Gunda Schmidtke verlässt nach 20 Jahren Kommunalpolitik den Stadtrat

„Zufrieden rausgegangen“

Eine Frau mittleren Alters sitzt in einem Korbsessel, das Kind in die Hand gestützt, und lächelt in die Kamera.
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„Vielleicht ausruhen“: Gunda Schmidtke muss selber lachen über ihre Antwort auf die Frage, was sie denn jetzt zu tun gedenke.

20 Jahrelang saß Gunda Schmidtke für die SPD im Verdener Stadtrat. Sie kandierte kein weiteres Mal, wollte für Jüngere Platz machen. Doch die Hände in den Schoß legen, das ist nicht ihre Sache. Im Gespräch mit der Verdener Aller-Zeitung zieht sie Bilanz - und wagt einen Ausblick auf Kommendes.

Verden – „Es gibt ein lachendes Auge und ein weinendes“, sagt Gunda Schmidtke. 20 Jahre saß sie als Mitglied der SPD-Fraktion im Verdener Stadtrat. Nun ist Schluss mit dem lokalpolitischen Ehrenamt. Gleichzeitig haben die vielen Abendtermine ein Ende. Aber eben auch die vielen Gespräche mit so ganz unterschiedlichen Menschen. Sie ist sicher, diesen Austausch wird sie vermissen.

Schon vor fünf Jahren habe sie entschieden, dass die Ratsperiode 2016 bis 2021 ihre letzte sein würde, berichtet sie. Jetzt sollen Jüngere das Ruder übernehmen. „Ich finde, wir brauchen eine neue Generation“, sagt Schmidtke. Und für die will die 67-Jährige beizeiten Platz machen. „Ich möchte nicht irgendwann gebeten werden: Jetzt bleib doch mal zu Hause.“ Lieber macht sie dies aus freien Stücken, das mit dem daheim sein. Sie versucht es jedenfalls.

„Ach, vielleicht ausruhen“, antwortet sie auf die Frage, was sie denn nun zu tun gedenke, und muss selber darüber lachen. Denn mal nichts tun, das gelinge ihr doch eher selten, gibt sie zu.

Ein hoher Stapel Bücher wartet darauf, von ihr gelesen zu werden. Außerdem gibt es da ja ihre Lieben, die fünf Enkelkinder, die aber in Kiel und in Kenia leben, den Ehemann Wolfgang und die Berner Sennenhündin Momo. Dazu noch ihre Tätigkeit in dem Verein, der sich der Übernahme von Vormundschaften widmet. Ihn gründete Schmidtke gemeinsam mit anderen 2015, als in der sogenannten Flüchtlingskrise viele unbegleitete Minderjährige kamen.

Sie wolle sich ein Ehrenamt suchen. Fünf Vereine haben ohnehin schon bei ihr angefragt, nachdem klar war, dass sie sich aus der Kommunalpolitik zurückziehen werde. Ob einer von ihnen Gunda Schmidtke für sich gewinnen kann? „Ich überlege noch“, sagt sie. Wie immer ihre Entscheidung ausfällt, eines ist sicher: Gunda Schmidtke wird sich dem neuen Ehrenamt mit ebensolchem Einsatz widmen, wie sie es in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten im Stadtrat getan hat.

Mehr als 30 Jahre in der Jugendhilfe tätig

„Ich kann nicht nur meckern, ich muss auch selbst was tun“, auf diese Feststellung folgte der Einstieg in die Kommunalpolitik. Wo es Handlungsbedarf gab, das hatte Gunda Schmidtke über ihren Beruf als Erzieherin und Sozialarbeiterin erfahren. Mehr als 30 Jahre war sie in der Jugendhilfe tätig, ist Mitbegründerin von Fokus, einem Freien Träger der ambulanten Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

Sie hat viele Menschen begleitet, damit diese es schaffen, „miteinander zu leben, ohne sich das Leben gegenseitig schwer zu machen“. Die beruflichen Erfahrungen, die sie dabei sammelte, hätten ihr auch im politischen Ehrenamt geholfen, gibt Gunda Schmidtke lächelnd zu. Als Ratsfrau, im Finanzausschuss, als Vorsitzende des Schulausschusses, als stellvertretende Bürgermeisterin, im Aufsichtsrat der Aller-Weser-Klinik und die letzten fünf Jahren als Ratsvorsitzende. Einstimmig sei sie in dieses Amt gewählt worden, das sei ihr wichtig gewesen. Eine Kampfabstimmung, so sagt sie mit Nachdruck, die hätte sie auf keinen Fall mitgemacht.

Entscheidungen nicht über die Köpfe der Betroffenen fällen

„Bildung war für mich mein Hauptthema“, blickt sie nun zurück. Dabei sei die räumliche Ausstattung der Schulen genauso wichtig wie das pädagogische Konzept. Gerne hätte sie die Entwicklung der Campus-Oberschule noch weiter begleitet. Dort geht es nun darum, die Gebäude so herzurichten, dass sie selbstverantwortliches Lernen möglich machen.

Ob die Einrichtung des Ganztags an den Grundschulen mit den entsprechenden Mensabauten oder eben das Finden einer Schulform als Ersatz für Haupt- und Realschule: Es sei immer ihr Anliegen gewesen im Schulausschuss, dass alle beteiligt werden, betont sie. Politik und Verwaltung, aber eben auch die Nutzer – Schüler, Lehrer und Eltern. „Weil’s aus meiner Sicht nicht anders geht.“

Miteinander klarkommen, ein gemeinsames Ziel verfolgen, danach habe sie im Rat und den anderen Gremien gearbeitet. Abstimmungen nach dem Parteibuch sind ihr ein Greuel. „Ich bin sehr für offene Mehrheiten.“

Diese als Ratsvorsitzende zu leben und zu lenken, das sei ihr gelungen, habe man ihr bei ihrer letzten Sitzung gesagt und ihr ein sehr hohes demokratisches Denken attestiert. Und ihr zum Dank auch noch die Verdienstmedaille der Stadt Verden verliehen. Insofern sind die Tränen des Abschieds dann doch nicht so zahlreich geflossen. Gunda Schmidtke lacht: „Ich bin da eigentlich ganz zufrieden rausgegangen.“

Von Katrin Preuß

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