Verdener Unternehmer organisiert Mitarbeiter-Schnelltests

Zum Abstrich in die Sauna

„MegaSauna“-Geschäftsführer Mike Meder (r.), Nadine Mallack als Betriebskrankenschwester  und Bosch-Car-Service-Chef Philipp Meyer vor der umfunktionierten Blockhüttensauna.
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„MegaSauna“-Geschäftsführer Mike Meder (r.) fackelte nicht lange. Die Schnelltests sind geordert, eine Blockhütten-Sauna wurde zum firmeneigenen Testzentrum umfunktioniert und Nadine Mallack als Betriebskrankenschwester engagiert. Sie wird auch bei den Mitarbeitern von Philipp Meyer die Abstriche vornehmen.

Mit dem 19. April müssen Betriebe ihren Mitarbeiter Corona-Selbsttests anbieten. Der Verdener Sauna-Händler Mike Meder fackelte nicht lange, als der Kabinettsbeschluss bekannt wurde. Er bestellte 1000 Schnelltests, engagierte eine Betriebskrankenschwester und rüstete eine Blockhütten-Sauna kurzerhand zum betriebseigenen Testzentrum um

Verden – Mike Meder ist nicht der Typ, der etwas auf die lange Bank schiebt. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat den Verdener Unternehmer gelehrt: Wer Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel benötigt, muss schnell bestellen. Sonst ist der Markt leergefegt – und Meder muss, wie zu Beginn der Krise vor einem Jahr, wieder seine weißen Hemden opfern, um daraus Schutzmasken für seine Mitarbeiter nähen zu lassen.

Als das Bundeskabinett Mitte April beschloss, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten ab dem 19. April mindestens einmal in der Woche einen Corona-Test anbieten müssen, dachte der Geschäftsführer von „MegaSauna“ nicht lange darüber nach, wie er das findet. „Wir müssen das ja sowieso“, meint er ganz pragmatisch. Also setzte er sich sofort an den Computer und orderte erst einmal 1 000 Schnelltests zum Stückpreis von 3,50 Euro.

Wir wollen ja geschützte Mitarbeiter.

MegaSauna-Geschäftsführer Mike Meder

Insgesamt habe er allein in diesem Jahr bereits zwischen 8 000 und 10 000 Euro für Tests, Masken und Desinfektionsmittel ausgegeben. „Wir wollen ja geschützte Mitarbeiter“, sagt er.

Die Tests will Meder nicht nur der eigenen, knapp 40-köpfigen Belegschaft zur Verfügung stellen. Auch den Nachbarn entlang der Otto-Hahn-Straße bot der Sauna-Händler eine Beteiligung an.

Testung nur durch geschultes Personal

Und Meder ging noch einen Schritt weiter. Der Unternehmer orderte Schnelltests, wie sie in den Kliniken und Seniorenheimen verwendet werden. „Mir war es wichtig, das bestmögliche Ergebnis zu kriegen“, begründet er die Entscheidung. Weil solche Tests aber nur von geschultem Personal durchgeführt werden dürfen, engagierte Mike Meder obendrein die Gesundheits- und Krankenpflegerin Nadine Mallack als Betriebskrankenschwester.

Schließlich rüstete der Unternehmer noch eine der Blockhütten-Saunen auf dem Firmengelände um. „Test-Zentrum by MegaSauna“ steht jetzt draußen über dem Eingang. Drinnen wird Nadine Mallack künftig zweimal in der Woche bei Meders Mitarbeitern und, wenn gewollt, auch bei denen der Nachbarbetriebe die Abstriche vornehmen. Ein öffentliches Test-Zentrum, das betont Meder ganz ausdrücklich, sei das aber nicht.

Krankenschwester soll auch Überzeugungsarbeit leisten

Nach seiner Kenntnis wollen sich etwa 90 Prozent seiner Mitarbeiter testen lassen. Er hofft, die übrigen Beschäftigten noch von der Notwendigkeit überzeugen zu können. Und setzt dabei auch auf Nadine Mallack.

Hauptberuflich arbeitet sie auf einer Intensivstation, hat dort schon einige Menschen an Covid-19 leiden oder auch sterben sehen. „Mein jüngster Patient war 27“, sagt sie und unterstreicht damit, dass das Virus jeden und dann mit voller Härte treffen kann.

Einer der ersten, der das Test-Angebot von „MegaSauna“ dankend annahm, war Philipp Meyer, Geschäftsführer des gegenüberliegenden Bosch Car Service. Acht Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Laut Meyer wollen sie sich alle den freiwilligen Tests unterziehen. „Bei uns ist keiner im Homeoffice, das geht in einer Werkstatt ja schlecht“, sagt er. So trügen alle immer Masken. Die Tests sollen noch ein Stück weit mehr Sicherheit bringen. Über Mehrausgaben will Philipp Meyer deshalb gar nicht weiter nachdenken. Und „es ist immer noch günstiger, als den Laden drei Wochen zu schließen.“

Von Katrin Preuss

Unternehmmensverband Rotenburg-Verden kritisiert Testpflicht

Der Unternehmensverband Rotenburg-Verden (URV) übt scharfe Kritik an der vom Bundeskabinett beschlossenen Testpflicht, die heute in Kraft tritt. Sie offenbart, „wie die Realität in den Betrieben verkannt wird“, schreibt URV-Geschäftsführer Jürgen Esselmann in einer Stellungnahme.

Seit Beginn der Pandemie habe die die Wirtschaft Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen einzugrenzen und gering zu halten. Durch Hygienekonzepte, Arbeitszeitmodelle und Homeoffice hätten die Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise geleistet, so Esselmann. Schließlich liegt es im ureigenen Interesse jedes einzelnen Unternehmens, mit einer gesunden Belegschaft den Betrieb aufrecht zu erhalten, um weiterhin erfolgreich am Markt operieren und Liefer- oder Dienstleistungsverpflichtungen einhalten zu können. Zahlreiche Betriebe hätten in den vergangenen Wochen bereits eigene Anstrengungen unternommen, ihre Beschäftigten mit Corona-Tests zu versorgen. Dies nun zur Pflicht zu erheben, „spricht daher das Misstrauen gegenüber verantwortungsbewussten Unternehmerinnen und Unternehmern aus“, teilt Esselmann mit. „Dass die Politik auf die Einführung einer Testpflicht für Unternehmen pocht, mag dem wohl inzwischen begonnenen Wahlkampf geschuldet sein“, so der URV-Geschäftsführer. So ließe sich auch erklären, weshalb aufseiten der Arbeitnehmer die Teilnahme hieran im Grundsatz freiwillig ist.

Die Wirtschaft sei weiterhin Teil der Lösung im Kampf gegen die Pandemie und werde sich hier auch weiter einbringen. Esselmann abschließend: „Dass die Unternehmen aber mit weiteren finanziellen Belastungen versehen werden, ist der falsche Weg.“

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