Autofahrer beklagen zweierlei Maß

Zulassungsstelle Verden: Warten oder bezahlen

Mit Abstand: Wartende vor der Zulassungsstelle des Landkreises Verden.
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Mit Abstand: Wartende vor der Zulassungsstelle des Landkreises Verden.

Verden – „Ich saß am Telefon, ich war geplättet.“ Der Oytener Ulf Dobrychlop ringt immer noch mit den Worten. Er wolle ja niemanden beleidigen. Die Zulassungsstelle des Landkreises hatte Irritationen ausgelöst, wieder mal, aber diesmal geht es nicht um ein bisschen Wartezeit. Diesmal geht es um Handfestes. Er habe einfach nur sein Fahrzeug anmelden wollen, und er sei auf zweierlei Maß gestoßen.

Kennzeichen abholen: Vier Wochen warten, oder externen Dienstleister beauftragen

„Ich stand vor der Wahl, entweder vier Wochen zu warten, oder einen externen Dienstleister zu beauftragen, der das Kennzeichen am nächsten Tag organisieren kann. Gegen Entgelt, versteht sich.“ Alles kein Einzelfall.

Als die Kreisverwaltung wie berichtet mit der Mitteilung um die Ecke kam, gebuchte Zulassungstermine doch freundlicherweise zu stornieren, so sie denn nicht wahrgenommen würden, begann es erneut unter den Freunden von zwei- oder vier Rädern zu kochen. „Das ist nur das Ende des Rattenschwanzes eines selbst gemachten Problems“, sagt ein Anrufer, „die Leute sind sauer, dass sie vor die Wahl gestellt werden, entweder Bezahlen oder Warten, und machen sich dann nicht mehr die Mühe, den Termin abzusagen.“ Ein nächster führt technische Probleme an. „Der mitgelieferte Link zur Terminabsage funktionierte nicht.“

Zulassungsstelle Verden sind die Probleme nicht fremd

Der Zulassungsstelle sind die Probleme nicht fremd. „Es gab Beschwerden, es gab Vorwürfe“, räumt deren Leiter Marcel Dorsch ein. Er verweist auf die coronabedingte Öffnung, die seit knapp einem Jahr gelte. „Derzufolge können Autohändler ihren Stapel Zulassungsanträge täglich abgeben und Privatpersonen einen Termin vereinbaren.“ Die private Terminvergabe erfreue sich unterschiedlicher Beliebtheit. „In Wintermonaten sind einige Termine freigeblieben, im Frühjahr mit saisonal bedingt steigenden Um- und Anmeldungswünschen kann es schon mal länger dauern.“ Insgesamt erreiche man aber Zulassungszahlen auf Vorcorona-Niveau. „Im April 2019 waren es 6700 Vorgänge, im April 2021 exakt 6618“, so Dorsch.

Rund 300 Mal pro Tag dasselbe Problem. Das neue Auto ist da, der geneigte Besitzer brennt darauf, die erste Runde zu drehen. Jetzt noch schnell die Zulassung im Kreishaus in Verden einholen – und schon taucht sie auf, die Ernüchterung, immer noch. Wer etwa zum Pfingstwochenende versuchte, einen Termin zu ergattern, der kommt erst in knapp drei Wochen in den Genuss einer Audienz im Flachbau am Kreishaus. Mittwoch, 9. Juni, 10.20 Uhr. Oder eben die Auftragsvergabe an eine „genehmigte Person“, die dafür 35 Euro aufwärts verlange. „Aus meiner Sicht ist es Schmiergeld“, ereifert sich ein „Kunde“.

Wir haben immer noch Corona, wir können kein Risiko eingehen

Lockerungen sind nicht in Sicht. „Wir haben immer noch Corona, wir können kein Risiko eingehen“, sagt der Leiter der Zulassungsstelle. Auch der Variante, einfach einige Termine mehr pro Tag zu öffnen, und damit die nicht wieder freigegebenen Zeitnischen zu füllen, erteilt er eine Absage. „Wir verzeichnen ohnehin schon einen beträchtlichen Zulauf. Oftmals erscheinen die Aspiranten für Zulassungsvorgänge mit Familienangehörigen oder Freunden, und das in Corona-Zeiten“, sagt Dorsch, „wir müssen hier immer darauf achten, die Abstandsregeln im Blick zu behalten.“ Er könne nur appellieren, falls die jeweilige Terminvorgabe nicht eingehalten werde, sie zu stornieren. „Nur so können wir die Wartezeit auf das geringstmögliche Niveau reduzieren.“ Die Zahl der „versäumten“ Termine beziffert er „durchschnittlich mit ungefähr zehn am Tag.“

Der Kreis Verden bedauert die längeren Wartezeiten

Generell bedauere der Kreis Verden die längeren Wartezeiten, heißt es aus der Pressestelle der Verwaltung. Seit Beginn der Pandemie sei kein normaler Zulassungsbetrieb mit engem Kundenkontakt, sondern nur die zeitaufwändigere kontaktlose Zulassungsabwicklung möglich.

So komme es oftmals schon beim Zulassungsvorgang zu längeren Bearbeitungszeiten als in der Vorcorona-Zeit, heißt es weiter. Nachfragen zum Zulassungsvorgang konnten früher direkt im Gespräch am Tisch geklärt werden. Momentan müsse der Kunde zur Abklärung erst wieder durch ein Fenster aufgerufen werden.

Der Oytener Ulf Dobrychlop hält inzwischen die Zulassung in Händen. Und? Der Versuchung erlegen, einen Händler zu beauftragen? Er schmunzelt. „Das hätte mir widerstrebt.“ Er habe sich an den Computer gesetzt, habe die Terminliste aufgeblättert, habe sie immer wieder aktualisiert, und irgendwann, jawohl, da sei ein grünes Feld aufgeploppt. Für den übernächsten Tag schon. „Das habe ich genutzt.“

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