Ulrich Aden saß 35 Jahre lang als Taxifahrer hinterm Steuer / Eine Party zum Abschied

Der Zwei-Millionen-Kilometer-Mann

„In einem Taxi nach Paris...“ sang einst die Popgruppe Felix De Luxe. Eine solche Strecke musste Ulrich Aden nie zurücklegen. Aber bis Berlin kam er doch einmal. Foto: Preuß

Verden - Von Katrin Preuss. 47 Jahre im Beruf, immer für dieselbe Familie tätig, das muss man erst mal hinkriegen. Ulrich Aden hat’s geschafft. 1973 fing der gebürtige Bremer beim Verdener Wolfgang Schütte als Taxifahrer an. „Damals sogar mit dem eigenen Auto“, erinnert er sich. Später war er Angestellter bei dessen Tochter Helga, zuletzt arbeitete er für deren Sohn Olaf Köhler. Der sagt: „Ich kenn’ die Firma gar nicht ohne Ulrich.“

Erlernt hat Aden den Beruf des Einzelhandelskaufmanns bei der Konsumgenossenschaft Vorwärts, „aber man musste sich mal verändern“. Da kam das Angebot Schüttes gerade recht.

Dass ihm die Kombination aus Autofahren und dem Umgang mit Menschen gefällt, hatte Ulrich Aden da bereits feststellen können. Als Fahrer war er zuvor ein Jahr für die Firma Biomaris unterwegs gewesen und hatte bei dieser Gelegenheit auch die Region um Verden kennengelernt.

Eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Ortskenntnisprüfung. Gesundheitszeugnis und Sehtest waren auch keine Hürden. Und die Punkte in Flensburg? „Ich glaub’, da war nix“, sagt Aden. So stand der besonderen Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung, kurz Taxischein, nichts mehr im Weg.

Dreieinhalb Jahrzehnte lang kutschierte Aden Menschen von A nach B, ehe er vor zwölf Jahren in die Zentrale von Taxi Köhler wechselte. Nun aber ist Feierabend. Mehr oder weniger. Denn der 69-Jährige hat nach Aussage seines Chefs so viele Überstunden angesammelt, dass er wohl noch bis Ende April auf der Gehaltsliste steht.

Eine zünftige Abschiedsparty hat die Firma aber schon mal geschmissen für Ulrich Aden. Unter dem Vorwand, mit ihm essen gehen zu wollen, lotste Olaf Köhler seinen langjährigen Mitarbeiter ins Restaurant. „Ich wusste nicht, wohin es geht. Und das kann ich überhaupt nicht ab“, sagt Aden lachend.

Ziel der konspirativen Aktion war Adens Stammlokal, das Hotel Höltje. Dort wurde der (künftige) Ruheständler von rund 60 Kollegen und Freunden lautstark empfangen. „Das war ein Jubel wie im Stadion“, sagt Chef Olaf Köhler und guckt zu seinem Fahrer rüber. Der nickt: „Das war sehr, sehr schön.“

Ulrich Aden, genannt Ulli, ist nicht unbedingt ein Mann vieler Worte, obwohl er über seinen Beruf sagt: „Schnacken, das gehört dazu.“ Vielleicht ist er aber auch nur sehr verschwiegen. Denn in all den Jahrzehnten hat er als Chauffeur manch Lebensgeschichte von seinen Fahrgästen zu hören bekommen.

Viele davon waren Stammkunden: Patienten, die dreimal pro Woche zur Dialyse mussten. Kinder der Lebenshilfe, die er zur Kita oder zur Schule brachte. Und auch der Senior aus Verden, der noch ein letztes Mal vor dem Verkauf sein Haus sehen wollte, wird Aden auf der Fahrt einiges erzählt haben. Die Tour führte nach Berlin und zurück.

Aber egal, ob der Bundeswehrsoldat, der am Sonntagabend schnell vom Verdener Bahnhof zur Kaserne nach Barme musste oder der Partygänger, der nach durchzechter Nacht nach Haus wollte: „Wir haben uns um unsere Fahrgäste immer bemüht“, betont Aden, „und das erzählen die dann auch weiter.“

Mindestens zwei Millionen Kilometer hat Ulrich Aden in den 35 Jahren als Taxifahrer zurückgelegt. Ein Navi hat der 69-Jährige dafür nie gebraucht. „Auch privat nicht“, betont er.

Den modernen Zeiten kann er in noch einer Hinsicht wenig abgewinnen. „Das Autofahren ist heute nicht mehr schön“, sagt er mit Blick auf volle Straßen. Ob er angesichts dessen seinen Beruf noch einmal ergreifen würde? Ulrich Aden überlegt einen Moment und sagt dann: „Nee, heute würde ich mich gleich in die Zentrale setzen.“ Ob man ihm das angesichts seines schallenden Gelächters tatsächlich glauben soll?

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