Nach Attacke am 10. Juni 2017

Prozess am Verdener Landgericht: Zeugen sprechen von „Blitzattacke“

Verden – „Alle Zeugen haben eine Art Blitzattacke geschildert“, sagte eine Polizeibeamtin am dritten Verhandlungstag des Verdener Landgerichtsprozesses gegen fünf Angeklagte aus Walsrode, Eystrup und Visselhövede. Den 27 bis 36 Jahre alten Angeklagten mit „Verbindungen zu den Hells Angels“ wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Sie sollen am 10. Juni 2017 in Verden mehrere Personen aus dem „Umfeld des MC-Gremium“ bei einer Feier „hinterlistig überfallen“ haben.

Bereits wenige Minuten, nachdem die Schlägerei über Funk gemeldet worden war, seien sie am Tatort eingetroffen, berichtete die Beamtin. Doch da seien die Angreifer schon von dem Hinterhof einer Gaststätte an der Grünen Straße verschwunden gewesen. Pfefferspray, das die Täter eingesetzt haben sollen, habe sie selbst noch „relativ stark“ wahrgenommen.

10 bis 15 Männer, „tätowiert, groß und kräftig“, fasste die Polizistin die damaligen Täterbeschreibungen zusammen. Ein unbeteiligter Augenzeuge, der durch lautes Geschrei auf die Tat aufmerksam geworden war und dessen Aussage verlesen wurde, hatte von Lederjacken und Lederwesten ohne Emblem berichtet. Stühle und Bänke seien geflogen. „Das ging so schnell, die hatten gar keine Chance zu reagieren“, heißt es weiter in der Aussage.

Einige der überfallenen Männer hätten T-Shirts des „Gremium MC“ getragen. Einer von ihnen habe berichtet, dass man zuvor mit diesen Shirts auf der Domweih unterwegs gewesen sei. Der Zeuge habe vermutet, dass die Gruppe dabei von einer anderen Rockergruppe gesehen worden sei. Dies sei nicht toleriert und „gemeldet“ worden. „Das hier ist rot-weißes Gebiet“, werden die Täter in der Anklageschrift zitiert.

Eine andere Zeugin, deren Aussage ebenfalls verlesen wurde, schilderte, dass die Angreifer konkret nach einer Person gefragt hätten. Das soll der Gastgeber der Feier gewesen sein. Von dem 36 Jahre alten Angeklagten aus Walsrode soll der Verdener den ersten Hieb, verstärkt mit einem Schlagring, kassiert haben. Mehr als einen Monat nach der Tat stellten Ermittler bei einer Hausdurchsuchung bei ihm einen Schlagring sicher. Er muss sich im Prozess zusätzlich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

Drei der fünf Angeklagten waren kurz nach der Tat in Verden von der Polizei gestoppt worden. Dabei sollen Messer, Pfefferspray, ein Teleskopschlagstock und schlagkraftverstärkende Quarzhandschuhe sichergestellt worden sein. Das vermutlich beste Beweismittel sind Videos der Tat, aber bei diesen ist noch unklar, ob diese verwertet werden dürfen.

Der Prozess soll am 5. April fortgesetzt werden.  

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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