Zwangsheirat und Misshandlung: Lesung mit Fernsehjournalistin Maria von Welser

„Wo Frauen nichts wert sind“

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Maria von Welser sprach auf Einladung des Zonta Clubs über ihr Buch „Wo Frauen nichts wert sind.“

Verden - Maria von Welser, einem breiten Publikum als Moderatorin des Frauenjournals ML - Mona Lisa bekannt, will Frauen eine Stimme geben, die in ihrem Land nichts wert sind. Sie gehören ihrem Ehemann oder Bruder und sind oft schlimmsten Misshandlungen ausgesetzt.

Von Welser ist nach Afghanistan, Indien und in den Kongo gereist und hat mit den Frauen dort gesprochen. Ihre Geschichten hat sie in dem Buch „Wo Frauen nichts wert sind“ aufgeschrieben. Auf Einladung des Zonta Clubs Verden war sie zu Gast auf dem Rittergut Hönisch und schilderte einige der bewegenden Schicksale.

In Afghanistan seien Frauen dem Mann untergeordnet und müssen ihm laut einem Gesetz von 2009 jederzeit sexuell zur Verfügung stehen. „Mädchen werden meist im Alter von zwölf bis 13 Jahren aus der Schule genommen, drei von vier Frauen werden zwangsverheiratet“, berichtete die Journalistin. Ärztliche Hilfe bekämen sie nicht, wenn sie erkranken, schwanger sind oder das Baby kommt. „Weil männliche Ärzte afghanische Frauen nicht behandeln dürfen“, erklärt von Welser. Wenig verwunderlich also, dass die Lebenserwartung der Frauen dort nur bei 45 Jahren liegt.

Doch sie beginnen sich zu wehren. Maria von Welser erzählte von Maryam Durani. „Sie kämpft an zwei Fronten für die Rechte der Frauen.“ Die junge Frau gründete einen Radiosender und berichtet von häuslicher Gewalt oder, wenn ein Mädchen einem alten Afghanen als Ehefrau verkauft wird. Zudem sitzt sie im Provinzrat von Kandahar. Für ihren Einsatz erhielt Maryam den internationalen Zonta-Preis „Frauen mit Mut“.

Eine andere Reise führte Maria von Welser nach Indien. Den Vereinten Nationen zufolge ist es nach Afghanistan für Frauen das zweitgefährlichste Land der Welt. Sie werden zwangsverheiratet, geschlagen und vergewaltigt. Weibliche Föten werden oft abgetrieben. In die Schlagzeilen geriet Indien durch die brutale Massenvergewaltigung der 23-jährigen Nirbhaya in Delhi und die tödlichen Folgen.

„Nach 17 Uhr geht in Indien kein Mädchen mehr auf die Straße, es ist zu gefährlich“, weiß von Welser. In der patriarchalisch geprägten Gesellschaft sind Frauen nichts wert. Ultraschalluntersuchungen bei Schwangeren dienen deshalb meist der Geschlechtsbestimmung. Auf Druck der Familie werden Frauen häufig gezwungen, ihre ungeborenen Töchter abzutreiben. „Es ist erschütternd, dass Mädchen nicht einmal im Bauch ihrer Mutter sicher sind“, sagte von Welser. Töchter bedeuten für Familien aus der Mittelschicht oft den finanziellen Ruin. Zwar sei die Mitgift offiziell abgeschafft, doch Schenkungen seien bei der Heirat einer Tochter nach wie vor üblich: „Die hat oft den Wert eines fünffachen Jahresgehalts des Vaters.“ Doch auch in Indien gibt es Lichtblicke. U-Bahnwaggons sind Frauen vorbehalten und die Zahl der weiblichen Polizisten hat sich erhöht.

Die engagierte Journalistin scheute sich auch nicht davor, im kriegsverwüsteten Ost-Kongo zu recherchieren. „Die Zerstörung der Frauen ist die Waffe dieser Kriege“, berichtete von Welser. Laut Statistik wird jede dritte Frau vergewaltigt. Die Vergewaltigung werde als Waffe eingesetzt, um die Frauen zu stigmatisieren und soziale Strukturen zu zerstören, erklärte die Autorin. Sie berichtete von einer Klinik in Panzi, in der nur Frauen und Kinder behandelt werden, die Vergewaltigungen und andere schlimmste Formen sexueller Gewalt erlebt haben. Von Welser berichtete auch von einer 14-jährigen Kongolesin. Sie wurde verschleppt, unter Drogen gesetzt und als Sexsklavin missbraucht. Wer der Vater ihres Kindes ist, weiß sie nicht. Trotz allem ist Welser sicher: „Wenn Frauen sich zusammentun und auf die Straße gehen, können sie etwas bewegen.“ - ahk

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