Zurück zu ihren Wurzeln

Sabatier als Galerie und Kunsthandel weiter in Verden

Zwei Männer inmitten von moderner Kunst.
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Sie können auch modern: Torsten (l.) und Frank Sabatier inmitten von Werken von Petrus Wandrey. Der Hamburger Künstler begründete in den 1980er-Jahren die Kunstrichtung des Digitalismus, bei der unter anderem technische Bauteile wie Leiterplatten zu Kunstwerken zusammengefügt werden.

„Zum Verkauf“, „Vor dem Abriss“: Der Sabatier-Standort Bergstraße 2, so verrieten es schon die Überschriften in der Verdener Aller-Zeitung, ist Geschichte, das Gebäude an Investoren veräußert, die an gleicher Stelle ein Büro- und Praxisgebäude errichten wollen. Die Firma Sabatier als Galerie und Kunsthandel existiert aber weiter. In Verden.

Verden – Zurück zum Ursprung hieß es für die beiden Geschäftsführer Torsten (57) und Frank (54) Sabatier, die Söhne von Firmengründer Eduard Sabatier. Der hatte 1963 von der Holzbilderhauer-Werkstatt seines Vaters aus, ebenfalls ein Eduard, in der Großen Fischerstraße 2 einen Handel mit Antiquitäten einfachen Stils begonnen. Nun sind die Sabatiers in das Domizil im Fischerviertel zurückgekehrt.

Schlichte Fassade, innen Wow-Effekt

Nach einem Werbebanner, einem großformatigen Schriftzug am Giebel, wie noch an der Bergstraße zu sehen, sucht der Besucher an dem Eckhaus aber vergebens. Nichts deutet darauf hin, welch geschmackvoll eingerichtete Räume, farbenfroh und reich an exklusivem Interieur, sich hinter der schlichten Fassade verbergen. Ein Wow-Effekt, verteilt auf drei miteinander verbundene Gebäude, verwinkelt und gerade deshalb sehr charmant. Aber es ist ja auch keine Laufkundschaft, die bei den Sabatiers klingelt.

„Wir sind Verdener, sind hier geboren“, sagt Frank Sabatier. „Und wir leben auch gerne hier“, ergänzt Torsten Sabatier. Doch ihre Geschäfte führen die beiden Brüder immer wieder – und wenn eine Pandemie dies nicht unmöglich macht – weit weg von der Aller, quer durch Deutschland und Europa, zum Beispiel nach Russland, weiter nach China und Japan und nach Amerika.

Darüber hinaus arbeiten die Sabatiers mit Museen zusammen, stellen ihnen Exponate für Ausstellungen zur Verfügung. Nicht immer, um diese zu verkaufen. „Aus privater Sammlung“ ist dann als Quelle neben einer solchen Leihgabe zu lesen.

Exklusivität ist das A und O

Werke der französischen Manufacture royale de porcelaine de Sèvres, der Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) Berlin und vor allem der Porzellan-Manufaktur Meissen kauft man nicht im Vorbeigehen. Ebenso wenig wie Möbel, die schon das Publikum der Pariser Weltausstellungen Ende des vorletzten Jahrhunderts in Staunen versetzten. Oder Bilder, wie sie Heinz Werner schuf.

Der Künstler aus Sachsen entwarf für Meissen rund 100 Dekore. Anders als „normale“ DDR-Bürger durfte er dafür die Welt bereisen. Die Eindrücke, die er dabei sammelte, hielt er in seinen Bildern fest. Einige davon schmücken nun die Ausstellungsräume im Hause Sabatier und stehen dort zum Verkauf.

Dabei spielt das Internet eine eher untergeordnete Rolle. Zwar zeigen die Brüder einige ausgesuchte Stücke auf ihrer Web-Seite. Diese erfüllt aber mehr den Zweck eines Showrooms. Einen Online-Shop gibt es nicht.

Wir machen kaum noch in Möbeln. Das ist auch ein Grund, warum wird uns entschlossen haben, uns von der Bergstraße zu verabschieden.

Frank Sabatier

Würden die Sabatiers ihre gesamte Ware ins Netz stellen, es würde manchen treuen Kunden brüskieren. Wer für Exklusives gutes Geld zahlt, der erwartet eine exklusive Behandlung – und möchte dann der Erste sein, dem die Verdener etwas offerieren.

Gerade die Herausforderung, sich darauf einzustellen, die Bedürfnisse, die verschiedenen Eigenheiten der internationalen Kundschaft zu erspüren, macht, da sind sich die Geschäftsführer einig, den Reiz ihres Tuns aus. Und „man hat mit schöner Ware zu tun“, fügt Frank Sabatier hinzu.

Die beiden Kunsthändler, das wird im Gespräch mit den beiden deutlich, sind gut vernetzt. Das betrifft die Käufer, oftmals Sammler, die dem Haus seit Langem verbunden sind, genauso wie die Verkäufer. „Unsere Ware kann nicht mehr produziert werden“, macht Torsten Sabatier deutlich, dass es sich eben um Raritäten handelt. Um sehr Ausgesuchte noch dazu.

Manch Ware findet ihren Weg zurück nach Verden. Etwa, wenn ein Sammler sie gegen ein anderes, begehrteres Stück eintauscht. Und es kann tatsächlich vorkommen, dass jemand, inspiriert von TV-Sendungen wie „Bares für Rares“, etwas anbietet und damit einen Treffer landet. Wie einst ihr Vater besuchen aber auch die Söhne Haushaltsauflösungen. Allerdings nicht mehr auf der Suche nach Schrank, Sekretär oder Vertiko.

Fachhändler für Meissener Porzellan

„Wir machen kaum noch in Möbeln“, erklärt Frank Sabatier. „Das ist auch ein Grund, warum wird uns entschlossen haben, uns von der Bergstraße zu verabschieden.“ Die beiden Kaufmänner sind Fachhändler für Meissener Porzellan. So ist auch Geschirr für Tisch und Tafel aus aktuellen Kollektionen bei ihnen erhältlich. Spezialisiert haben sie sich aber auf die Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert, auf Gemälde, Skulpturen, Kleinkunst und eben Porzellan.

Im Besprechungsraum ganz oben unter dem Dach, hat mit Werken von Petrus Wandrey allerdings Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts Einzug gehalten. Der gebürtige Dresdener, 2012 in Hamburger verstorben, war ein sogenannter Digitalist. Bei dieser Pop-Art-Variante werden für die Bilder und Skulpturen technische Bauteile verwendet.

Mona Lisa mit Bakelit-Telefonhörer im Gesicht, ein verkabelter Hund, der an einer blauen Tulpe aus Platinen schnuppert, und auf dem Tisch steht ein knallrotes Herz, dessen Leiterplatten wirken, als wollten sie dieses künstliche Organ zum Schlagen bringen.

Auch der runde Besprechungstisch aus Palisanderholz, an dem das Gespräch beim Kaffee aus Meissener Geschirr stattfindet, ist ein seltenes Einzelstück. „Den bieten wir nicht an“, sagt Frank Sabatier. Er und sein Bruder sind zwar in erster Linie Kaufleute. Aber eben solche, die ihrer Ware eine besondere Wertschätzung entgegenbringen, sich gerne mit ihr umgeben – und sie manchmal einfach behalten.

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