Zonta-Lesung mit Musik: Schauspielerinnen zeichnen Frauenbiographien nach

Respektvoll, anrührend und ohne Pathos

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Julia Nehus (links) als Johanna und Birgit Scheibe als Lucyna verstanden es eindrucksvoll, das Publikum anzurühren, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.

Verden - „Wohin? Station: Verden. In Gedenken an Frauen in Nazideutschland.“, so der Titel der von der Cellistin Olga Kuhlmann und der Pianistin Beate Bode begleiteten Lesung mit Birgit Scheibe und Julia Nehus im Domherrenhaus.

Anlass der von der Verdener Clubpräsidentin Anita Freitag-Meyer moderierten Lesung war die jährliche Frühlingsbenefizveranstaltung des Zonta Clubs Verden zugunsten des Projekts „Prävention der Übertragung des Aids-Virus auf Kinder“, das Zonta International in Zusammenarbeit mit Unicef betreibt.

Der Ansturm war groß und das Publikum begeistert. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich die Verdener Schauspielerinnen Julia Nehus und Birgit Scheibe mit Biografien von Frauen in Nazideutschland beschäftigt. Für die Künstlerinnen war es eine intensive, teils persönlich belastende Auseinandersetzung, bei denen sie sich auch mit dem Schicksal von zwei Frauen konfrontiert sahen, die einige Jahre in Verden verbracht hatten: die Jüdin Lucyna Gorgas und die Halbjüdin Johanna Pichet.

Mit Blick auf den lokalen Bezug wurden sie in den Fokus des Programms gestellt; stellvertretend für alle Frauen in Nazideutschland und stellvertretend für alle Frauen, die nach 1945 den Wiederaufbau geleistet haben.

Die Texte der Lesung hatten Nehus und Scheibe überwiegend aus von Jürgen Weidemann und Werner Schröter im Verdener Heimatkalender publizierten Artikeln ausgewählt. Ebenso anrührend wie lebendig hatten die Künstlerinnen die Lebensgeschichten der Frauen nachgezeichnet und die Erlebnisse, Emotionen und die Ahnungen kommender Ereignisse der Protagonistinnen geradezu körperlich spürbar gemacht. Es wurden viele Passagen gelesen, bei denen so mancher im Auditorium Gänsehaut bekam oder sich die Tränen aus den Augen wischte. Die abwechselnd von Nehus als Johanna und Scheibe als Lucyna vorgetragenen Passagen schilderten die existenzielle Notlage der Betroffenen, der verfolgten Juden und der gehetzten Nazigegner.

Erst im späteren Verlauf der Lesung durfte das Publikum ein wenig aufatmen, als die Jahre des Wiederaufbaus und die daraus resultierende wieder aufkommende Freude am Leben Thema wurden. Die eindringlich erzählte Entwicklung beider Biografien und die Schilderung der Nachkriegszeit wirkte umso authentischer, weil sie in schnörkelloser Sprache und ohne allzu viel Pathos daherkamen.

Wer die Veranstaltung nicht besucht hat, das Benefizprojekt aber unterstützen möchte, wird von Zonta Verden um Spenden unter dem Stichwort „Ruanda“ an den Verein der Freunde Zonta International, auf das Spendenkonto bei der KSK Verden IBAN DE49 2915 2670 0019 0190 90 gebeten.

Am Donnerstag, 21. Mai, 19.30 Uhr, findet eine weitere Aufführung der szenischen Lesung im Domherrenhaus statt. Karten sind dort ab Dienstag, 28. April, zum Preis von 15 Euro erhältlich.

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