Zwei „Pioniere der Digitalisierung“ gehen

vit und Rechenzentrum verabschieden Manfred Tonn und Wilfried Ilse in den Ruhestand

Auf mehr als neun Jahrzehnte im Dienst der vit und des Rechenzentrums bringen es die beiden frischgebackenen Ruheständler Wilfried Ilse (2.v.l.) und Manfred Tonn (3.v.l.) , hier mit Dr. Sven Schierenbeck (l.) und Dr. Reinhard Reents (r.) von der Geschäftsführung.
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Auf mehr als neun Jahrzehnte im Dienst der vit und des Rechenzentrums bringen es die beiden frischgebackenen Ruheständler Wilfried Ilse (2.v.l.) und Manfred Tonn (3.v.l.) , hier mit Dr. Sven Schierenbeck (l.) und Dr. Reinhard Reents (r.) von der Geschäftsführung.

Zusammen bringen sie es auf mehr als 90 Jahre Berufserfahrung: Wilfried Ilse und Manfred Tonn vom Rechenzentrum Verden und den Vereinigten Informationssystemen Tierhaltung (vit). Kein Wunder also, dass ihr Arbeitgeber die beiden Männer nicht sang- und klanglos in den Ruhestand schicken mochte.

Verden – 44 oder gar 48 Jahre im Dienst desselben Arbeitgebers zu sein und dann in den Ruhestand zu gehen, darüber darf auch ruhig etwas in der Zeitung stehen. Und so verabschiedeten Dr. Reinhard Reents, Geschäftsführer des Rechenzentrums und der Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung (vit), sowie sein Stellvertreter Dr. Sven Schierenbeck die Herren Manfred Tonn und Wilfried Ilse nicht coronabedingt im ganz stillen Kämmerlein. Die Presse durfte mit dabei sein.

Bei einer Tasse Kaffee kamen dann vor allem Tonn, Ilse und Reents ins Erzählen über die vit und das Rechenzentrum im Allgemeinen und über die Aufgaben in dem 140 Mitarbeiter starken Team im Besonderen. Klar, dass auch der rasante technische Wandel dabei zur Sprache kamen.

Ein analoger Start mit Papier, Bleistift und Karteikarten

„Bleistift, Anspitzer, Radiergummi und Papier“, zählte Wilfried Ilse sein „Arbeitsgerät“ der ersten Jahre auf. Und Manfred Tonn erinnerte sich an Loch- und Karteikarten, an raumfüllende Rechner und die Übertragung von Daten per Telefon.

Heute ist dies alles kompakten Einheiten gewichen, wurden Stift und Papier schon lange vom PC abgelöst. Die beiden Männer erlebten das alles nicht nur hautnah mit, sondern trugen selber gerne zur Weiterentwicklung der elektronischen Datenverarbeitung bei. „Pioniere der Digitalisierung“ nannte Sven Schierenbeck die beiden denn auch.

vit und das Rechenzentrum (rzv) als dessen Tochtergesellschaft agieren bundesweit. Ihre Kunden, häufig vertreten über Institutionen wie die Masterrind oder der Hannoveraner Verband, sind Halter und Züchter von Rindern, Pferden, Schafen, Ziegen und Schweinen. „Wir verwalten die Daten von Tieren in der Landwirtschaft“, fasste Reents die umfangreichen Tätigkeiten der beiden Unternehmen knapp zusammen.

Daten von der Abstammung bis zur Milchleistung

Es sind Unmengen von Daten, die in dem Domizil am Heinrich-Schröder-Weg /Ecke Lindhooper Straße gespeichert sind. Über die Höfe, vor allem aber über die Tiere, ihre Abstammungen, Milchleistungen, Zuchtwerte, das Erbgut. Bei einem Verkauf des Tieres sind diese Daten beispielsweise wichtig für die Preisfindung. Außerdem können sie den Landwirten wichtige Hinweise liefern, wenn es darum geht, Probleme aufzudecken oder Abläufe zu optimieren. Oder aber – Stichwort Verbraucherschutz – sie weisen nach, dass eine Mutterkuh und somit auch ihre Nachkommen frei von BSE sind.

Wer auf die jeweiligen Daten den Zugriff erhält, auch das ist hinterlegt. Dabei seien die Informationen gesichert wie im Fort Knox, so Reinhard Reents. „Der Datenschutz ist für uns ein wichtiges Instrument“, betonte Wilfried Ilse.

Allein 100 Millionen Rinder sind beim wirtschaftlichen Verein vit registriert. Die laut Reents „magische Grenze“ zur Neunstelligkeit wurde vergangenen Monat mit der Geburt eines Kalbes im ostfriesischen Holtrop geknackt. Wilfried Ilse durfte dem Züchter im Namen der vit gratulieren. Quasi als letzte Amtshandlung.

Fusion mit dem DDR-Rechenzentrum

Der 65-jährige Ingenieur für Landbau startete 1977 als Programmierer beim vit-Vorläufer, wechselte recht schnell in die Herdbuchabteilung. Als deren Leiter trug er dann in den 80er- und 90er-Jahren maßgeblich dazu bei dass Kunden in ganz Westdeutschland und, nach der Fusion mit dem DDR-Rechenzentrum, auch die in den neuen Bundesländern an das System in Verden angeschlossen wurden.

Manfred Tonn, gebürtiger Brandenburger, startete seine Laufbahn 1973. Im damaligen DDR-Organisations- und Rechenzentrum für Tierzucht wurde er zum Facharbeiter für Datenverarbeitung. Als sich ihm knapp 20 Jahre später die Gelegenheit bot, nach Verden zu gehen, griff Tonn gerne zu. Ein Schritt, den er nie bereut habe. „Ich möchte nichts zurückdrehen und anders machen.“

Keien Bange vor der Langeweile

Den scheidenden Mitarbeitern wünschten Reents und Schierenbeck „alles Gute im wohlverdienten Ruhestand, Manfred Tonn wird ihnen dann und wann noch auf den Fluren begegnen. Er wird noch seine Nachfolge erst noch mit den Aufgaben vertraut machen.

Langeweile im Ruhestand fürchten beide nicht. Wilfried Ilse, vor einem Jahr von Luttum nach Schwarme gezogen, freut sich auf mehr Zeit für die vier Enkelkinder und will sich als Fußball-Fan auch weiterhin für den TSV Brunsbrock engagieren. Sein Kollege richtet seinen Blick auf Haus und Grund in Verden-Neumühlen. „Da ist immer was zu tun.“

Von Katrin Preuß

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