Als plötzlich keine Angebote für den Rohbau eingingen: Hektik bei Gaswerk-Ausbau

Zitterpartie um Verdens schönsten Allerblick

Die Fassade mit mächtigen Gerüsten gestützt, das Gebäude vollständig entkernt: Bei der Sanierung der alten Gaswaschanlage gehen bis zum Jahreswechsel die Abrissarbeiten zu Ende, ehe der Rohbau mit Fundaments-Verstärkungen beginnt.
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Die Fassade mit mächtigen Gerüsten gestützt, das Gebäude vollständig entkernt: Bei der Sanierung der alten Gaswaschanlage gehen bis zum Jahreswechsel die Abrissarbeiten zu Ende, ehe der Rohbau mit Fundaments-Verstärkungen beginnt.

Verden – Am Ende war es eine glückliche Mischung aus passablem Wetter und doch noch interessierten Firmen. Verdens ungewöhnlichste Baustelle kann wie geplant mit einer großräumigen Staffelübergabe ins nächste Jahr wechseln. An der ehemaligen Gaswaschanlage nahe der Nordbrücke gehen die Abrissarbeiten zu Ende, schon Anfang Januar beginnt der Rohbau. „Zurzeit sieht weiterhin alles nach einem Einzug der Staatsanwaltschaft Ende des Jahres 2021 aus“, sagt auf Nachfrage Wolfgang Tobias aus dem Verdener Rathaus. Auch die atemberaubende Bausumme von 14 Millionen Euro könne nach aktuellem Stand gehalten werden.

Zwischenzeitlich bestanden berechtigte Zweifel. Ein trister Morgen im Herbst. Der Tag, an dem endlich die Briefe der Firmen auf dem Schreibtisch landen und geöffnet werden sollten. Aber der Tisch blieb leer. „Kein Angebot da“, sagt Tobias, „jedenfalls keines, das in die Rubrik Wirtschaftlichkeit fallen würde.“ Und das ausgerechnet auch noch für das erste große Wiederaufbau-Gewerk, das zu vergeben war, für den Rohbau. In aller Eile musste Tobias eine erneute europaweite Ausschreibung starten. Erst wenige Tage vor dem Fest die Entwarnung. Es hatte sich tatsächlich ein Betrieb gefunden, der nicht nur die geforderten Arbeiten durchzuführen vermag, sondern auch im Kostenrahmen blieb. Schon ab kommender Woche wird das Unternehmen beweisen können, dass es nicht zuviel versprochen hat.

Schwierige Suche nach Baufirmen

Die Suche nach Baufirmen entwickelt sich generell immer mehr zum Problem. Die Unternehmen verfügen nach Brancheninformationen über volle Auftragsbücher, sie arbeiten am Limit, auch und vor allem in Corona-Zeiten, in denen selbstverständlich Abstands- und Hygienekonzepte eingehalten werden müssen, und ausreichend Personal lässt sich auf dem abgefrühstückten Arbeitsmarkt auch nicht mehr ohne Ende finden. „Viele verfolgen eine zweigeteilte Taktik. Mal beteiligen sie sich erst gar nicht an der Ausschreibung, mal setzen ein Abwehrschreiben auf.“ Vor allem die Abwehrangebote entwickeln sich zur beliebter werdenden Variante. Alles hochpreisige Offerten, mit denen entweder ordentlich Kasse gemacht oder bei Nichterteilung auf die ohnehin vielen Aufträge zurückgegriffen werden kann, die sowieso schon vorliegen.

Noch allerdings haben die Abrissfirmen auf dem Gelände am Allerufer das Sagen. Ein Bagger steht tief unten inmitten der Fassadenschluchten, die mit viel Aufwand erhalten bleiben. Bauarbeiter flexen an Stahlsträngen, die einer alten Schienenanlage ähneln. Aber viel ist nicht mehr zu tun. Einige Stapel Restmüll noch, das war‘s dann auch schon.

Übernächsten Montag beginnt bereits der Neuaufbau. Zunächst noch einigermaßen unscheinbar mit neuen Betonfundamenten, anschließend spektakulärer. Mächtige Stützen ziehen ein, darauf werden die neuen Geschossdecken in Fertigbauweise gelegt. Tobias: „Zum Einsatz kommen Spannbeton-Hohldielen. Sie sind mit ihrer Wabenkonstruktion genauso tragfähig wie herkömmliche Betondecken, aber sie sind deutlich leichter.“

Mietvertrag läuft 30 Jahre

Auch die Dachkonstruktion werde erneuert, dies mit einer Kombination aus Stahl und Holz. Abschließend erhalte der Westflügel hin zur Aller ein zusätzliches Geschoss mit mächtiger Fensterfront. Wer künftig dahinter stehe, könne den wahrscheinlich traumhaftesten Blick über Aller und alte Aller und die malerischen Wiesen genießen. Der Einzugstermin der Staatsanwaltschaft auf den rund 3 000 Quadratmetern mit Büros und Besprechungszimmern sei nicht geändert. Zurzeit, so Tobias, deute alles auf Ende des Jahres 2021 hin. Und dann geschehe erst mal lange nichts Besonderes. Die Stadt Verden hat mit dem Justizministerium einen Mietvertrag über bemerkenswerte 30 Jahre geschlossen.

Lediglich das Problem Parkplätze sei dann noch nicht gelöst, die Auto-Abstellflächen direkt am Haus. Wolfgang Tobias macht deutlich, dass hier zunächst ein anderes Bauwerk stehen muss: die neue Nordbrücke. Weil diese in größerem Abstand zur künftigen Staatsanwaltschaft gebaut werde, sei erst dann Platz für Pkw, „vor Umbau der Brücke nicht“.

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