Reichsbahnwaggon als Gedenkort auf dem Gelände der BBS Verden eingeweiht

Zeitzeuge auf Rädern

Zwei Männer stehen auf einer Bühne, einer mit E-Bass und einer mit mikrofon.
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„Microphone Mafia“: Joram Bejarano (l.) und Kutlu Yurtseven spielten in Verden.

Verden – Im dritten Anlauf hat es endlich geklappt. Am Freitagabend wurde der restaurierte Reichsbahnwaggon auf dem Gelände der Berufsbildenden Schulen (BBS) offiziell als Gedenk-, Lern- und Erinnerungsort eingeweiht. Viele interessierte Gäste waren gekommen. Als Ehrengast sollte eigentlich die 96-jährige Esther Bejarano, Überlebende des KZ Auschwitz, anwesend sein, aus gesundheitlichen Gründen war das aber leider nicht möglich.

Ihre Band Microphone Mafia mit Sohn Joram war aber trotzdem zu Gast, und zumindest akustisch war Esther Bejarano dabei.

Zugang für den Gedenkort

Das Gelände der BBS ist zur Bertha-Benz-Straße hin geöffnet worden, sodass der Gedenkort über einen eigenen Zugang verfügt und zu jeder Tageszeit besucht werden kann. Informationen zum Mahnmal gibt es auf fünf Infotafeln.

Mahnmal für die Zwangsarbeit

„Es ist soweit, ein langer Weg des Ringens um das Wie in der Erinnerungskultur hat seinen Abschluss gefunden. Es gab Feuer von Worten und auch Feuer gegen den Waggon selbst“, sagte Pastor Wilhelm Timme, zweiter Vorsitzender des Vereins Verdener Waggon im Netzwerk Erinnerungskultur, rückblickend. Er erinnerte daran, dass Dr. Joachim Woock den Waggon einst in Leipzig entdeckt und als Mahnmal für die Zwangsarbeit nach Verden geholt hatte.

Der Verdener Waggon ist einer von vielen, die in der Vergangenheit für Menschentransporte genutzt wurden. Soldaten kamen so an die Front, Zwangsarbeiterinnen nach Deutschland, Kriegsgefangene in Internierungslager. Flüchtlinge wurden in alle Richtungen transportiert und Verfolgte in die Konzentrationslager.

Erinnerung an Schrecken der NS-Diktatur

Landrat Peter Bohlmann dankte dem Verein in seinem Grußwort für die „großartige Leistung“ in den vergangenen drei Jahren. 2014 habe der Kreistag das „Netzwerk Erinnerungskultur“ beschlossen, ein dazugehöriges Projekt sei der Waggon. Dieser Gedenkort gehöre zu zahlreichen weiteren Orten, , die an die Schrecken der NS-Diktatur erinnern. Gerade heute, wo der Hass auf Minderheiten auf fruchtbaren Boden falle und die Verrohung im Netz zunehme, seien solche Mahnmale wichtig, betonte der Landrat. Sie zeigten auf, wohin Fremden- und Demokratiefeindlichkeit führen könnten.

Bürgermeister Lutz Brockmann erinnerte an den Brandanschlag auf den Waggon 2007. Ein paar Menschen hätten den Waggon anschließend vor das Rathaus geholt. Viele Gespräche seien daraufhin geführt worden. „Das war eine aufregende und erfolgreiche Aktion“, so Brockmann. Das Netzwerk Erinnerungskultur könne jede Generation aufs Neue davon überzeugen, dass Demokratie das Richtige sei und Menschenrechte nicht in Frage gestellt werden dürften.

Nach Anschlag drohte die Verschrottung

Der erste Vorsitzende des Vereins Verdener Waggon im Netzwerk Erinnerungskultur, Ehler Lohmann, rief den Anwesenden noch einmal ins Gedächtnis, dass dem Waggon nach dem Anschlag die Verschrottung gedroht hatte. „Seine Ehrlichkeit als Zeitzeuge auf Rädern ist für manche unbequem“, sagte er.

...damit so etwas nie wieder passiert

„Jugendliche müssen darüber informiert werden, was damals war, damit so etwas nie wieder passiert“, sprach Jule Wieters als jüngstes Vorstandsmitglied für ihre Generation.

Ein bewegender Moment war, als Joram Bejarano Auszüge aus der Autobiographie seiner Mutter vorlas. Zum Ausklang der Veranstaltung spielte er gemeinsam mit Kutlu Yurtseven als „Microphone Mafia“ Lieder über Frieden und Menschenrechte als Mischung aus jüdischer Musik und Rap. Auch die Stimme der 96-jährigen Esther Bejanaros war zu hören.  ahk

Der Reichsbahnwaggon auf dem Gelände der BBS kann zu jeder Tageszeit besucht werden.

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