Elli Brake und Christian Walther aus Verden

Zuhause auf vier Rädern: Pärchen will englischen Doppeldeckerbus umbauen

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Stolze vier Meter hoch ist der englische Doppeldeckerbus „Bristol Lodekka“.

Er ist einer der letzten, der noch fährt: Im Jahr 1967 wurde der englische Doppeldeckerbus „Bristol Lodekka“ mit der Bezeichnung KPW483E von dem Hersteller Bristol Commercial Vehicles gebaut. Seit seiner Fertigstellung ging der knallrot lackierte Hingucker durch viele Hände.

Verden - So war er jahrelang auf Englands Straßen unterwegs und zwei Jahrzehnte als Messebus auf dem Bremer Flughafen im Einsatz, bis er schließlich im Dezember 2016 von dem Besitzer eines Fahrradladens in Metjendorf, Wiefelstede, aufgekauft wurde. Dort stand der Doppeldecker dann ausrangiert als Blickfang neben dem Geschäft und hielt oftmals als Fotomotiv her.

Winterquartier für Doppeldecker gesucht

Dort zog KPW483E auch die Aufmerksamkeit des Verdener Musikers Christian Walther auf sich. Der 37-jährige Saxofonist – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Chris Kawa – war zu dem Zeitpunkt bereits seit einigen Monaten von seiner Neuseelandtour mit Sonic Delusion zurück und fuhr regelmäßig auf dem Weg zu seiner Freundin an dem Fahrrradladen und somit an dem Doppeldeckerbus vorbei. 

Aktuell sucht Christian Walther noch nach einer Unterstellmöglichkeit für den Bus. 

Wie es der Zufall eben wollte, hatte gerade diese Neuseelandtour in ihm die Idee und den Wunsch geweckt, in einem Camperbus von Ort zu Ort zu fahren und seine Leidenschaft, die Straßenmusik, mit Leib und Seele zu leben. Und mithilfe des Doppeldeckerbusses sah der Musiker die Möglichkeit, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Überzeugung ist alles: Doppeldecker hat neuen Besitzer

„Schließlich hab’ ich einfach mal an dem Fahrradladen angehalten und bin mit dem Besitzer Rolf Joschko ins Gespräch gekommen. Nach einer Weile habe ich ihn dann gefragt, ob er den Bus mal verkaufen wollen würde. Seine Antwort? Zuerst ein klares Nein“, berichtet Christian Walther im Gespräch mit dieser Zeitung. Hat ihn das davon abgehalten, das Thema immer mal wieder anzusprechen? Ebenfalls nein. „Nach ein paar Monaten hatte ich ihn so weit, dass er mir den Bus verkauft hat“, schmunzelt Walther. Somit wechselte der englische Doppeldecker vergangenen Winter zum zehnten Mal den Besitzer.

Walthers Freundin, die selbstständige Yogalehrerin Elli Brake, war und ist ebenfalls von der Idee eines mobilen Zuhauses in einem englischen Bus begeistert. Die zwei hatten sich vor gut einem Jahr kennengelernt, als der 37-Jährige auf dem Eventschiff MS Koy auftrat. Seitdem sind die beiden glücklich verliebt und bald schon zu dritt, denn: Die 32-Jährige ist in der 34. Woche schwanger. Der Traum des Paares ist es, zusammen mit ihrem Kind in dem englischen Bus EU-Länder zu bereisen und mit einem minimalistischen Lebensstil glücklich zu werden.

Christian Walther und Elli Brake im oberen Teil des Busses: Hier soll es innerhalb des nächsten Jahres so richtig wohnlich werden.

Doch bis die kleine Familie mit KPW483E auf Tour gehen kann, liegt noch einiges an Arbeit vor ihnen. Schließlich ist „Bristol Lodekka“ grundsätzlich nicht dafür ausgelegt eine kleine Familie zu beherbergen, sondern dafür, Leute zu transportieren. Und da die letzte Fahrt des Busses schon ein paar Jahre her war, war er selbst dazu nicht mehr in der Lage.

