde zu arbeiten, den Glauben gemeinsam zu leben, darauf kommt es uns an“, sind sich die beiden einig.

Treffpunkt ist die Kirche der Gemeinde St. Johannis, wo Caroline Hoppe ihr Vikariat angetreten hat. Pastor Marko Stenzel betreut die Ausbildung. Genügend Platz ist da, wegen Corona nicht ganz unwichtig. Also sind Vikarin Sonja Thomaier und deren Mentorin, Pastorin Bettina Kattwinkel-Hübler, aus der Gemeinde St. Andreas, durch die Stadt spaziert, haben im schönen Kirchenschiff der Nachbarn ebenfalls Platz genommen. Die Atmosphäre ist locker. „Die Kirchenarbeit funktioniert gemeindeübergreifend super, dass macht Spaß“, erzählt Pastorin Kattwinkel-Hübler.

Das gute Klima hat sich offensichtlich herumgesprochen. Die beiden jungen Vikarinnen machen zumindest keinerlei Hehl daraus, dass sie gerne nach Verden gekommen sind. Die Landeskirche muss zwar zustimmen, gibt, sozusagen, ihren sprichwörtlichen Segen, aber auch der wurde, so war zu hören, gerne erteilt. Pastorin Bettina Kattwinkel-Hübler und ihr Kollege Marko Stenzel wissen auch warum: „Verden hat einen guten Ruf.“

Sonja Thomaier und Caroline Hoppe haben ihr Examen an der Uni Göttingen absolviert. Gewohnt haben beide im Theologischen Stift. Sie kennen sich gut, was den Start in Verden durchaus einfacher macht. „Es ist schön, wir tauschen uns aus.“ Aber, das wird deutlich, sie wären auch alleine klar gekommen.

Göttingen, die Uni und das Theologische Stift, „das war eine schöne Zeit“. Nicht ungewöhnlich, dass die Frauen sich dort kennengelernt haben, weil das Stift mit einer Zahl von etwa 40 Studentinnen und Studenten sehr übersichtlich, eher familiär, geprägt ist. „Selbstverwaltung, viele tägliche Gespräche, Diskussionen, Ausflüge und auch Feiern, ein ganz besonderes Umfeld. Uns hat das sehr gut gefallen“, erzählen die Theologinnen. Auch deshalb sind sie dabei geblieben.

Geplant war bei Sonja Thomaier zunächst ein anderer Weg. „Von Haus aus bin ich kirchlich gar nicht geprägt“, erzählt die 31-Jährige. „Da gab es eher wenig bis keine Berührungspunkte.“ Geboren in Bielefeld, schrieb sie sich nach Ende der Schulzeit für das Medizinstudium ein. Die richtige Begeisterung dafür wollte sich allerdings nicht einstellen. „Viel auswendig lernen, wenig Kontakte zu Menschen“, erinnert sie sich. „Irgendwann habe ich dann beschlossen, das ist nicht so mein Ding.“

Einen guten Draht gab es schon da zum Theologischen Stift in Göttingen. „Das Umfeld, die Menschen, das passte zu mir“, so merkte die angehende Pastorin. Aber nicht nur die Menschen, auch die Ideen und der Umgang miteinander. „Das prägt einen.“ Für ein Jahr reiste Sonja Thomaier zudem nach Israel, studierte Theologie und Neu-Hebräisch an der Uni in Jerusalem, wohnte in verschiedenen WG’s, lernte so Sprache, Land und Menschen kennen. „Die Begegnungen mit der jüdischen Bevölkerung waren für mich intensiv und bleiben eine schöne Erinnerung“, so Thomaier. Wieder in Deutschland folgten Studien in Berlin, ehe sie nach Göttingen zurückkehrte, wo sie im August 2020 ihr Examen machte.

Vielfältig, bunt und offen ist die Kirchenarbeit in der evangelischen Gemeinde, so die Erfahrung von Caroline Hoppe. Sie ist in einem solchen Umfeld in Kathrinshagen bei Hameln aufgewachsen. Ihre Kindheit, ihre Familie ist kirchlich geprägt. „Ich habe mich da immer sehr, sehr wohlgefühlt“, erzählt die Vikarin. Kindergruppen, Ausflüge, Betreuung und Jugendarbeit, Konfirmandenzeit, für sie waren es selbstverständliche Termine. Auch die Gottesdienste am Sonntag zählte sie dazu. „Ich habe das genossen.“ Keine Frage, dass sie sich in der Gemeinde selbst engagierte – und der Schritt hin zum Amt der Pastorin fast schon logisch war. „Für mich stand das schon lange fest, Zweifel gab es nie“, so die 26-Jährige lächelnd. Und es klingt sehr überzeugend.

Also, los geht’s! Die Gemeinden St. Johannis und St. Andreas dürfen gespannt sein. Das Vikarinnen-Duo jedenfalls ist voller Vorfreude. „Klar, Cronoa ist schon ein Faktor, aber es gibt in den Gemeinden schon viele Konzepte. Wir können damit umgehen.“ Gemeinsam mit ihren Mentoren, Bettina Kattwinkel-Hübler und Marko Stenzel, werden sich die Vikarinnen auf den Weg machen. Kirchenvorstand kennenlernen, die Gemeinde begrüßen, ein bisschen offiziell muss es eben auch sein. Dann Gottesdienste, Gespräche mit den Menschen, Seelsorge eben, und, eine besondere Herausforderung, vielleicht auch mal predigen. Aber erst mal Unterricht mit den Konfirmanden: „Darauf freue ich mich besonders“, so Caroline Hoppe.

Von Markus Wienken

Betreuen die Ausbildung der Vikarinnen: Bettina Kattwinkel-Hübler, Pastorin in St. Andreas, und Marko Stenzel, Pastor in St. Johannis.
Sonja Thomaier ist als Vikarin in der Gemeinde St. Andreas aktiv.

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