Am Freitag geht das aber nicht

Zwei Umzüge mit Folgen: Café Erasmie muss Torten mit dem Auto anliefern

Am Freitag darf Sybille Jackl ihre Torten und Kuchen ab 7 Uhr nicht mehr direkt vor der Tür ausladen.
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Am Freitag darf Sybille Jackl ihre Torten und Kuchen ab 7 Uhr nicht mehr direkt vor der Tür ausladen.

Verden – Ein ganze Weile ging es gut, doch jetzt, eineinhalb Jahre nach dem Umzug des Freitagsmarktes in die Fußgängerzone, hakt es plötzlich. Sibylle Jackl, Konditormeisterin und Inhaberin des Café Erasmie, ringt in diesen Tagen mit der Stadt Verden um eine Lösung: Weil die Anlieferungszeiten wegen der Marktstände und der Sicherheit der Besucher an diesem Tag bereits um 7 Uhr, statt wie üblich um 11 Uhr, enden, darf die Inhaberin des Cafés ihre in Völkeren frisch gebackenen Torten nicht mehr direkt vor der Tür ausladen und sicher in die nächste Kühlung bringen.

Das Fahrzeug ist um 8 Uhr am Freitagmorgen einfach zu spät dran. Da das Café erst um neun Uhr öffnet, ist eine frühere Anlieferung nur schlecht umsetzbar, auch, weil in der Backstube in Völkersen nach einem eingespielten Zeitplan gebacken wird. Der beginnt um bereits um 3.30 Uhr. „Das noch weiter vorzuverlegen ist schwierig. Außerdem müsste meine Mitarbeiterin in Verden dann ja schon vor sieben Uhr im Café sein. Wir öffnen aber erst um 9 Uhr.“

Zusammen mit Patrick Düsselbach, Leiter des Fachbereichs Markt- und Verkehrswesen im Verdener Rathaus, hat es inzwischen Gespräche gegeben, aber eine für beide Seiten akzeptable Lösung gibt es bisher nicht. Düsselbach ist aber zuversichtlich, dass es dazu kommen wird: „Die Situation ist hier eindeutig, eine Durchfahrt ist verboten. Da wir alle Geschäftsinhaber gleich behandeln müssen, können wir schlecht eine Ausnahme machen.“ Das ginge nur dann, wenn es wirklich keine andere Lösung gibt.

Das Problem: Genau gegenüber ist ein Wochenmarktstand platziert worden, der aufgrund seiner Größe nicht mal so eben umgesiedelt werden kann. Denn als die Marktstände Ende 2018 ihre neuen Plätze zugewiesen bekamen, hatte Düsselbachs Vorgänger Rüdiger Nodorp lange tüfteln müssen, um alle Seiten zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Jackl: „Klar, damals, ich war ja selber gerade erst mit dem Café umgezogen, habe ich unterschrieben, dass ich mit der teilweisen Umsiedlung des Marktes in die Fußgängerzone einverstanden bin. Ich habe mir aber nicht vorstellen können, dass ich dadurch so viele Nachteile haben werde.“ Schließlich sei der Freitag schon immer ihr umsatzstärkster Wochentag gewesen. Dann sei vieles zusammengekommen: „Wegen Corona hatten wir wochenlang geschlossen, dann stellte sich heraus, dass die Außengastronomie eine viel größere Rolle spielt als vorher.“ Wegen des Wochenmarktes und Corona kann sie nun aber nur die Hälfte ihrer Tische vor dem Café platzieren. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich nie unterschrieben.“

Sollte Jackl ihre täglich frisch gebackenen Torten über die Brückstraße oder die Lahusenstraße zu ihrem Geschäft transportieren müssen, stünden ihr wieder einmal nicht unerhebliche Investitionen bevor. „Dafür müsste ich geschlossene Boxen haben, die ich nur für den Freitag benötige. Außerdem fehlt mir unterwegs die Kühlung und ich habe Angst, dass mir die Torten bei dem teilweise unebenen Untergrund zusammenfallen.“ Die Konditormeisterin gibt zu, dass ihr zurzeit jede Investition schwerfalle. „Wir hatten sieben Wochen lang komplett schließen müssen. Das bedeutet null Einnahmen, aber Kosten, die weiterlaufen.“ Dann hätten die Hygienevorschriften eingehalten werden müssen, um wieder öffnen zu dürfen. Mehrere Tische seien wegen der Abstandsregeln weggeräumt worden. „Das bedeutet für mich weitere Umsatzeinbußen.“ Die Stadt habe ihr wohl gute Vorschläge gemacht, um das Problem zu lösen: „Die passen aber nicht zu den Gegebenheiten.“

Trotz allem verliert die Konditormeisterin nicht den Mut, blickt lieber in die Zukunft und bleibt zuversichtlich, dass es gemeinsam mit der Stadt zu einer Lösung kommen wird. „Wir müssen doch zusammenhalten, damit die Innenstädte lebendig bleiben.“

Was die Zukunft betrifft, hat sie ihre Aufgaben gemacht. Wenn es kühler wird, möchte sie Heizpilze aufstellen, wenn es eine Genehmigung dafür gibt. Sollte es draußen gar nicht mehr gehen, will sie drinnen mobile Plexiglasabtrennungen aufstellen, damit mehr Gäste einen Platz finden. Gleichzeitig hofft sie auf bessere Zeiten.

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