Reparatur des Doppeldeckers dauerte Monate

„Das erste Problem war, den Bus vom Fahrradladen weg nach Verden zu bekommen. Sowohl die Kupplung, als auch die Bremsen, Reifen und Lichter waren defekt“, erinnert sich Walther. Also ließ das Paar das Fahrzeug nach Verden abschleppen. Leider gab es allerdings vor Ort keine Werkstatt, die den Bus hätte reparieren können. „Die Teile, die dafür notwendig waren, wurden längst nicht mehr hergestellt“, so der 37-Jährige. Schließlich konnten sie die Werkstatt ausfindig machen, die sich um die Instandhaltung des Busses gekümmert hatte, während der auf dem Bremer Flughafen im Einsatz war. „Die Reparatur dauerte einige Monate, bis der Bus wieder in Schuss war“, so Walther.

Die Zeit nutzte der Musiker, um den Führerschein in der Klasse CE zu machen. Somit erfüllt der 37-Jährige nun die Mindestvoraussetzungen, um den Bus überhaupt fahren zu dürfen.

Christian Walther im Führerhaus von KPW483E.

Nachdem alle Reparaturen abgeschlossen, das H-Kennzeichen abgenommen und der Tüv bestanden ist, steht dem Umbau des Busses zum Eigenheim nichts mehr im Weg. „Wir rechnen damit, dass der Umbau circa ein Jahr dauert“, berichtet Brake. Ihr und Walther ist es wichtig, dass der Charme der 60er-Jahre in dem Bus erhalten bleibt. „Wir werden die Sitzbänke zwar erst mal alle ausbauen, aber an anderer Stelle teilweise wieder einsetzen.“ Oben sollen dabei ein kleines Büro, eine Sitzecke sowie Bett und Schränke entstehen, als privater Wohnraum. Unten wiederum sollen Holzofen, Küchenecke sowie ein Bad ihren Platz finden. „Was sich dabei hinter der Verkleidung des Busses verbirgt, wird eine Überraschung“, so Walther.

Idee: Ein Café im unteren Stock des Doppeldeckers

Das Paar kann sich vorstellen, im unteren Stock des Busses ein kleines Café einzurichten. „Der Bereich soll eine Begegnungsstätte werden und zum Austausch sowie Verweilen einladen. Vielleicht werden wir ihn auch zu speziellen Anlässen als Eventbus vermieten.“

Eine Zeit lang war der Bus grün.

Aktuell suchen beide noch nach einer Unterstellmöglichkeit für den Bus über den Winter. „Ideal wäre es, wenn wir dort auch an ihm arbeiten könnten“, so der 37-Jährige. Wer solch eine Möglichkeit hat, kann sich unter Telefon 0176/21237436 bei Christian Walther melden.

Den Instagramaccount

des Künstlers Christian Walther finden Interessierte unter www.instagram.com/chriskawasax und den Yoga-Account von Elli Brake unter www.instagram.com/yogaundglueck. Wer das Projekt Doppeldeckerbus weiterverfolgen möchte, kann sich unter www.instagram.com/lodekkatraveling informieren.

„The History for KPW483E"

Wer weitere Informationen zur Historie der übrigen „Bristol Lodekkas“ – ein von Bristol Commercial Vehicles in England gebauter Doppeldeckerbus mit einer niedrigeren Gesamthöhe als die sonstigen Modelle – finden möchte, kann das auf der Webseite „Bristol Commercial Vehicles Enthusiasts“ unter http://bcv.robsly.com/index.html

Bristol Commercial Vehicles war ein Hersteller von Omnibussen und Lastkraftwagen aus Bristol, England. Die Betreiber der Webseite haben es sich zum Ziel gemacht, der historische Anhaltspunkt für alle zu sein, die sich über die verbliebenen Bristol VR, Lodekka, RE and LH Fahrzeuge des Herstellers informieren möchten. Die Aktualität wird dabei durch stets neue Updates zur Historie sichergestellt. Dazu gehören auch Fotos, wie zum Beispiel vom KPW483E, die unter dem Link http://bcv.robsly.com/kpw483e.html gefunden werden können. 

Ein Pärchen aus Gyhum hatte eine ähnliche Idee: Stefanie Hoyer und Benjamin Hermann möchten reisen. Doch so einfach geht das für die zwei nicht, denn Hoyer ist seit ihrem 15. Lebensjahr auf einen Rollstuhl angewiesen. 

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